Die Gesellschaftsbrauerei Schlicht - Anfänge gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück
Kommunbräu ist Geschichte

Lokales
Vilseck
01.10.2014
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Nun gehört sie endgültig der Vergangenheit an, die Gesellschaftsbrauerei Schlicht. Mit dem Teilabriss des einstigen Brauhauses geht ein jahrhundertelanges Stück Geschichte der Ortschaft Schlicht zu Ende.

Bereits 1528 verlieh Pfalzgraf Friedrich das Recht, in Schlicht ein Brauhaus zu errichten, darin zu brauen, das Bier auszuschenken und zu vertreiben.

Reichlich Abwechslung

So wechselten sich beispielsweise ab dem Jahr 1701 insgesamt 23 Anwesensbesitzer mit dem Brauen das Jahr über ab. Es brauten immer zwei zusammen und schenkten dann das Bier in ihren Zechstuben aus.

Damals war es Sitte, dass man ein Bäumchen vor das Haus stellte und damit kund tat, wo es Bier gab. Später lud dann ein Bierzeiger - ein Holzlatten-Stern über der Haustüre, ein sogenannter Bierzoigl - die Gäste ein. Ging das Bier zur Neige, zog man den Zoigl wieder ein, und der nächste Bierbrauer war an der Reihe.

Um zu verhindern, dass altes Gebräu trübe, sauer und ungenießbar wurde, "mussten" sich die brauberechtigten Dorfbewohner das Bier gegenseitig "wegtrinken". Es ist nicht überliefert, ob dies schwergefallen ist...

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verloren durch widrige Umstände einige Familien die Lust am Brauen. So verkaufte 1812 das Königliche Amtsgericht Amberg im Namen der Gemeinde Schlicht das Brau- und Malzhaus.

Insgesamt 20 Hausbesitzer ersteigerten dieses Gebäude und regelten ihre Rechte und Pflichten durch einen Gesellschaftsvertrag. Sie sind in der Chronik von Schlicht "Wöi's fröihers gwen is" namentlich aufgeführt. Die Gesellschaftsbrauerei Schlicht, auch Kommunbrauerei genannt, war geboren und bestand bis zum 16.05.1968.

Um sich von dem Gemeindebräuhaus unabhängig zu machen, gründeten 1904 die Familie Kummert und 1911 die Familie Besold (ab 1927 Winkler) eigene Brauereien.

Anfang der 70er-Jahre erwarb Hubert Winkler die zwischenzeitlich fast leergeräumten Gebäude der Gesellschaftsbrauerei mit der Auflage, dass einige der restlichen Schlichter Wirte ihr Bier von der Brauerei Winkler zu beziehen hatten.

Anderweitige Nutzung

Im alten Malzhaus wurden Wohnungen eingerichtet. Am Gebäude selbst aber nagte unaufhörlich der Zahn der Zeit. Mit Stefan Schertl fand sich nun ein Käufer, der einen Teilabriss vornahm und das Grundstück künftig anderweitig nutzen will.
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