Mit 20 Jahren übernimmt er den Hof
Azubis zwischen Mist und Mast

Vermischtes
Ursensollen
01.03.2016
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Ich habe noch keinen Tag bereut.

Was macht ein 19-Jähriger werktags um 19 Uhr? Er treibt Sport, schaut fern, trifft sich mit Freunden oder spielt Computer - Farmville zum Beispiel. Florian Trenz ist die Ausnahme: Er ist nicht mit dem Smartphone auf einem virtuellen Bauernhof unterwegs. Für ihn ist es das echte Leben. Wenn er 20 Jahre alt ist, übernimmt der Auerbacher sogar einen Hof und wird Chef.

Auerbach/Ursensollen. Aufstehen vor 6 Uhr. Der Start in den Tag unterscheidet sich bei Florian Trenz im Vergleich zu anderen Lehrlingen nicht. Was aber danach folgt, macht ihn und seine Ausbildung einzigartig: Ab in den Stall, nach 20 Kälbern sehen, das Futter für 75 Kühe mischen, ausmisten, regelmäßig den Melkroboter reinigen oder wie neulich den alten Bulldog zur Reparatur nach Amberg bringen. Feierabend? Nicht vor 17 Uhr, denn um diese Uhrzeit wiederholt sich für den Auerbacher auf dem Hof der Familie Edenharter in Ehringsfeld (Ursensollen) die morgendliche Prozedur: Kälber, Kühe, Futter, Melkroboter. Erst dann, so gegen 19 Uhr, kann sich Florian Trenz zurücklehnen

Großcousin braucht ihn


"Ich habe noch keinen Tag bereut", sagt Florian, der sich im dritten und damit letzten Ausbildungsjahr befindet, nicht aus einem landwirtschaftlich geprägten Elternhaus stammt, aber dennoch über jede Menge Erfahrung verfügt. Die Mutter ist Krankenschwester, der Vater arbeitet in Hamburg, aber Großvater Michael Trenz aus Degelsdorf bei Auerbach war Landwirt. Der Hof ist mittlerweile verpachtet, aber schon im zarten Alter von fünf Jahren fuhr der Bub beim Opa auf dem Traktor mit. "Von allem a bissl was", hat Florian damals gemacht. Aufwendiger wurden die Aufgaben, als er parallel zur Ausbildung damit begann, auch seinem Großcousin Ludwig zur Hand zu gehen. Der 60-jährige Nitzlbucher, der alleinstehend ist, will sich im Herbst zur Ruhe setzen und hat einen Nachfolger bereits im Auge. Der dann 20 Jahre alte Florian soll sich in dem auf die Mast spezialisierten Betrieb um die rund 40 Rinder kümmern.

"Am Anfang wird's schon schwer werden. Aber das wird schon." Schließlich sei sein Großcousin ja immer in Reichweite. Und falls er Fragen haben sollte, kann sich der 19-Jährige auch an seine jetzigen Gasteltern Irmgard und Hubert Edenharter aus Ehringsfeld wenden. Sie sehen in dem jungen Mann den großen Bruder ihrer vier Kinder im Alter von 7 bis 13 und haben ihn in die Familie integriert. "Ich fahr' immer schon am Sonntag, damit ich am Montag nicht noch früher raus muss." Bis Donnerstagabend lebt Florian bei den Edenharters, bevor es wieder 50 Kilometer in Richtung Heimat und am Freitag in die Berufsschule nach Neustadt/WN geht.

"Er kann das"


Im Mai steht dort die Abschlussprüfung auf dem Programm, der Ausbildungsvertrag, der mit einem monatlichen Bruttolohn von 750 Euro dotiert ist, endet am 31. Juli. Danach schicken ihn die Edenharters in die Selbstständigkeit. Leih-Mama Irmgard ist guter Dinge: "Er ist einer, der die Arbeit sieht. Er kann das." Und 20 Jahre seien auf keinen Fall zu jung, um als Landwirt auf eigenen Beinen zu stehen: "Mein Mann war 18, als er den Hof hier übernommen hat."

Ich habe noch keinen Tag bereut.Florian Trenz (19), der sich zum Landwirt ausbilden lässt und einen Hof übernimmt
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