Renovierung des Jakob-Marterls
Sie bezeugen den Glauben

Vermischtes
Ursensollen
07.01.2016
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Für Georg Hollweck aus Richtheim, Erna Schnellinger aus Gunzelsdorf und Heimatpfleger Josef Schmaußer aus Hohenkemnath ist ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen: Die Renovierung des Jakob-Marterls ist zu ihrem glücklichen Abschluss gekommen.

Gunzelsdorf. Schmaußer hatte schon im September 2005 die Instandsetzung des Kapellenbildstocks angeregt. Egid Ströhl aus Garsdorf schob nun kräftig mit an, damit der 78-jährige Georg Hollweck vom benachbarten Einödhof die Renovierung des Flurdenkmales anpackte. Hollweck hat einen besonderen Bezug zum ehemaligen Jakobhof: Er diente dort als Hütebub und Knecht. Er wusste noch, dass bis 1933 eine Familie Schlierf den Hof bewirtschaftete.

Im Schlafzimmer deponiert


Nachdem der Bildstock hergerichtet war, gab es noch eine kleine Sensation: Niemand hatte gewusst, dass die Mutter von Erna Schnellinger, Erna Jakob, die Bildtafel aus der Nische des Marterls bereits 1996 von der Hobbykünstlerin Josefine Geitner hatte renovieren lassen. Da das Grundstück der Familie Schnellinger etwas später veräußert wurde, brachte die Tochter das Bild nicht wieder in der Nische an, sondern deponierte es wie ein Heiligenbild in ihrem Schlafzimmer. Das Flurmal steht bei der "Höich", ein Jahrhunderte alter Name für Gunzelsdorf, nun auf einem Rain zwischen zwei Äckern. Über die Entstehungszeit und den Anlass für die Errichtung gibt es bislang keine Informationen. Im Kataster der ehemaligen Gemeinde Garsdorf war 1864 der Bildstock noch nicht eingezeichnet.

Wunsch nach Glasplatte


Der jetzige Kreisheimatpfleger für Bau- und Bodendenkmäler, Mathias Conrad, hatte 1975 in seiner Zulassungsarbeit "Flurmale im südwestlichen Landkreis Amberg" über die Dreifaltigkeitskapelle geschrieben: "Gemauerte Kapelle mit einem Satteldach - mit Flachziegeln eingedeckt. Auf der Stirnseite ein Schauerkreuz. Der offene, 2,45 Meter hohe, 1,92 Meter breite und 1,37 Meter tiefe Bau birgt in seinem Innern ein auf Holz gemaltes Dreifaltigkeitsbild."

Damit nicht bald wieder Wind und Regen dem nach Nord-Westen ausgerichteten Bild zusetzen, wäre eine Glasplatte vor dem auf Holz gemalten Bild sehr von Nutzen. Die jetzige Besitzerfamilie signalisierte ihre Mithilfe. Die kirchliche Weihe soll in der warmen Jahreszeit nachgeholt werden. "Ohne den vorbildlichen Einsatz von Privatpersonen wäre der Erhalt der vielen Flurdenkmäler in unserer Heimat nicht möglich", bilanziert Schmaußer. "Marterln sind ein Zeugnis des Glaubens und Erinnerung an viele Schicksale in unserer Heimat."

Kapellen-Innenseiten als Schwarzes BrettWarum steht diese kleine Kapelle mitten in der Flur? Diese Frage stellen Bürger häufig. Georg Hollweck erinnert sich, dass in seiner Jugend dort der "Stod-Weg" von Thonhausen über Richtheim nach Amberg, also in die Stadt, führte. Als die Autos aufkamen, wurde dieser Weg nach Amberg überflüssig und deshalb aufgelassen. Der 78-Jährige berichtete noch, dass an den weiß gekalkten Innenseiten der kleinen Kapelle die "Schmierfejhara" (Händler, die Wagenschmiere mitführten) die Nachricht, wann sie wieder in der Gegend seien, hinterließen. Erna Schnellinger erzählte von ihrer Großmutter, einer geborenen Lehmeier aus Sauheim. Sie musste oft in den Abendstunden für den Vater Bier aus dem Wirtshaus in Richtheim holen. Wenn im nahen Eglhofen das Gebetläuten zu hören war, seien, so erzählt es die Oma, bei der Kapelle "Irrlichter" zu sehen gewesen.
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