Die Vilsecker Totengräber (Fortsetzung)
Tückisches Eis

Lokales
Vilseck
30.09.2015
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Vater Eierer gab bei der Aussegnung die Kommandos: Auf mit'm Bauern! Nieder mit'm Bauern! "Einmal hat sich der Vater verzählt," schmunzelt Tschung "und den Sarg öfter auf und nieder heben lassen. Er hatte nämlich schon ein Bier und einen Schnaps bekommen. Und da meinte der Leichenträger Kugler: Sepp, öitz langt's! Furt mit'm Bauern!"

Auch wurden die Hühner, Tauben und der Hund von der Magd oder den Kindern beim Verlassen des Hofes aufgescheucht, um Abschied zu nehmen.

Die Toten aus Ebersbach wurden mit dem Pferdefuhrwerk nach Vilseck gebracht und beim Weiß (Goumer) ausgesegnet, die Gressenwöhrer beim Schwandner in der Froschau und die Toten aus Sorghof und den ehemaligen Truppenübungsplatz-Dörfern am Propst-Eck. Sie wurden danach gleich ins Leichenhaus gebracht.

Die Hauptaufgabe des Totengräbers war jedoch, das Grab auszuschaufeln. Da es früher noch keine Bagger gab, war viel Muskelkraft nötig. Im Winter war es besonders schwierig. Einmal war der Boden sogar bis in 1,20 Meter Tiefe gefroren.

Von einer besonderen Begebenheit erzählt Josef Eierer gern, obwohl es eigentlich eher tragisch war: "Im Zwingerfriedhof hat es sich im Winter zugetragen, dass die Bretter, die das ausgehobene Erdreich bedeckten, von einem Blitz-Eis überzogen waren. Darauf ist der Leichenträger Kugler ausgerutscht und ins Grab gefallen. Und der Sarg mit dem Toten ist hinterhergerutscht.

Zum Glück konnte Herr Kugler den Sarg soweit von unten anheben, dass er wieder aus der Grube steigen konnte. Das war natürlich für längere Zeit das Wirtshausgespräch schlechthin. Und immer wieder konnte man hören: Der Kugler woar schneller drin, als wöi der Daoute!"

Während des 2. Weltkriegs musste der Totengräber auch öfter mal Nachtwache im Leichenhaus halten, und Sohn Josef war dabei. Die Mutter wollte ihren Mann wegen seines schlimmen Asthmas nicht allein dort wissen.

Auch in die Sezierkammer warf Tschung mal einen verbotenen Blick, als ein ertrunkener Bub obduziert wurde. Diesen Anblick hat er bis heute nicht vergessen. Einige Beerdigungen fanden damals bereits um 5 Uhr morgens statt, damit es für Tiefflieger nichts zu sehen gab.

War eine große Leich', dann ging auch die Musik mit, die selbstverständlich zum anschließenden Leichtrunk eingeladen war. Und wenn der Alkohol gesprochen hatte, wurde aus der traurigen Musik eine lustige Musik. Schließlich musste das Leben wieder weitergehen, und es ging weiter. Und das ist bis heute so geblieben.
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