Landschaftspflege durch Rotwild als ausgedehntes Forschungsprojekt - Biologe Marcus Meißner ...
Funk-Hirsch hilft der Wissenschaft

Lokales
Vilseck
29.04.2015
4
0
Kann man freilebende Rothirsch-Vorkommen dazu "einspannen", eine offene Landschaft zu pflegen? Im Übungsplatz Grafenwöhr hat das Flächenmanagement diese Idee realisiert. Begleitet wird das Vorhaben seit Jahren auch von der Wissenschaft. Marcus Meißner, Diplom-Forstwirt vom Wildbiologische Institut Göttingen-Dresden, sprach bei der Rotwildschau über seine Arbeit: Er besendert Rotwild und wertet dann die vielen Tausend Daten über Standort und Bewegungsverhalten aus. Das Projekt läuft bis 2019.

Im Wald seien durch Rotwild massive Schäden an der Waldverjüngung möglich, während im Offenland das Abweiden der Gehölze erwünscht sei. Gerade solche Biotope wiesen einen hohen Anteil an gefährdeten oder geschützten Arten auf. Der Modellfall Übungsplatz Grafenwöhr als Pilotprojekt zeichne sich aus durch einen hohen, für das Wild nutzbaren Freiflächenanteil und hohe lokale Dichte im Offenland. Das Telemetrieprojekt von 2008 bis 2012 habe gezeigt, dass Alttiere ihren Lebensraum relativ kleinräumig, konstant und flächenbezogen nutzen. "Die Hälfte des Jahres sind sie auf nur 15 Prozent der Fläche zu finden", erklärte Meißner. Um das gewünschte Ziel zu erreichen, wolle man die Lebensraumwahl beeinflussen: Vegetationsnutzung zeitgleich auf einer gemeinsamen Fläche.

Eine Untersuchung durch Botaniker habe gezeigt, dass bis zu 162 verschiedene Pflanzenarten die Offenlandflächen bevölkern, alleine auf der Versuchsfläche 53 - eine kaum vorstellbare Vielfalt. Die Entwicklung dieser Vegetation mit dem Äsungsverhalten des Rotwildes zu koppeln, das sei Ziel des Projektaufbaues.

Etwa 8000 Ortungsdaten pro Jahr und besendertem Tier gelte es auszuwerten. Inzwischen wissen die Forscher genau, wie und wohin sich das Rotwild in der Regel bewegt. Gezielte, disziplinierte Bejagung, strikte Ruhezonen und Fütterung gewöhnen es daran, im Offenland zu grasen und im Wald nur zu ruhen. Keine Waldschäden, aber gepflegte offene Flächen, trotzdem ordentlicher Wildbestand - das ist das ganze Geheimnis. Aber, das bewies der Vortrag, es bedarf gründlicher Vorbereitung.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.