„Zither-Manä“ begeistert am Freitag zweieinhalb Stunden im Vilsecker „Kulturkasten“
Der Manfred hat noch immer den Blues

Der "Zither-Manä" war am Freitagabend in Vilseck zweieinhalb Stunden lang voll in seinem Element. Bild: stg
Kultur
Vilseck
16.10.2016
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(stg) Man würde ja schon gerne wissen, was Chuck Berry und Pink Floyd darüber denken. Oder die lange verstorbenen Robert Johnson und John Lee Hooker. Zumindest von den Anwesenden weiß man es: Ausnahmslos begeisterte Zuhörer feiern am Freitagabend im "Kulturkasten" der Vilsecker Burg Dagestein den "Zither-Manä" - für dessen Spagat zwischen traditioneller Musik auf dem Instrument und dem von ihm erfunden bluesigen "Zither-Rock".

Da soll noch einer sagen, dass die Zither ein altmodisches Instrument sei: Der Zither-Manä, ein Rockmusiker aus Überzeugung, ist das lebende Beispiel dafür, dass es eben nicht so ist. Noch heute, gut 35 Jahre nach der Erfindung des "Zither-Rock" durch den Musiker, der mit bürgerlichen Namen Manfred Zick heißt und (mittlerweile) pensionierter Berufschullehrer ist, überrascht es immer wieder, welche frischen und welche ungewöhnliche Töne und Klänge darauf erzeugt werden können. Da entwickeln auch vermeintlich angestaubte Klassiker wie Deep Purples "Smoke on the water" oder Pink Floyds "Shine On You Crazy Diamond" eine neue kreative Ausdruckskraft und sorgen für eine Begegnung der besonderen Art mit der Zither.

Schuld war Georg Kostya


Der Zither-Manä ist aber natürlich auch der Tradition verpflichtet, von ihm hoch geschätzt wird beispielsweise der Volksmusiker "Kraudn Sepp" (1896-1977) und dessen unzählige Gstanzln, Couplets und Lieder. In Vilseck stimmt er beispielsweise dessen "Gefängnis-Lied" an. Genauso wenig fehlt Ludwig Thomas Gedicht "Eröffnungshymne", das dem bayerischen Dichter 1905 einen fünfwöchigen Zuchthaus-Aufenthalt bescherte. Viele Anekdoten streut der Zither-Manä in seinen Auftritt ein - darunter auch jene vom Beginn des "Zither-Rock". Damals sei Georg Kostya vom Bayerischen Rundfunk auf ihn aufmerksam geworden, er habe ihm vorgeschlagen, seinem Rock'n Roll auf der Zither einen Landler voraus zu stellen und in bayerischer statt in englischer Sprache zu singen. Der "Zither-Rock" ist geboren - und in Vilseck darf das gleichnamige Lied nicht fehlen. Und wie es sich für einen richtigen Rocker gehört: das "Posen" inklusive. Der Zither-Manä geht vor seinem Instrument auf die Knie, stellt sich auf den Stuhl und versucht sich sogar daran, das Instrument auf dem Rücken zu spielen. Immer wieder wird an diesem Abend das Faible des Musikers für den Südstaaten-Blues deutlich, man fragt sich gar, wie beispielsweise ein Chuck Berry den Blues überhaupt ohne Zither machen kann. Und wenn der Zither-Manä dann auch noch zur Mundharmonika greift, dann dürfen sich Bob Dylan, Bruce Springsteen und Neil Young warm anziehen.

Politischer Mensch


In seinen Texten besingt der Zither-Manä die "Zeit für mehr Gefühl", zählt auf, was er "Ois versaamt" hat, und beklagt nach wie vor die Zustände am "Lago die Bonzo", also am Tegernsee, die sich seit über 20 Jahren nicht verbessert haben. Der Zither-Manä ist auch heute mit seinen fast 70 Jahren noch immer ein politischer Mensch - seine Abneigung gegen die CSU hat ein unverbrüchliches Fundament, was in seinen Texten immer wieder zum Ausdruck kommt. In seinen Liedern greift er aber auch die aktuelle Stimmung in Deutschland gegenüber den Flüchtlingen auf, erinnert in einem Lied an die vor genau zehn Jahren ermordete russische Journalistin und Putin-Gegnerin Anna Politkowskaja. Und widmet das Lied "Die Gedanken sind frei" dem verstorbenen Kabarettistin Dieter Hildebrandt. Dass es nach vier Zugaben "Standing Ovations" für den Zither-Manä gibt, muss nicht weiter verwundern.
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