"Dann wäre ich tot!"

Die Fünftklässler der Mittelschule Vilseck erlebten mit Verkehrserzieherin Franziska Hebecker vom ADAC Nordbayern und Lehrer Philipp Mitterer (hinten, von links) einen besonderen Verkehrsunterricht. Bild: khg
Lokales
Vilseck
06.11.2015
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Kinder wachsen in einer mobilen Welt auf, in der das Auto ein wesentlicher Bestandteil ihres Alltags ist. Fast täglich sitzen sie darin und können dennoch die Risiken, die ein Pkw in sich birgt, nur unzureichend abschätzen. Das wollen ADAC und Mittelschule Vilseck ändern.

Getreu dem Motto "Aus Erfahrung wird man klug" wirkt der ADAC Nordbayern mit der Aktion "Hallo Auto!" auf die individuelle Erlebniswelt der Kinder ein. Der neuartige Verkehrsunterricht setzt dabei auf das Prinzip "Learning by doing" - was die Kinder in der Praxis hautnah erlebt haben, bringt einen Lerneffekt. Damit sollen Situationen, wie sie immer wieder vorkommen, vermieden werden: Ein Kind läuft auf die Straße, wird von einem Auto erfasst und bleibt verletzt liegen.

Anhalteweg unterschätzt

Die Fünftklässler mit Lehrer Philipp Mitterer und die Sechstklässler mit Lehrerin Hildegard Seegerer-Thiel hatten in zwei Unterrichtsstunden unter Leitung der Verkehrserzieherin Franziska Hebecker vom ADAC Nordbayern Gelegenheit, reale Verkehrssituationen zu erleben. Zu Beginn fingen die Schüler bei sich selbst an: Sie stoppten aus vollem Lauf an einer Ziellinie und mussten erkennen, dass es ihnen nicht gelang, sofort stehen zu bleiben. Noch länger dauerte es, wenn sie auf ein Flaggen-Zeichen hin sofort anhalten sollten. Daraus wurde die Lehrformel "Reaktionsweg + Bremsweg = Anhalteweg" erarbeitet, die sich fortan wie ein roter Faden durch die Übungen zog.

Die Erfahrungen, die die Schüler an sich selbst gemacht hatten, galt es dann, auf das Auto zu übertragen. Dazu stellten die Kinder Pylonen an eine Stelle, an der sie das Anhalten eines sich mit 50 Stundenkilometern nähernden Fahrzeugs erwarteten. Dabei unterschätzten sie im ersten Anlauf den Anhalteweg gewaltig.

Einprägsamer Aha-Effekt

Auf die Frage Hebeckers, was denn nun im Ernstfall auf der Straße passiert wäre, kam die Antwort: "Dann wäre ich tot!" - ein zunächst für die Kinder nicht leicht zu bewältigender Aha-Effekt, der sich aber auf Dauer einprägt. Beim zweiten Versuch, diesmal auf nasser Fahrbahn, trugen sie ihre Hütchen bereits wesentlich weiter. Im letzten Teil wurde den Mädchen und Buben dieses Geschehen aus der Sichtweise des Fahrers verdeutlicht. Die Kinder erlebten angegurtet auf dem Beifahrersitz eine Vollbremsung bei 30 Stundenkilometern. Daraus erwuchs die Einsicht, dass Anschnallen im Auto eine wichtige Sicherung ist.

Die Zehn- und Elfjährigen waren von dieser spielerischen und praxisnahen Form des Verkehrsunterrichts begeistert. Reaktionen wie "voll gut" und "echt cool" waren zu hören. Aber auch Lehrer Philipp Mitterer beurteilte "Hallo Auto!" sehr positiv.
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