"Hinterfotzig und dreist"

Bürgermeister Hans-Martin Schertl in seiner Mail an Regierungspräsident Axel Bartelt: "Ich sehe mich gezwungen, diese Informationen und Ihr Schreiben an die Presse weiterzuleiten, damit unsere Bevölkerung von der Anmietpraxis der Regierung informiert wird."
Lokales
Vilseck
09.12.2015
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Vilsecks Bürgermeister Hans-Martin Schertl ist sauer. Auf die Regierung der Oberpfalz und ihr derzeitiges Vorgehen bei der Einrichtung einer weiteren Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Vilseck.

Wie berichtet, soll dafür ein zweiter Wohnblock in der Mozartstraße genutzt werden, in dem derzeit vor allem Angehörige der US-Streitkräfte, teils mit Familien, leben. Diesen Mietern wurde mittlerweile gekündigt, was Schertl ziemlich bodenlos findet.

Er spricht von Drecksarbeit

Darüber schimpfte er am Dienstagabend in der Sitzung des Stadtrats, indem er öffentlich zuerst einen Brief von Regierungspräsident Axel Bartelt zum Thema verlas und dann seine Mail-Antwort darauf in vollem Umfang wiedergab. "Ihre wohlwollenden Aussagen stehen im krassen Widerspruch zum Vorgehen der Regierung selbst", schrieb Schertl, der sich über die umgehende "Entmietung" des Gebäudes Mozartstraße 3 empörte. Nach Gesprächen mit Regensburg habe der Hauseigentümer die Kündigungen "aus wirtschaftlichen Gründen" ausgesprochen, womit die Regierung "aktiv die Entmietung dieser Wohnungen von Vilsecker Bürgern fördert". "Sie überlassen dem Vermieter die Drecksarbeit", warf Schertl Bartelt vor und nennt die Vorgehensweise "völlig unverständlich und inakzeptabel".

Er verhehlte nicht, dass er das in einem vorangegangenen Telefonat mit der Regierung als "hinterfotzig" bezeichnet hatte und sprach sogar von einer "Dreistigkeit", die sich der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung mit folgendem Satz erlaubt habe: "Es handelt sich doch nur um Amerikaner, die ausziehen müssen", zitierte der Bürgermeister fassungslos, nachdem Vilseck die Angehörigen der US-Armee niemals geringer, sondern stets als vollwertige, geschätzte Mitbürger betrachte. Außerdem habe die Stadt nach der Belegung von Mozartstraße 3 "dann in zwei großen nebeneinander liegenden Gemeinschaftsunterkünften etwa ein Zehntel aller Flüchtlinge des Landkreises untergebracht, während andere Kommunen erheblich unter ihren Sollzahlen liegen".

Massive Ballung in Vilseck

Laut Schertl hätte Vilseck mit den dezentral beherbergten Menschen somit sogar ein Sechstel aller Asylbewerber in Amberg-Sulzbach. "So eine massive Ballung entspricht ja laut Ihrem Schreiben auch nicht der Sichtweise der Regierung - sinnvolles Verhältnis zu den Gemeindebürgern, um ein harmonisches Miteinander nicht zu gefährden -, sofern diese Aussagen wirklich ehrlich gemeint sind", hält Hans-Martin Schertl Axel Bartelt vor.
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