Podiumsdiskussion über die Vermittlung zwischen Konfliktparteien durch Mediation
Königsweg führt Schattendasein

Das Mittel der Mediation wird bei Rechtsstreitigkeiten noch zu wenig genutzt. Darin war sich eine Gesprächsrunde zum Thema "Paradigmenwechsel im Konfliktmanagement" einig (von links): Monika Hebeisen, Michael Gross, Sabine Freifrau von Süsskind, Erich Voss, Dirk Schawijnski und Stefan Kracht. Bild: usc
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Ursensollen
10.06.2016
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Die Vermittlung zwischen Konfliktparteien durch einen Schlichter kann Zeit und Geld sparen helfen. Die vielfältige Möglichkeit der Mediation ist meist einer kostspieligeren gerichtlichen Auseinandersetzung vorzuziehen. Dass dies noch nicht durchgängig in der Wirtschaft Gepflogenheit ist, zeigte sich bei einer Podiumsdiskussion.

"Paradigmenwechsel im Konfliktmanagement" lautete das Thema im Kubus. Zu der Runde eingeladen hatte Monika Hebeisen (mediation.mh, Hahnbach). Einerseits spreche man über einen Paradigmenwechsel, gleichzeitig sei zu lesen, dass die Aufwendungen der Unternehmen für Rechtskosten seit Jahren kontinuierlich ansteigen, erläuterte sie. Schlagzeilen über Rücklagen für Rechtskosten wie bei Goldman-Sachs, der Deutschen Bank oder wegen des Abgas-Skandals sprächen von nicht vorstellbaren Größendimensionen, so Hebeisen. "Mediation ist der Königsweg der außergerichtlichen Lösungsmöglichkeiten", fasste sie zusammen.

Hebeisen verwies als Moderatorin auf das Grünbuch über alternative Verfahren zur Streitbeilegung im Zivil- und Handelsrecht der Europäischen Kommission. Diese kam bereits 2002 zu der Einschätzung, dass eine Überlastung der Gerichte, eine überlange Verfahrensdauer und die Komplexität und Intransparenz der Rechtsvorschriften zu einem wachsenden Interesse an außergerichtlichen Verfahren führen. Deshalb unterstützen Gerichte die Mediation.

Michael Gross (Frauenhofer-Gesellschaft München) war als Experte im Bereich Lizenz-, Forschungs- und Entwicklungsverträge geladen. Beteiligt an der Erstellung des Muster-Lizenzvertrags zwischen China und dem Bundeswirtschaftsministerium, beleuchtete er das Thema auch als Mitglied des "Round Table Mediation & Konfliktmanagement der Deutschen Wirtschaft". Gross sieht noch viel Nachholbedarf in der Firmenwelt, um einen Paradigmenwechsel herbeizuführen. "Bei Mediation muss ein Manager auch mal eigene Fehler eingestehen", stellte er fest.

Dass die Mediation noch nicht in jeder Firma zum Einsatz kommt, bestätigten sowohl Erich Voss, vormals Siemens Amberg, als auch Sabine Freifrau von Süsskind. Die Chefin des Landesverbands deutscher Unternehmerinnen bedauerte, dass nach ihrer eigenen Erfahrung weder Rechtsanwälte noch Richter bei Streitigkeiten auf die Möglichkeit der Schlichtung verwiesen.

Ein Beispiel für einen Wandel in der Konfliktvermeidung liefern Rechtsschutzversicherungen. Sie setzen zunehmend eigene oder auch fremde Mediatoren ein, wie Dirk Schawjinski im Kubus verdeutlichte. "Wir sind große Fans davon", versicherte der Versicherungsmann. Man biete die Mediation auch für Fälle an, die vom Rechtsschutz ausgeschlossen seien, etwa Baurisiko.

Die vermehrte Einbindung von Mediatoren durch Rechtschutzversicherer bestätigte Vorstandsvorsitzender Stefan Kracht von der Deutschen Gesellschaft für Mediation (Unna). Die Schlichtung eigne sich auch in Fragen der Unternehmensnachfolge. Ausgenommen von Mediation seien Präzedenzfall-Entscheidungen, Einmal-Konflikte oder bei grundsätzlich böser Absicht. "Das Klima für Mediation ist deutlich besser geworden", ist seine Erfahrung.
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