Kirche und Wirtshaus mit Pfiff in der Vilsecker St-Ägidius-Kirche
Orgel sorgt für den Pfiff

Architekt Johann Ernst zeigte den Besuchern, wo die Restauration der Kircheneinrichtung besonders schöne oder ungewöhnliche Ergebnisse bewirkt hatte. Bild: wpt
Kultur
Vilseck
15.09.2016
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Die Tafel mit den 14 Nothelfern im rechten Kirchenschiff. Bild: wpt

Der 9. Januar 2013 ist ein Datum, das der Kirchengemeinde in Vilseck wohl noch lange in negativer Erinnerung bleiben wird. Ein Brand zerstörte die prunkvolle Kanzel in der St.-Ägidius-Kirche vollständig und richtete auch im Rest des Gotteshauses erhebliche Schäden an.

Unter der Leitung des Architekten Johann Ernst begannen die Restaurierungsarbeiten. Bereits zur Osternacht 2015 erstrahlte die Kirche in neuem Glanz. Bei der Veranstaltungsreihe Kirche und Wirtshaus mit Pfiff konnte der Bauleiter nun umfangreich vorstellen, was sich bei der Wiederinstandsetzung des Gebäudes alles getan hat.

"Kirche und Wirtshaus war eigentlich ursprünglich eine Sulzbacher Idee, die diese wiederum von Regensburg abgeschaut haben. Die Spezialität, den Pfiff, haben wir uns noch dazu gedacht. Damit wir jedes Jahr unterschiedliche und trotzdem passende Lokalitäten haben, werden spezielle Statistiken ausgewertet, um den Geschmack der Teilnehmer gut zu treffen", erklärte Katja Stiegler von der Arbeitsgemeinschaft Obere Vils - Ehenbach gegenüber der AZ.

Das Schmankerl der Führung in Vilseck war ein kurzes, zweiteiliges Orgelkonzert, das die Akustik des renovierten Kircheninnenraums erfahrbar werden ließ. "Für mich ist das heute weniger der Pfiff, sondern vielmehr das Sahnehäubchen der Führung", schwärmte Architekt Johann Ernst über die besinnlichen Klänge der Orgelpfeifen.

Alles voller Ruß


"Durch die starke Rußbildung beim Brand bedeckte nicht nur eine schwarze Schicht aus Asche die Wände und die Gemälde, sondern auch die Orgel wurde stark in Mitleidenschaft gezogen", erzählte Ernst. Das Instrument wurde nach dem Brand demontiert, von einem Orgelbauer gereinigt und neu intoniert. Auch die Altäre der Kirche trugen einiges an Schaden davon. "Durch die Hitze ist die Schutzschicht, mit der die Altäre überzogen waren, mit dem in der Luft umherwirbelnden Ruß verschmolzen, die mussten wir dann ganz vorsichtig und behutsam abtragen", erinnert sich Ernst.

Bei der Renovierung des alten Gebäudes versuchte der Architekt besonders darauf zu achten, dass die Kirche so gestaltet wurde, wie sie früher einmal ausgesehen haben könnte. "Bei der Instandsetzung ist uns aufgefallen, dass das Bild am Hauptaltar mit einer leicht bräunlichen Schicht überzogen war. Das kam nicht vom Brand, sondern wurde bei einer Renovierung im 19. Jahrhundert gemacht. Man versuchte zu der Zeit, die Kirchen besonders düster zu gestalten." Damit der Altar zum Rest der Kirche passt, wurde der Firnis aufwendig vom Bild entfernt. "Danach haben wir erst gesehen, dass unter dieser braunen Soße tatsächlich filigrane Landschaften zum Vorschein kommen", scherzte Ernst.

Nach der Restauration haben in der St.-Ägidius-Kirche zwei besondere Hingucker einen neuen Platz gefunden. "Die Büsten der Vierzehn Nothelfer hatten wir schon länger hier. Ursprünglich kamen sie aus der Leonhardskirche in Schlicht und waren auf einer grauen Platte befestigt. Die Tafel, an der sie ursprünglich hingen, war noch in Schlicht. Wir haben sie geholt und die Nothelfer darauf befestigt. Heute ist die Kombination daraus ein wahres Kunstwerk."

Zwei Mahnmale bleiben


Von besonderem historischen Wert sind die sechs Platten in einem der Seitenschiffe der Kirche. Sie zeigen auf dreidimensionale Weise Szenen aus dem Lebenszyklus der heiligen Maria. "Diese Platten stammen aus der Schule Albrecht Dürers. Wir haben sie sozusagen neu zum Leben erweckt. Sie waren zuvor 20 Jahre im Pfarrhof eingelagert."

An den Brand von 2013 soll in der neuen Kirche dennoch erinnert werden. Sowohl ein verkohlter Balken, der einst als Aufgang zur Kanzel diente, als auch die bis zur Hälfte angebrannte und verrußte Statue des Bruders Konrads stehen als Mahnmal für die Katastrophe. Nach der ausführlichen Kirchenführung ging es für die rund 50 Teilnehmer weiter zur zweiten Station der Führung. Im Hotel Angerer (Gasthof zum Hirschen), das sich schon seit 1666 im Familienbesitz befindet und mittlerweile in der 14. Generation weitergeführt wird, wurden die Kirchen- und Wirtshausbegeisterten mit einheimischen Gerichten und internationaler Küche bewirtet.
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