Johann Sperber betreut seit 1976 die Wetterstation in Ursensollen
116 Sperber-Jahre sind Rekord

Die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik leuchtet am Hemd von Johann Sperber. Zusammen mit seiner Frau Katharina kümmert er sich seit 40 Jahren um die Wetterstation in Ursensollen. Rechts Bürgermeister Franz Mädler, von links vom Deutschen Wetterdienst Gebietsbetreuer Ulrich Beck und Regionalgruppenleiter Thomas Schuhmacher. Bild: ll
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Ursensollen
11.07.2016
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Johann Sperber steckt voller Geschichten. Wie einer vom Blitz erschlagen wurde. Als ein SS-Mann beinahe seine Mutter erschossen hätte. Warum nach dem Krieg der Lehrer wollte, dass die Kinder Preußisch schreiben. Die Bundesverdienstmedaille gab es aber nicht für Johann Sperbers Erinnerungen.

Diesen Aufgaben kamen die Sperbers immer ganz unspektakulär nach. So war sogar ihr Nachbar, Bürgermeister Franz Mädler, überrascht, als ihm der Deutsche Wetterdienst mitteilte, der Bundespräsident habe Johann Sperber für sein 40-jähriges ehrenamtliches Engagement die Bundesverdienstmedaille verliehen.

Ausgehändigt wurde sie am Montag im Rathaus durch Thomas Schuhmacher, den Leiter der Regionalen Messnetzgruppe des DWD in München. Er wies auf die ungewöhnliche Treue hin, die die Familie Sperber mit dem DWD verbindet: "Es ist nicht normal, dass man in seiner Familie eine Wetterstation 116 Jahre lang hat." Denn bereits Johann Sperbers Großvater übernahm im Jahr 1900 die Verantwortung für die Station. Später kümmerte sich seine Tante darum, ehe sie 1976 an ihn überging. "Diese Form der Kontinuität hatte ich noch nie", sagte Schuhmacher mit Blick auf die 600 Stationen in seinem Bereich.

"Das ist ein Datenschatz, den Sie da geschaffen haben", lobte er die Sperbers. Man brauche ihn etwa für die Wettervorhersage, Gutachten bei Wetterschäden oder die Berechnung der Stärke von Kanälen. "Das ist ein wichtiger Dienst für die Gesellschaft." Er erlaube nicht zuletzt, die Folgen des Klimawandels besser einschätzen zu können. So erkannte man an dem 1931 einsetzenden Datenbank-Auszug, dass es heutzutage deutlich mehr Niederschläge gibt als früher (die Höchstwerte erreichte Ursensollen im Jahr 2002) oder dass der Oktober 1943 ein Monat ohne Regen war. Bürgermeister Franz Mädler dankte seinen Nachbarn namens der Gemeinde mit kleinen Präsenten für ihre Zuverlässigkeit.
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