Versammlung der Wildtierhalter und - Vermarkter
Wild ist immer stärker gefragt

Dr. Manfred Wölfl informierte über "Luchs und Wolf in Bayern". Bild: gf
Vermischtes
Ursensollen
13.12.2015
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Bestellungen für über 300 Stück Rotwild liegen vor. Aber die Gehegewildhalter können den Markt nicht vollständig bedienen. Sie könnten leicht die doppelte Menge absetzen. Aber die Zahl der zur Vermarktung angemeldeten Tiere sei rückläufig, da immer mehr direkt verkauft werden.

Heinzhof. Die Bayerischen Gehegewildhalter sind im Landesverband Bayerischer landwirtschaftlicher Wildhalter organisiert. Knapp 100 gehören auch dem Regionalverband Oberpfalz an, die Vermarktung obliegt der Erzeugergemeinschaft für landwirtschaftliches Gehegewild in Bayern.

Zur gemeinsamen Mitgliederversammlung traf man sich in der Waldschenke am Hirschpark in Heinzhof. In bayerischen Wildgehegen wird Rot-, Damm- und Sika-Wild gehalten. Die Tiere können hier wie in freier Wildbahn leben.

Fast 200 Gehege gibt es in Oberbayern, etwas weniger in Niederbayern und Schwaben, um die 100 in Mittelfranken und der Oberpfalz, etwa 50 in Unterfranken und das Schlusslicht bildet Oberfranken mir knapp 40. Der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft Alois Kienlein wies auf die Landesverbands-Hauptversammlung sowie die Bundesfachtagung im Frühjahr hin, außerdem auf Beiratssitzungen jeweils in Heinzhof, bei denen das letztjährige Vermarktungsergebnis, die Gewinn- und Verlust-Bilanz sowie ein Ausblick auf die Vermarktung bis 2016 diskutiert worden sei.

Großen Wert lege die Erzeugergemeinschaft auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dem Wildhalter-Landesverband, dem übergeordneten Bundesverband sowie zu Abnehmern und Verbandsmitgliedern.

Geschäftsführer Ernst Müller meinte, dass 2013 noch fast 600 Stück Damm- und Rotwild vermarktet werden konnten, im vergangenen Jahr aber nur 436 Stück oder 22 000 Kilo. 2015 seien bisher 264 Tiere gemeldet worden. Bestellungen für über 300 Stück Rotwild lägen vor. Die Erzeugergemeinschaft habe einen neuen Kühlanhänger angeschafft, den sich die Mitglieder kostenlos ausleihen können. Müller bedauerte einen Mitgliederschwund, der nicht gestoppt, aber verlangsamt werden konnte. Aktuell gehören der Erzeugergemeinschaft 144 Gehegewildhalter an.

Den Überschuss aus dem operativen Geschäft bezifferte Alois Kienlein mit gut 3500 Euro. Dennoch sei eine Erhöhung des Eigenkapitals in den nächsten drei Jahren dringend nötig - ideal wäre eine Verdreifachung. Max Weichenrieder, Vorsitzender des Landesverbands Bayerischer landwirtschaftlicher Wildhalter, berichtete, dass Schäden, verursacht von großen Beutegreifern in den neuen Bundesländern, immer mehr zunehmen. Auch die Gehegewildhalter in Bayern müssten damit rechnen.

Martin Biegerl, der Vorsitzende des Regionalverbands Oberpfalz, bedauerte einen Mitgliederschwund, weil einige Betreiber als Altersgründen die Wildtierhaltung aufgeben. Er würde es begrüßen, wenn diese Gehege von anderen Haltern übernommen werden, denn der Markt für Rotwild wachse. Selbst für Abwurfstangen gebe es Abnehmer. (Zitate)

Luchs und Wolf in Bayern: Risiken und Prävention in der GehegewildhaltungLuchse seien in Ostbayern, Böhmen und Österreich keine Seltenheit mehr, betonte Manfred Wölfl, Wildtiermanager im Bayerischen Landesamt für Umwelt. Durch sein einzigartiges Fleckenmuster könne jeder Luchs identifiziert werden: Man gehe grenzüberschreitend von derzeit 60 bis 80 selbstständigen Tieren aus. Das Aussterberisiko sei dennoch hoch.

Für Nutztiere ist der Luchs laut Wölfl keine große Gefahr. Probleme könne es aber mit dem Wolf bei der Schafhaltung geben, vor allem in ungeschützten Herden. In Nord- und Ostdeutschland seien gut 30 Wolfsrudel gezählt worden, etwa 40 im Alpenraum. Bayern gelte aktuell aber als "Wolf-frei". Dass einige Risse im Alpenvorland dem Wolf zugeordnet und im Freistaat einzelne Tiere fotografiert worden seien, liege daran, dass halbwüchsige Tiere auf der Suche nach einem eigenen Revier bis zu 1000 Kilometer wandern und Einzelgänger in einer Nacht mehr als 50 Kilometer durch die Wälder streifen.

Schäden durch Luchs oder Wolf an Nutztieren reguliert in Bayern ein Ausgleichsfonds. Voraussetzung dafür sei eine Dokumentation durch das Netzwerk große Beutegreifer, mit gut 150 Mitglieder in ganz Bayern. Über Polizei, Forstverwaltung oder Landwirtschaftsämter können die Netzwerker für eine Erstdokumentation angefordert werden. Diese sprechen einen Verdacht aus, falls es Hinweise auf Luchs, Wolf oder gar Bär als Verursacher gibt.

Die detaillierte Feststellung der Todesursache mit Abhäutung des Tierkörpers ist danach Angelegenheit der Amtstierärzte. Wenn dann ein großer Beutegreifer als Verursacher feststehe, werde der Schaden durch die Trägergemeinschaft (Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, WWF und Wildland-Stiftung Bayern) zügig reguliert.

Zur Prävention empfahl Wölfl dichte Zäune, eventuell mit Elektrifizierung oder Untergrabschutz. Da der Luchs ein ausgezeichneter Kletterer sei, sollte man ihm dazu keine Möglichkeit bieten und Holz- durch Metallpfosten ersetzt werden. Durchaus wehrhafte Esel oder große Schutzhunde könnten ebenfalls für den Herdenschutz eingesetzt werden, denn selbst der Wolf gehe kaum ein Verletzungsrisiko durch ebenbürtige Schutztiere ein.

Bei der Neuplanung von Gehegen stehen die Landwirtschaftsämter oder das Landesamt für Umwelt beratend zur Verfügung. (gfr)
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