Josef Eierer erzählt: Großvater und Vater fungierten als Vilsecks Totengräber
Tod war lebensnotwendig

Lokales
Vilseck
30.09.2015
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"Mein Großvater Johann Eierer war 42 Jahre lang Totengräber in Vilseck", erzählt Josef Eierer, besser bekannt als Nachtwächter Tschung. "Danach ging die Tätigkeit nahtlos auf meinen Vater Josef über, der leider schon 1951 im Alter von 50 Jahren verstarb".

Tschung berichtet, wie er als Kind schon in die Sache miteinbezogen wurde - und davon, dass ihm das Ganze manchmal doch etwas unheimlich war. Der Beruf des Totengräbers hatte einen faden Beigeschmack, aber doch war der Nebenverdienst für die fünfköpfige Familie lebensnotwendig.

War ein Sterbefall eingetreten, hatte Tschung im Auftrag seines Vaters die "Leichbeter" wegen des Leichbittens zu verständigen. Seine Mutter Elisabeth war für Ebersbach zuständig, die Steger Nandl für Schlicht, Herr Donhauser für Vilseck, Frau Schöner für Axtheid und Frau Ziegler für Gressenwöhr und Umgebung.

Das Leichbet'n spielte sich so ab, dass die Bewohner jedes Hauses mit einem Spruch zur Beerdigung eingeladen werden mussten. Der lautete dann zum Beispiel so: D'Frau Huber schickt mi her, Sie soll'n ihr'm Ma am Micher um Zeahne in d'Leich göih und a poar Vaterunser bet'n!

Dafür gab es dann für die Leichbeter manchmal entweder ein Ei, ein Stück Butter, einen Ranken Brot, etwas Fallobst oder ein Schüttl Stroh, welches Familie Eierer zum Einstreuen für ihre einzige Kuh und die zwei Schweine gut brauchen konnte. "Wenn es Stroh gab", fügt Josef hinzu, "musste ich das am andern Tag mit dem Handwagen abholen".

"Wenn der Verstorbene mit dem Bauern verwandt war, wurde extra eingeladen'", fügt er an. Dann hieß es: D'Frau Müller schickt mi extra her, usw. Und oft hieß es knauserig: "Wos? Daou waar ma af oimal verwandt?" Denn beim Extra-Leichbet'n sollte man auch eine doppelte Menge hergeben, wie etwa eine Wurst von der Schlachtschüssel.

Der Totengräber hatte dann auch die Leichenträger zu informieren. Das musste der kleine Josef ebenfalls übernehmen. Er ging zum Ziegler, Kugler, Schöner, Geier, Donhauser und Hirmer. Die Särge fertigte alle der Gnan-Schreiner. Dort musste Josef den bestellten Sarg abholen und mit seinem Handwagen zum Sterbehaus bringen.

In die Dörfer wurden die Särge vom Houder Kare mit dem Pferdefuhrwerk transportiert, und Josef war natürlich als Begleiter dabei. Da begab es sich einmal, dass es unterwegs zu regnen begann und Tschung sich zu einer Art Mutprobe in den Sarg legte. Der Kare machte den Deckel drauf... Aber drinnen gefiel es Josef nicht lang, und er nahm lieber das Wasser von oben in Kauf.

Die Toten wurden daheim eingesargt und im Hausgang aufgebahrt. Sie starben ja auch zu Hause, denn es gab noch keine Krankenhäuser. Zuvor aber musste Ruppert-Boder die Leichenschau halten. Dabei schnitt er den Verstorbenen in die Ferse. "Wenn er daou koin Zucker dou haout, woar er wirklich daout!" Mutter Eierer hatte für die Sargwäsche zu sorgen, die meist mehr aus Papier denn aus Stoff war, je nach Vermögenslage.

Bei einem Vilsecker fand die Aussegnung durch den Pfarrer im Haus des Verstorbenen statt. Ehe aber die Leichenträger mit dem Sarg das Haus verließen, hatten sie noch eine Zeremonie zu vollziehen. Der Tote sollte im Sarg liegend noch einmal in jedes Zimmer und jede Kammer schauen. So wurde er über jeder Türschwelle, mit dem Kopf voran, dreimal auf und nieder gesenkt und dabei ein Kreuzzeichen angedeutet. (Fortsetzung nächste Seite)
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