Prof. Dr. Hubert Peter Grewe spricht beim Landfrauentag in Ursensollen
Spezialist für Frauenherzen

Auf großes Interesse stieß der Landfrauentag des Bayerischen Bauernverbandes im Kubus. Bild: gf
Vermischtes
Ursensollen
04.02.2016
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Ein Kartoffelherz gab es für den Kardiologen Professor Hubert Peter Grewe aus Neumarkt. Bild: gf

Schon mit dem Titel seines Vortrags - "Frauenherzen schlagen anders, Männerherzen auch" - hatte Prof. Dr. Hubert Peter Grewe Humor bewiesen. Der kam auch bei der Vermittlung des an sich ernsten Themas nicht zu kurz.

Etwa drei Milliarden Schläge leistet das Herz im Leben eines Menschen. Es pumpt dabei gut 250 Millionen Liter Blut durch den Körper. Das erläuterte beim Landfrauentag im Kubus Professor Hubert Peter Grewe seinen zahlreichen Zuhörerinnen. Der Chefarzt der Medizinischen Klinik in Neumarkt, ein Internist mit Schwerpunkt Kardiologie, bezeichnete das Herz als den wichtigsten Muskel im menschlichen Körper, "der aber auch durchaus anfällig sein kann".

"Kein Morgen mehr"


Für den Herzinfarkt gebe es keine Faustformel, meinte Grewe, "aber bestimmte Beschwerden sollte man nicht auf den nächsten Tag verschieben, denn sonst kann es eventuell kein Morgen mehr geben". Akute Schmerzen im Brustkorb müssten nicht unbedingt auf einen Herzinfarkt hinweisen, sie könnten auch von der Wirbelsäule, den Rippen oder der Brustmuskulatur kommen. Verstärke sich der Schmerz im Brustbereich bei Anstrengung oder Kälte, sollte dieses Warnsignal aber nicht missachtet und zeitnah ein Arzt aufgesucht werden.

Der Kardiologe betonte, dass der Herzmuskel ununterbrochen mit Blut versorgt sein müsse, doch könnten Einlagerungen in den Herzkranzgefäßen den Blutdurchfluss einschränken. Selbst eine Einengung zu 75 Prozent merke man kaum, aber dann könne die geringste Anstrengung, etwa Treppensteigen, eine Angina-Pectoris-Attacke auslösen. Unbedingt ernst zu nehmen seien Druck- und Engegefühl, Schmerzen im Hals, am Unterkiefer oder im linken Arm.

Der Herzinfarkt bei Frauen sei vielfach begleitet von Übelkeit, akuter Atemnot, Rückenschmerzen, Schwindel oder Schweißausbrüchen, wobei diese "Begleiterscheinungen" auch andere Ursachen haben können. "Daher sollte unbedingt ein Arzt die tatsächliche Ursache abklären." Hielten Enge und Brustschmerzen länger als 15 Minuten an, sei ein Herzinfarkt wahrscheinlich.

Häufigste Risikofaktoren für Herzinfarkt, so Grewe, seien Bewegungsmangel, Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und Tabakgenuss, Alkoholismus, gelegentlich auch Stress. Niemand solle sich davor scheuen, den Notarzt zu rufen oder die Notaufnahme eines Krankenhauses aufzusuchen, wenn er starke Schmerzen im Brustkorb verspüre.

Heesters eine Ausnahme


Moderne Behandlungsmethoden hätten die Sterblichkeitsrate erheblich gesenkt. Laut Statistik endeten Herzinfarkte, die im Krankenhaus behandelt werden, nur bei drei Prozent der Patienten tödlich. Außerhalb des Krankenhauses liege die Sterblichkeitsrate bei etwa 50 Prozent.

Bei Adam und Eva ist ein Apfel zum Verhängnis geworden, heute sind es zu viele Schäuferle.Professor Hubert Peter Grewe

Eindringlich warnte der Kardiologe vor dem Rauchen, denn Johannes Heesters und Helmut Schmidt seien absolute Ausnahmen gewesen. Gesunde Ernährung und Bewegung wie "Steckerl-Laufen" reduzierten das Infarktrisiko. Bei Adam und Eva sei ein Apfel zum Verhängnis geworden, heute seien es zu viele Schäuferle. Von Ozon-Therapien hält Grewe wenig. Dreimal wöchentlich Sport würde nicht schaden, auch nicht der tägliche Apfel. Ein absolutes "Rohrfrei" gegen einen "Kolbenfresser" in den Adern gebe es aber nicht.
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