Vortrag zur Geschichte des Montanwesens in der Region
Dann ging der Wald aus

Die Auswertung von Ausgrabungen im zurückliegenden Sommer in Kümmersbruck ist noch lange nicht abgeschlossen. Doch schon jetzt weisen mehrere Holzkohle-Proben aus dem Umfeld der Eisenverarbeitung diese Produktion dem 7. bis 9. Jahrhundert nach Christus zu. Bild: Hensch
Vermischtes
Ursensollen
01.04.2016
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Wenn davon die Rede ist, dass Geschichte umgeschrieben werden müsse, geht es meist um politische Zusammenhänge. Archäologen graben aber oft ganz andere zivilisatorische Fakten aus.

Um ein bis zwei Jahrhunderte in Richtung Christi Geburt möchte deshalb der freiberufliche Archäologe Dr. Mathias Hensch die Montangeschichte in der Region zeitlich nach vorne schieben. Das ist eine seiner Kernaussagen nach Ausgrabungs- und Forschungstätigkeiten im Landkreis. In einem Vortrag auf Einladung des Seniorennetzwerks Ursensollen/Ammerthal sowie des Stammtisches der Heimatkundlichen Arbeitskreises Ursensollen legte Hensch seine jüngsten Erkenntnisse in diesem Zusammenhang dar.

Sichtweisen korrigiert


Der Wissenschaftler erschloss über bisherige Einschätzungen hinausgehende Einblicke in die Anfänge des Abbaus und der Verhüttung von Kreideerzen und der vor Ort betriebenen Weiterverarbeitung zu Eisenprodukten. Hensch korrigierte damit die gängigen Vorstellungen über den Beginn eines systematischen Bergbaus in der Region und lieferte Beweise, dass schon ab der späten Merowingerzeit (7. Jahrhundert) Montantätigkeiten mit Rennöfen, frühen Grubenmeilern und Pingenfeldern nachgewiesen werden können.

Eine entscheidende Bedeutung für das Montanwesen spielte neben dem Erzreichtum eine ausreichende Verfügbarkeit von Holz und Wasser. Ab der Karolingerzeit (ab 8. Jahrhundert n. Chr.) fand die Gewinnung von Bodenschätzen überwiegend im grundherrschaftlichen Rahmen statt. Schon Ausgrabungen in Sulzbach (1992-2001, 2008) und auf dem Frohnberg bei Hahnbach (2003/04) bestätigen die Vermutung, dass bis ins 9. Jahrhundert hinein ein ausgebautes Montanwesen schwerpunktmäßig wohl auch der Waffenherstellung (Schwerter, Kettenhemden) diente. Da die Erze meist vor Ort verhüttet wurden, sei in diesem Umfeld auch ein leistungsfähiges Köhlerei-Wesen in der näheren Umgebung nötig gewesen. In der Folge habe schon in der Karolingerzeit eine extensive Nutzung und teilweise Erschöpfung der Waldbestände die Region geprägt. Die hiesige Landschaft müsse man sich deshalb im 9. und 10. Jahrhundert als "sehr offen" mit nur einzelnen Waldbeständen zwischen Acker-, Weide- und Grünlandflächen vorstellen.

Wälder ausgezehrt


Dass die Produktion durchaus qualitätsvolle Waffen für die karolingische Elite im Nordgau umfasst habe, zeige möglicherweise eine bei Neumarkt gefundene Prunkflügellanzenspitze aus der Zeit um 800 n. Chr. 2015 in Kümmersbruck ausgegrabene Befunde eines fast industriell arbeitenden Schmiedeareals aus der Zeit Karls des Großen, sei laut Hensch sicher nicht als singulär zu betrachten. Im Raum Auerbach, Sulzbach und Amberg habe es wahrscheinlich zeitgleich Hunderte ähnlicher Plätze zur Eisenverhüttung und -weiterverarbeitung gegeben haben. In Kümmersbruck seien nachweislich Messer, Schlüssel und Türschlösser, Pfeileisen, landwirtschaftliche Geräte (Sicheln), aber auch Schwerter produziert worden. Allerdings breche der Betrieb dort im 9. Jahrhundert ab. Ein wahrscheinlicher Grund dürfte sein, dass bereits damals die Holzvorräte in der näheren Umgebung aufgebraucht waren. Abschließend warb Hensch für eine systematisch betriebene Montanarchäologie in der Region, die noch ein gewaltiges Erkenntnispotenzial in sich berge.
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