Heimatkundlicher Stammtisch greift Thema Erdfall auf
Wenn die Erde wegsackt

Kurz vor Weihnachten 1998 gab es in der Flur Kehlhof, 600 Meter südlich von Hohenkemnath, zwei neue Erdeinbrüche.
Vermischtes
Ursensollen
15.12.2015
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Am Teufelsloch ist eine weit verbreitete Unsitte zu sehen: Das Verfüllen von Dolinen mit Grünabfall und Steinen, manchmal sogar mit Bauschutt - eine Gefahr für das Grundwasser. Bilder: schß (2)

Ein Erdfall nördlich von Sauheim weckte im Sommer großes Interesse bei der Bevölkerung. Was es mit diesem Phänomen auf sich hat, erläuterte jetzt der heimatkundliche Stammtisch Ursensollen.

Erlheim. Die Geologie der Alb stand im Mittelpunkt bei dem Treffen im Gasthof Erlhof in Erlheim. Der Heimatpfleger der Gemeinde Ursensollen, Josef Schmaußer, und sein Team machten dort die Geologie der Gemeinde zum Ausgangsthema der Gespräche. Eröffnet wurde der Abend mit Bildern, die die reichen heimatkundlichen Aktivitäten der Gemeinde Ursensollen zeigte. Auch Kreisheimatpfleger Dieter Dörner war Gast: Er stellte den neuesten Band der heimatkundlichen Schriftenreihe "Der Eisengau" vor.

Kein Einzelfall


Die "Geologie der Alb" bot sich als Thema an, weil ein Erdfall bei Sauheim für Aufsehen gesorgt hatte. Das Interesse der Öffentlichkeit war groß, weil in der Gemeinde immer wieder solche Einbrüche vorkommen. Hohenkemnath und Ursensollen liegen laut geologischer Karte in der Übergangszone der Kreideüberdeckung und der Malmtafel aus der Jurazeit. Die saueren Niederschläge lösen in einem langen Prozess die Gesteinsschichten auf. So bilden sich unterirdische Hohlräume oder gar Höhlen.

Die Gäste zählten viele solche Beispiele aus der Region auf. So brach um 1965, kurz nach der Fertigstellung der nun staubfreien AS 15 beim Hilpert-Stoandl westlich von Haag, neben der neuen Kreisstraße, ein etwa drei Meter breiter und drei Meter tiefer Krater ein. Anfang der 1970er- Jahre war südlich am Ortsrand von Haag auf einem Acker ein Erdeinbruch mit rund sieben Metern Durchmesser und sechs Metern Tiefe zu sehen.

Überraschung an Silvester


Aufsehen über die Region hinaus erregte am Silvestermorgen 1995 ein Erdeinfall im Garten einer Familie in Ursensollen. Überraschend war, dass bei diesem geologischen Ereignis ein starker unterirdischer Wasserfluss festgestellt wurde. Obwohl Ursensollen beinahe am höchsten Punkt der Albhochfläche (538 Meter) liegt, war auch unter dem ehemaligen Brauhaus der Familie Gehr (bis 1920) eine starke Quelle aktiv. Allerdings wurde sie verfüllt. Man möchte sie nun aber über die Städtebauförderung wieder reaktivieren.

Im Sommer 1996 entdeckte ein Landwirt auf seinem gepachteten Feld zwischen Gunzelsdorf und Richtheim (Gemeinde Ursensollen) ebenfalls ein frisch eingebrochenes Erdloch (2x2 Meter groß, drei Meter tief). Da er es nicht sofort verfüllte, konnte es ein Experte vermessen und untersuchen (Skizze in "Der Eisengau", Band 12)

Eine Unsitte: Verfüllen


Kurz vor Weihnachten 1998 gab es in der Flur Kehlhof, 600 Meter südlich von Hohenkemnath, zwei neue Erdeinbrüche. Sie befanden sind ganz in der Nähe von drei sehr großen Dolinen, die 1962 (nach dem Abriss des historischen Pfarrhofes von 1828) und 1992 verfüllt wurden.

Eine verbreitete Unsitte ist das Verfüllen von Dolinen mit Grünabfall und Steinen, manchmal gar mit Bauschutt. Diese Senken haben fast immer eine direkte Verbindung mit dem Grundwasser: Dieses kann durch Schutt verunreinigt werden. Farbproben haben ergeben, dass die unterirdischen Gewässer um Ursensollen in Richtung Hausner Bach fließen oder in Richtung des Kuhfelsens. Hier verlief vor rund 300 Jahren noch das Erlheimer Bachl, gespeist aus der noch bestehenden Quelle in Bittenbrunn.

Der nächste heimatkundliche Stammtisch ist am Donnerstag, 28. Januar, wieder in Erlheim.

Das Teufelsloch und der alte MaxDie Geschichte vom Teufelsloch. Und wie "der alte Max" mit dem Teufel raufte:

In früheren Zeiten wurden alle Phänomene und Begebenheiten in der Natur, die sich die einfache Bevölkerung nicht erklären konnte, mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Das bekannteste Beispiel ist die Teufelsmauer, Reste des einstigen Limes. Das Wissen um diesen römischen Grenzwall war im Lauf der Geschichte verlorengegangen.

Vor etwa 60 Jahren ereignete sich auf dem Kirchensteig zwischen dem Filialort Erlheim und dem Kirchdorf Hohenkemnath folgende Geschichte, die der originelle Krämerladenbesitzer Martin Gimpl seiner Ehefrau aufgetischt hatte: Er war angeheitert auf dem Heimweg vom Wirtshaus in Erlheim auf dem Kirchensteig unterwegs, als er in ein großes Raunloch (Doline) fiel. Brombeersträucher zerkratzten sein Gesicht und zerrissen seine Kleidung.

"Wej schaust denn du aus?", schimpfte seine Ehefrau. "I hob im Raunloch am Kirchnsteig mit 'm Teifl graaft", gab der arme Sünder zur Antwort. Diese Geschichte machte bald im Dorf die Runde. Wir Kinder glaubten natürlich diese Räuberpistole - und hatten seither einen Heidenrespekt vor dieser Doline, die die Einheimischen seither nur noch Teiflsloch nennen.

Der "alte Max", eigentlich Martin Gimpl, war übrigens, zusammen mit Sabina Donhauser, der erste Tote, der im Januar 1961 im neuen Leichenhaus auf dem Friedhof in Hohenkemnath aufgebahrt lag. Damit endete im Dorf die Zeit, in der die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt wurden. (schß)
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