Ursensollen und seine besondere Pflanzenwelt
Die Walnussdörfer

Die Walnuss war früher ein wertvolles Lebensmittel. Manche Landwirte konnten sich mit der Baumfrucht sogar ein Zubrot verdienen. Besonders rund um Ursensollen und Hohenkemnath prägen die Nussbäume seit Jahrhunderten das Landschaftsbild. Bild: dpa
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Ursensollen
30.05.2016
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Plantagenbesitzer Schmaußer umwickelte die Walnussbäume mit einem Fraßschutz gegen Schädlinge und sicherte sie mit einem Pflock gegen Windböen. Bild: Konrad

Auf den Hügeln von Ursensollen und Hohenkemnath gedeiht die Walnuss. Das wusste schon Pfarrer Georg Deinl vor fast 200 Jahren. Er sorgte dafür, dass die Bauern die stämmigen Bäume kultivierten und prägte damit die Landschaft. Jetzt lebt die Tradition neu auf.

Hohenkemnath/Ursensollen. "Es ist ein gewisses Risiko", gesteht Johann Schmaußer. Vor zwei Jahren hatte er nach einer guten Nutzung für seine Wiese gesucht. Da kam ihm die Idee, Walnussbäume zu pflanzen. In Hohenkemnath und Ursensollen hat das Tradition. Doch nicht jeder Walnussbaum in unserer Region wächst und gedeiht. Das Pflanzen birgt ein Risiko: "Die Bäume könnten zusammenfrieren", erklärt Schmaußer.

Flurbild erhalten


Der Hainbesitzer kümmert sich um seine Bäume: Gegen Rehe und Hasen hat er einen Fraßschutz um die Stämme gewickelt. Auch gegen das Gewicht großer Vögel hat er die kleinen Bäume geschützt: Schmaußer band einen Stock an den Stamm und stabilisierte mit lila Bändchen die Äste. Ein Holzpflock stützt die Walnussbäume gegen Windböen. Seit Generationen ist die Wiese im Besitz seiner Familie. Der Hohenkemnather wollte den Acker seiner Vorfahren nicht einfach verkaufen. "Wegen der immer breiteren Maschinen werden auch die Felder immer größer. Dadurch sieht man die Landschaft nicht mehr, wie sie wirklich war." Er kam auf die Idee, dort Nussbäume anzupflanzen, auch weil die Baumart Tradition in der Gegend hat. Den letzten Ausschlag gab aber dann ein Fernsehbericht über Kirgisien: "Dort lebt eine Familie von so einem Nussbaumfeld", sagt Schmaußer. Das könnte vielleicht einmal einen guten Nutzen bringen, habe er sich gedacht. "Wir hatten selbst einen Nussbaum auf dem Grundstück", erinnert er sich. "Als mein Vater das Anwesen gekauft hat, hat sich der Vorbesitzer im Vertrag ausbedungen, jedes Jahr einen Sack Nüsse vom Baum zu bekommen." Der Nussanbau sei typisch für Ursensollen und Hohenkemnath. Das liege an der Hügellage. "In Hausen gibt es zum Beispiel keine Nussbäume." Die Pflanzen seien besonders anfällig für Spätfröste im Frühling. "Die kalte Luft fließt nach unten und sammelt sich dann in den Tälern. Auf der Höhenlage ist es rau, aber es gibt nicht diese Spätfröste", gibt der Hohenkemnather zu verstehen.

Die Tradition der Walnussbäume reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, so berichtet es Josef Schmaußer, Kreisheimatpfleger und Cousin von Johann Schmaußer. Von 1812 bis 1828 iniziierte Pfarrer Georg Deinl als Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins den Nussanbau. "Aus dieser Zeit stehen heute noch besonders große Exemplare in Hohenkemnath", sagt er. "Eine Schürze voll mit Nüssen war früher wirklich ein Geschenk."

Wunsch: Mehr Nussbäume


Von der Nussbaumtradition erzählt auch der Ursensollener Bürgermeister Franz Mädler. "Ich bin in Ursensollen geboren. Es war ein Nussbaumdorf. Es hat nahezu jeder Hof seinen Nussbaum gehabt." Mit der Zeit seien viele Höfe zu Wohnhäusern geworden. "Da haben die Leute viele weggemacht." Auch wegen des Abfalls. Heute sei noch etwa ein Viertel der Bäume übrig. "Mir würde es schon gefallen, wenn diese Tradition belebt werden würde und wenn wieder jeder Hof und jedes Haus einen Nussbaum hat."

WalnussgeschichteDie Walnüsse kamen wohl ursprünglich aus Kirgisien, erzählt der Geschäftsführer des Gartenbauverbands Kulmbach. Friedhelm Haun ist Experte für Walnüsse: Auf der diesjährigen Bio-Streuobsttagung in Freising hielt er einen Vortrag über den Nussanbau in unserer Kulturlandschaft. "In Kirgisien gibt es bis heute riesige Walnusswälder", sagt er. Um 600 v. Chr. kultivierten die Perser zum ersten Maldie Nuss. Über Alexander den Großen und die Römer gelangte die Nuss dann auch nach Deutschland. Karl der Große schließlich setzte sich für die systematische Verbreitung der Frucht in seinem Herrschaftsgebiet ein.

Die Walnuss ist traditionell ein Teil der Streuobstbestände. Reine Plantagen waren eher selten, erklärt Haun. Sie war Beifrucht. Die Nussbäume überragten dabei die Apfelbäume, Zwetschgen und die meisten Birnensorten. Bis der Import kalifornischer Walnüsse begann, habe der Nussanbau in Deutschland eine große Bedeutung gehabt. Früher sei die Kultivierung sehr lukrativ für die Bauern gewesen. Heute gebe es in ganz Deutschland niemanden mehr, der vom Nussanbau lebt.

Die Pflanzen großzuziehen ist hierzulande eher schwierig: Spätfröste im Frühjahr können Triebe und Blüten zerstören. Da sind die Walnüsse empfindlich. Deshalb könne es immer wieder Ertragseinbußen geben. "Es ist eigentlich ein wunderschöner Haus- und Flurbaum. Er gehört eigentlich in jede Streuobstwiese hinein, weil er auch pflegeleicht ist", sagt der Kulmbacher Walnussexperte. (dko)


Ich bin in Ursensollen geboren. Es war ein Nussbaumdorf. Es hat nahezu jeder Hof seinen Nussbaum gehabt.Bürgermeister Franz Mädler
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