Verwaistes Marterl restauriert
Mit Heimat- und Kulturverein nach Ebersbach gewandert

Elisabeth Hammer, Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, (sitzend) stellte den Wanderern das neu gestaltete Marterl in Ebersbach vor. Rechts der Bildmaler Michael Nutz, daneben 2. Bürgermeister Thorsten Grädler.
Kultur
Vilseck
12.11.2016
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Jahrelang fristete das alte Flurdenkmal ein trauriges Dasein. Nun hat sich der Heimat- und Kulturverein des vergessenen Marterls in der Köihtroi (Kühtrift) in Ebersbach angenommen und es in neuem Glanz erstrahlen lassen.

Ebersbach. (rha) Bei einer Wanderung unter der Leitung von Elisabeth Hammer nahmen die Teilnehmer das Marterl in Augenschein. Man traf sich bei der Pieta in der Froschau, am Platz der ehemaligen Spitalkirche. Die Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins wies auf die mehr als 80 Feldkreuze, Bildstöcke, Dank- und Sühnezeichen hin, die sich im Bereich der Großgemeinde Vilseck befinden. "Mit ihnen dokumentierten unsere Vorfahren ihren starken Glauben und bezeugten ihren Dank für Hilfe in schwerer Not. Auch hielten sie die Erinnerung an Unglücksfälle und an die dort Verstorbenen wach", berichtete sie.

Über Axtheid ging es auf dem Ebersbacher Kirchenweg weiter. Dabei ließ Hammer, eine gebürtige Ebersbacherin, immer wieder Interessantes einfließen. So erzählte sie die Entstehungsgeschichte des Marterls in der Köihtroi, wie sie mündlich überliefert ist. Hammer dankte allen, die bei der Restaurierung des Marterls geholfen hatten. Bürgermeister Hans-Martin Schertl hatte die Unterstützung der Stadt zugesagt. Bauhofmitarbeiter hatten den Stein entfernt und später wieder aufgestellt. Steinmetzmeister Alexander Münch nahm die Arbeiten am Sandstein kostenlos vor, und Michael Nutz malte ein neues Bild, auf dem der Tote mit dem Spitzel in der Hand dargestellt ist.

"Jung, so jung!"Die Hintergründe der Marterls: Ein 82-jähriger Wirtshausbesucher ging im Jahr 1893 von Ebersbach in Richtung Großschönbrunn nach Hause. Am Ortsausgang in der Köihtroi ereilte ihn der Tod durch Herzinfarkt. Seine letzten Worte waren: "Muss ich schon sterben? Ich bin doch noch so jung, so jung!" Das Spitzel, das er sich vom Ebersbacher Wirt als Wegzehrung mitgenommen hatte, hielt er noch in der Hand.

Seine Angehörigen stellten zur Erinnerung an seinen Tod das Sandsteinmarterl auf, das sich der hier verstorbene Conradius Kellner schon zu seinen Lebzeiten als Steinhauer im Seugaster Sandsteinbruch für sein Ableben zurechtgemeißelt hatte. (rha)
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