Die Mesnerin im Ruhestand Hilde Wiesnet erzählt
Von Tüchern und Birken

Lokales
Vilseck
29.11.2014
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"Eine schöne Zeit war es schon", sagt Hilde Wiesnet, die von 1970 bis 1992 als Mesnerin in der Pfarrei St. Ägidius Dienst tat. Bis 2011 hat sie auch immer noch für ihren Nachfolger Werner Berger die Urlaubsvertretung gemacht und ausgeholfen, wann immer sie gebraucht wurde.

Vor ihrer Berufung zur Mesnerin hatte Hilde Wiesnet zehn Jahre mit Fanny Ott den Pfarrhof und zweimal wöchentlich das Gotteshaus geputzt. Dafür erhielt jede zehn Mark im Monat.

Erst mal Brotzeit

Nach dem Auszug von Geistlichem Rat Josef Hösl wurden im Pfarrhof eine neue Treppe und ein neues Bad eingebaut. Die ehemalige Mesnerin erinnert sich noch gut, als dann Stadtpfarrer Josef Strunz mit seinem Möbelwagen ankam. Zunächst wurden nur der Küchentisch und ein paar Stühle ausgeladen, und dann sagte der Geistliche: "Frauen, jetzt holt erst mal Wurst und Semmeln, damit wir Brotzeit machen können! Und dann gehen wir an die Arbeit!"

Zum Glück wohnte die Mesnerin nur etwa 100 Meter vom Gotteshaus entfernt, um morgens rasch aufsperren und abends zuschließen zu können. In erster Linie aber stand sie natürlich dem Priester und den Messdienern beim Ankleiden zur Seite. Vorher aber musste alles für den Gottesdienst hergerichtet werden. Zum Waschen der Altartücher hat Hilde damals extra eine große Wanne gekauft. Die Raß Gretl übernahm mit ihrer Heißmangel das Bügeln der Altarwäsche.

Hilfe von Ministranten

An hohen Festtagen hat Hilde mit ihrem Mann an die 60 Birken in und an der Kirche aufgestellt. Für Fronleichnam war noch Schilf zu streuen, die sogenannten Schlohn. "Den Himmel habe ich auch oft alleine aufgestellt", sagt sie. Ansonsten seien ihr die "großen" Ministranten immer eifrig zur Hand gegangen.

Zum Adventskranzbinden, Christbaumschmücken und Krippenaufbau ließ sie sich nicht zweimal bitten. Auch über das Bergfest berichtet sie gerne. "Da waren vormittags täglich drei heilige Messen und um 17 Uhr eine Andacht. Es war ja noch kein Licht und kein Wasser in der Bergkirche." Strom gab es erst zu Pfarrer Bauers Zeiten. Die Gressenwöhrer Frauen brachten Blumen, und Schwester Imina schmückte damit das Kirchlein. Anna Graßler, die gute Seele der Bergkirche, organisierte, putzte und half, wo sie nur konnte. "Der Danninger Sepp, der Kleber Max und der Ernst Schorsch haben alle liturgischen Gegenstände in großen Kisten zum Berg gefahren," weiß Hilde zu berichten. Für die Bergkirchl-Sakristei hatte Pfarrer Luitpold Schosser sein ausgedientes Wohnzimmer-Büffet zur Verfügung gestellt. Er machte ihr während des Jahres immer wieder mal eine große Freude, wenn er sagte: "Frau Wiesnet, ich fühle mich immer sicher, wenn Sie beim Gottesdienst da sind!"

Die Mesnerin kam mit allen Priestern gut aus. Mit Rosen hat ihr Benefiziat Alois Hirschberger immer zum Namenstag gratuliert, und Pfarrer Dietmar Schindler überraschte sie hin und wieder mit kleinen Aufmerksamkeiten. Bei ihm im Pfarrhof hat sie noch ein paar Jahre geputzt.
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