20 Jahre Kontakte mit Rumänien - Grundschul-Inventar aus Schlicht wird gespendet
Großprojekt läuft weiter

Die beiden Hauptdrahtzieher des Förderkreises "Rumänienhilfe": Hans Grimm (links) und Klaus-Dieter Seibold. Bild: rha
Lokales
Vilseck
01.08.2015
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Mittlerweile sind sie zu Ehrenbürgern im rumänischen Sagar ernannt worden, die beiden Hauptdrahtzieher des Förderkreises "Rumänienhilfe", Hans Grimm und Klaus-Dieter Seibold. Seit nunmehr 20 Jahren bestehen Verbindungen zwischen Siebenbürgen und der Oberpfalz.

Begonnen hat das Ganze im Herbst 1994 mit dem Besuch von Adolf Hedrich, einem Siebenbürger Sachsen. Er bat die beiden Freihunger Schulleiter, Rektor Hermann Frieser und Konrektor Klaus-Dieter Seibold, das deutsche Kulturgut in Rumänien nicht aussterben zu lassen. So trafen sich 1996 insgesamt 32 Schülerinnen und Schüler aus dem rumänischen Tirgu Mures im Schullandheim Habischried mit den Sechstklässlern aus Freihung.

Sprachschwierigkeiten gab es nicht, denn alle Gäste sprachen perfekt deutsch. Den zweiten Teil des 14-tägigen Besuchs verbrachten die Kinder dann bei Freihunger Gasteltern.

Noch im selben Jahr wurde beim Gegenbesuch in Rumänien die Schulpartnerschaft besiegelt. Der Aufenthalt der deutschen Gruppe wurde in der 145.000 Einwohner zählenden Bezirkshauptstadt Tirgu Mures mit einem Schulfest groß gefeiert, bei dem deutsche Lieder und Volkstänze aufgeführt wurden.

Ab 2003 weitete sich die Freundschaft auch auf die Volksschule Vilseck aus. Von 1996 bis 2010 trafen Schüler beider Länder achtmal zusammen - fünfmal in Deutschland und dreimal in Rumänien.

Förderlehrer und Antreiber Hans Grimm, der von der ersten Stunde an als Begleitperson dabei war, schlug vor, den Rumänen auch mit Geld- und Sachspenden zu helfen.

Im Land herrschte große Not und es fehlte an allen Ecken und Enden. So fuhren im Jahr 2000 nicht nur die Freihunger Schüler in das arme Ostblockland. Nein, es gingen zum ersten Mal auch viele Hilfsgüter mit auf Reisen.

Nach und nach habe man nicht nur die Schulen in Tirgu Mures und Sagar unterstützt, sondern auch Krankenhäuser. Sogar einen deutschsprachigen Kindergarten habe man gebaut und eingerichtet sowie beim Sanieren der Kirche von Sagar geholfen, erzählt Klaus-Dieter Seibold.

Bald reichte für die Spenden ein Bus alleine nicht mehr aus. So beluden die mittlerweile 20 Aktiven der ins Leben gerufenen "Rumänienhilfe" jährlich einen LKW, der Krankenbetten, Matratzen, Nachtkästchen, Rollstühle, Rollatoren, Dialyse- und Diagnostikgeräte, Schulbänke, Stühle, Wandtafeln, Musikinstrumente, Schreibtische, Computer, Kopierer, Drucker, Kindergarteneinrichtungen, Kleidung und vieles andere mehr nach Rumänien brachte.

Hilfe für Kindergärten

Alle Hilfsgüter für Rumänien wurden von deutschen Einrichtungen, Firmen und Privatpersonen zur Verfügung gestellt beziehungsweise aus Spendenmitteln gekauft.

Die größten Sponsoren waren das Klinikum Weiden, die Firma Conrad und das Sanitätshaus Hellbach. Auch die Gemeinde Freihung und die Stadt Vilseck leisteten stets große Hilfe.

"Abgesehen von den Sachwerten sind allein an finanziellen Mitteln über 100.000 Euro in die Hilfsprojekte geflossen, wobei Bau und Einrichtung der beiden Kindergärten mit 47.000 Euro, die Unterstützung der Schulen mit 18.000 Euro und die Transportkosten mit etwa 27.000 Euro am höchsten zu Buche schlugen", resümiert Herr Seibold.

Gelagert wurden die Güter in einer Halle der Firma Willax, wo sie auch verpackt und verladen wurden. Die Fahrten durch Österreich und Ungarn und bis zum rumänischen Zielort verliefen oft sehr abenteuerlich.

Die mitreisenden Helferinnen und Helfer aus Vilseck, Sorghof, Freihung und Umgebung konnte das jedoch nicht entmutigen: Zu sehen, wie sehr sich die Menschen dort freuten und wie groß die Gastfreundschaft war, das war Dank genug und ein erneuter Ansporn zum Weitermachen.

Die aus kleinen Anfängen entstandene Rumänienhilfe kann nun ihr 20-jähriges Bestehen feiern. Seit 1995 sind 17 Transporte mit Hilfsgütern aller Art in Tirgu Mures, Sagar, Sinaia und Odorhei angekommen - und der nächste Transport ist bereits geplant. Bürgermeister Hans-Martin Schertl hat zugesichert, dass das Inventar der Grundschule in Schlicht, die demnächst aufgelöst wird, ebenfalls den Rumänen zugute kommen soll.
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