Ein Gartenschau-Gelände für Vilseck

Die Vilsaue entsteht dort, wo früher der Vilsecker Stadtweiher lag. Karte: Urpositionsblatt der bayerischen Vermessungsverwaltung
Lokales
Vilseck
15.05.2015
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Die Tribüne aus Steinquadern steht schon. Jetzt fehlen nur noch der Pavillon, die Sitzschiffe - und natürlich die Gäste. Ab Montag dürfen Spaziergänger, Jogger, Schulklassen die neue Vilsaue erobern.

Sechs Jahre ist Hans Heinrich noch beim Wasserwirtschaftsamt. Wenn er dann seinen Ruhestand genießt, schaut er vielleicht öfter mal in der Vilsaue vorbei. "Wer ein Leben lang gearbeitet hat, der möchte später mal wo hingehen, wo er sagen kann: Da haben wir was richtig Schönes gemacht." Das neue Naherholungsgebiet vor den Toren Vilsecks ist für den gebürtigen Tirschenreuther ein solcher Ort. Heinrich leitete das Projekt "ökologischer Ausbau der Vils". Am Dienstag war Bauabnahme, am Montag ist Eröffnung.

Dynamik im Flussbett

Seit dem Spatenstich im November 2013 sind eineinhalb Jahre vergangen. Die Bagger rollten an, als sich die Vils auf etwa einem Kilometer Länge direkt neben dem Stadtkern wie ein betonierter Flutkanal präsentierte. Jetzt schlängelt sich der Fluss am selben Ort durch Wiesen, an Altwässern und sandigen Buchten vorbei. "Wir haben eine Vielzahl von unterschiedlichen Bauwerken in das Flussbett eingebracht, um Dynamik reinzubringen", erklärt Heinrich. Dazu gehören auch sogenannte Störsteine - riesige Felsbrocken, die die Strömung beeinflussen und Jungfischen Schutz bieten. Ziel sei es gewesen, ein möglichst abwechslungsreiches Gewässer zu schaffen mit flachen und tiefen Stellen, mit stehendem Wasser und Stromschnellen. Heinrich spricht von der "größten Baustelle des Wasserwirtschaftsamtes in der nördlichen Oberpfalz". 2008 hatte die Behörde das Heft in die Hand genommen, nachdem es bereits erste Planungen für eine Renaturierung durch die Stadt gab.

Die neue Vilsaue liegt zu großen Teilen auf dem Gebiet des riesigen ehemaligen Stadtweihers. Er war vor mehr als 500 Jahren angelegt worden, um Angreifer fernzuhalten. 1926 ließen die Behörden den Stadtweiher trockenlegen und die Vils begradigen. Bis 1932 war der Reichsarbeitsdienst mit dieser Aufgabe beschäftigt. "Heute mag das unverständlich erscheinen", erklärt Heinrich. "Aber damals war das eine Kulturleistung." Auf dem gewonnenen Land entstanden Gartenkulturen. Etliche Kleingärten bestehen dort heute noch.

Blei aus dem Bergwerk

Der Stadtweiher bereitete den Planern im Nachhinein noch einige Probleme. Denn in seinem Sediment hatten sich Rückstände von Blei abgesetzt. Dieser Rohstoff war über viele Jahre hinweg in einem Bergwerk bei Freihung abgebaut worden. Reste davon schwemmte der Regen in die Vils. Das Wasserwirtschaftsamt musste 26 000 Kubikmeter dieses Sediments auf der Deponie in Weißenbach entsorgen. "Das wurde fachmännisch erledigt. Von dem Material geht keine Gefahr aus", betont Heinrich. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 855 000 Euro. 79 Prozent davon übernimmt der Freistaat Bayern, den Rest bringt die Kommune auf - größtenteils über städtische Grundstücke und Eigenleistungen.

Am Montag gibt es ein Fest zur offiziellen Eröffnung. Um 13 Uhr geben Behördenvertreter und Bürgermeister Hans-Martin Schertl die Vilsaue frei. "Dann liegt es an den Vilseckern, von dem wunderschönen Naherholungsgebiet Besitz zu ergreifen. Ich bin sicher, sie werden es tun", sagt Heinrich, während er zur Seite treten muss, um zwei Nordic-Walker vorbeizulassen.
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