Moderne Fahrzeuge erfordern neue Rettungstechniken
Faktor Zeit immens wichtig

Rund 30 Aktive der Stützpunktfeuerwehr Ursensollen probierten verschiedene Rettungstechniken aus. Bild: hfz
Vermischtes
Ursensollen
29.10.2016
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Moderne Fahrzeugtechnik erfordert Ausbildung: Deshalb hat sich die Feuerwehr Ursensollen mit neuen Rettungstechniken befasst. Neben den Grundlagen kam auch die Praxis nicht zu kurz.

Bernhard Graml, Übungsleiter und stellvertretender Kommandant, hieß über 30 Aktive zum Ausbildungstag willkommen. Im Frühjahr hatte er Lehrgänge in Ingolstadt und Nürnberg besucht, bei denen an fabrikneuen Fahrzeugen der Mittel- und Oberklasse geübt wurde. Auf den Erkenntnissen dieser Schulungen basierten zum Teil die Inhalte des Ausbildungstages.

Sofort, schnell, schonend


Anhand eines Diagrammes zur Golden Hour of Shock zeigte er auf, wie minütlich die Überlebenschancen bei bestimmten Verletzungen sinken, je länger eine Person im Fahrzeug eingeklemmt sei. Deshalb rücke der Faktor Zeit wieder sehr in den Vordergrund und bestimme im Wesentlichen die Rettung. Graml nannte drei Varianten: Sofortrettung (maximal zehn Minuten), schnelle Rettung (höchstens 20 Minuten) und schonende Rettung. Wichtig sei, dass alle Helfer am Unfallort von der gleichen Rettungsart sprechen und dementsprechend handeln. Im praktischen Teil übten die Aktiven an zwei Fahrzeugen nacheinander die verschiedenen Rettungstechniken. Erste Aufgabe war, eine durch einen massiven Seitenaufprall eingeklemmte Person zu befreien. Die Übenden sicherten den Pkw und unterbauten ihn, um mit Zylindern die verformten Fahrzeugteile von der Person wegzudrücken. Danach spreizten sie die Rücksitze ab, das Opfer wurde durch Tunneln" durch die Heckklappe gerettet.

Säbelsäge eingesetzt


An der nächsten Station musste ein im Bereich des Beines eingeklemmter Mensch gerettet werden. Als erste Maßnahme wurden die Türen aufgespreizt. Durch Entlastungsschnitte in der Karosserie wurde diese geschwächt, danach der Vorbau mittels Rettungszylinder und Spreizer abgeklappt. Die eine große Seitenöffnung wurde das Opfer aus dem Wrack befreit. An der letzten Station setzte die Feuerwehr eine Säbelsäge ein, um einen Wagen zu öffnen. Mit dem Gerät schnitten die Aktiven eine große Öffnung in das Fahrzeugdach, um den Verunglückten achsengerecht aus dem Auto zu befreien. Am Schluss bat Graml die Mannschaft, sich weiterhin mit Ausbildungen den Herausforderungen neuer Fahrzeugtechniken zu stellen.

Moderne Autos eine Herausforderung für RetterDie Teilnehmer der Übung erfuhren im theoretischen Teil einiges über die Gefahren und Vorgehensweisen bei Gas-, Elektro- und Carbon- Fahrzeugen. Neue Werkstoffe wie Carbon erforderten zusätzlich Mund- und Stichschutz. Auch im Karosserie-Aufbau hat sich laut Übungsleiter Bernhard Graml in den vergangenen Jahren viel geändert. Mehrfach gefaltete und ultraharte Materialien würden heute bereits in Mittelklasse-Autos verbaut. Diese können nicht ohne weiteres geschnitten werden, "da selbst moderne Rettungsgeräte an ihre Leistungsgrenzen stoßen". Bei Unfällen werden je nach Hersteller die auftretenden Kräfte anders aufgenommen, was unterschiedliche Rettungsmethoden nötig mache. Graml sprach kurz die Rettung durch Zuggeräte, der sogenannten Oslo-Methode, an.
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