Die weitere Unterbringung von Flüchtlingen in der Stadt Vilseck, in der derzeit bereits 99 beherbergt sind, war auch Thema im Stadtrat und beschäftigt offensichtlich die Bürger.
Ungerechte Verteilung

Lokales
Vilseck
12.09.2015
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(e) Bürgermeister Hans-Martin Schertl verlas im öffentlichen Teil der Sitzung die Mitteilung der Regierung der Oberpfalz vom 24. August, wonach ihr in der Mozartstraße neben dem bereits belegten Anwesen Nr. 5 (50 Flüchtlinge) nunmehr auch das Haus Nr. 3 vom Eigentümer als weitere Unterkunft angeboten worden sei. Letzteres Gebäude soll am 1. November mit ebenfalls rund 50 Personen belegt werden. Wie Schertl erklärte, habe er die stellvertretenden Bürgermeister Thorsten Grädler und Heinrich Ruppert sowie die Fraktionsvorsitzenden unverzüglich unterrichtet und auch beim Regierungspräsidenten Axel Bartelt interveniert.

Guten Willen gezeigt

Wilhelm Ertl (Freie Wähler) sprach wohl für die meisten Räte, als er klar pro Flüchtlinge Stellung nahm und die Bevölkerung um deren Unterstützung bat. Was dem Stadtrat aber einigermaßen sauer aufstößt, ist die seiner Meinung nach offenbar ungleiche Verteilung im Landkreis. "Gerecht und ausgewogen" muss sie sein, hieß es. Sei sie aber nach Meinung des Gremiums nicht.

Um dies zu belegen, kamen entsprechende Zahlen auf den Tisch. Bisher sei die Hauptlast nur auf wenige Kommunen im Landkreis verteilt. Dass die Stadt Vilseck ihren guten Willen zur Aufnahme von Flüchtlingen bereits gezeigt habe, stehe außer Frage, habe sie auch schon mit einer Resolution dokumentiert, meinte Wilhelm Ertl.

Akzeptanz könnte kippen

Manuel Plößner (Arbeitnehmer-Eigenheimer) stieß im Grunde ins gleiche Horn und gab zu bedenken: "Irgendwann könnte bei der derzeitigen Flüchtlingspolitik die Akzeptanz in der Bevölkerung kippen." Er forderte das Landratsamt zu einer "fairen Verteilung" im Landkreis auf. "Kommunen, die keine Flüchtlinge aufnehmen, sollen anderweitig belastet werden", verlangte er.

Die Stadt Vilseck, die eine dezentrale Unterbringung favorisiert, sollte diese Forderung an das Landratsamt stellen, und im übrigen meinte er: "Wir werden wohl aufgrund der aktuellen Situation auch in Sachen Personal reagieren müssen, eventuell müssen wir in der Kasse aufstocken." Plößner fügte hinzu: "Wenn die gerechte Verteilung schon nicht einmal im Landkreis klappt, wie soll es in Europa funktionieren?"

"In einer gemeinsamen Stellungnahme haben wir uns gegen eine weitere Unterbringung, vor allem eines dritten Wohnblocks in einer Gemeinschaftsunterkunft ausgesprochen und auf unseren Beschluss für eine dezentrale Unterbringung hingewiesen", sagte der Bürgermeister in Bezug auf das Anwesen Mozartstraße 1. Auch habe man an die Solidarität aller Landkreisgemeinden appelliert, ihren Anteil an der Bewältigung des Flüchtlingsansturms beizutragen.

Wie Hans-Martin Schertl informierte, habe ihm eine deutsche Bewohnerin des Objekts Mozartstraße 3 mitgeteilt, dass ihr und ihrem amerikanischen Ehemann die Wohnung in diesem Haus vom Vermieter, der Firma GKG GmbH und Co.KG aus Bad Windsheim, gekündigt worden sei (siehe auch Seite 32). Wirtschaftliche Gründe seien dafür angegeben worden. Gleichzeitig habe man der Familie angeboten, in das Objekt Mozartstraße 1 zu ziehen. Eine andere amerikanische Familie solle ebenfalls die Wohnung wechseln.

Schertl kritisierte diese Methode: "Ich verwehre mich dagegen, dass auswärtige Vermieter Vilsecker Bürgern aus wirtschaftlichen Gründen kündigen und diese aus ihren angemieteten Wohnungen ausziehen müssen, damit hier Flüchtlinge untergebracht werden können."

Grundsätzlich machte der Bürgermeister klar, dass sich die Stadt Vilseck immer schon für eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen ausgesprochen habe. "Sofern weitere Flüchtlinge bei uns unterzubringen sind, sollte dies in dezentraler Form erfolgen", findet Schertl. "Vorab allerdings sollten diese 98 Kommunen in der Oberpfalz, die noch keine Flüchtlinge aufgenommen haben, sich solidarisch zeigen und ebenfalls Flüchtlinge aufnehmen", wünschte er sich.

Dezentral unterbringen

Sollten nun, so meinte Schertl abschließend, weitere Flüchtlinge zu verteilen sein, spreche sich Vilseck für eine dezentrale Unterbringung aus. "Was im Landkreis Regensburg möglich ist, muss auch bei uns in Vilseck möglich sein", war seine Meinung. Und das werde er auch dem Regierungspräsidenten so mitteilen, versprach er.
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