Lola ist wieder da

Wo sich das E und das L aus einheimischen Ziegelsteinen ineinander verschlingen, erinnert Albert Braun an Elias Peißner und Lola Montez. Der Vilsecker Türmersohn und die Mätresse von Bayernkönig Ludwig I. waren im Revolutionsjahr 1848 ein Liebespaar, das nicht recht zueinanderfand.
Lokales
Vilseck
20.07.2015
15
0
 
Erwin Regler hat für sein Werk "Courage", das die Geschichte der aufstrebenden Stadt Vilseck darstellen soll, nur Armeeschrott aus dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr verbaut. Bilder: rha

Was haben Lola und Elias in der renaturierten Vilsaue zu suchen? Wer beschwört die Flussgeister herauf? Wo kam das verunglückte Salzfuhrwerk her? Kann ein Jurassic-Fisch schwimmen?

Diese und viele andere Fragen wirft der Kunstpfad in den Vilsauen auf. Ab sofort können die neugeschaffenen Werke internationaler Künstler im Naherholungsgebiet an der Vils bestaunt werden.

Wenn man in der Bahnhofstraße startet, trifft man zunächst auf ein Ziegelbauwerk, das die Buchstaben E und L (Elias und Lola) vereint. Der in Finnland lebende gebürtige Vilsecker Albert Braun hat dafür lokales Naturmaterial verwendet, eben Ziegelsteine aus heimischer Fertigung, und so einen Kontrast zur Natur geschaffen.



In Amerika gefallen

In Elias Peißner und Lola Montez sieht er eine Verbindung zwischen Amerika und seiner Heimatstadt und stellt somit die Beziehung zwischen Deutschland und den USA in den Vordergrund. Der Vilsecker Türmersohn Peißner, der mit der Mätresse König Ludwigs I. 1848 in Vilseck weilte, fiel später im Amerikanischen Bürgerkrieg. In Kürze will Albert Braun noch eine Tafel an seinem "Denkstein für Liebe, Frieden und Freiheit" anbringen. Er würde es begrüßen, wenn das Kunstwerk durch eine kleine Brücke unmittelbar mit den Vilsauen verbunden wäre.

Am neuen Vilssteg erwartet die Wanderer eine Gruppe von Flussgeistern, eine Holzskulptur aus Eichenstämmen, erstellt von Stefan Link, einem Württemberger Schwaben aus dem Schwarzwald (wie er selbst sagt), der jetzt in Kallmünz lebt. Der Holzbildhauer hat mit der Motorsäge zwei Wochen lang an seinem Werk gearbeitet. Nun gilt es, mit dem Meißel noch einige Feinheiten herauszuarbeiten. "Die Arbeit hat mir großen Spaß gemacht", sagt er, "nur die Hitze war manchmal etwas zu groß."

Kulturschaffender Bauhof

Den Mitarbeitern des Bauhofs, allen voran Michael Nutz, die in diesem Fall bei der Verankerung des Werkes halfen, gebührt großes Lob. 14 Tage lang standen sie den Kunstschaffenden zur Seite. "Ohne die gute Zusammenarbeit des Bauhofs mit den Künstlern hätte das Künstler-Symposium nicht verwirklicht werden können", sagt Adolfine Nitschke, die Kulturbeauftragte der Stadt. Ferner lobt sie die großzügigen Sponsoren, die finanziell und tatkräftig halfen und somit die Kosten für die Gemeinde in Grenzen hielten.

Ein paar Meter weiter steht am geplanten Pavillon der Bildhauer Tim de Christopher aus Massachusetts, der sich mit einer Steinskulptur beschäftigt. Ein "Vilseck-Fisch" aus Jurakalkstein entsteht dort, ein sogenannter Jurassic-Fisch, der von den städtischen Mitarbeitern nur noch in eine Kiesbank am Flussufer verbracht werden muss. Auf dem Bauch des Fisches sind die Worte "Der Lauf der Dinge" eingemeißelt. "Mir hat es in Vilseck sehr gut gefallen", sagt Tim de Christopher.

Fuhrwerk steckt fest

Wenn man auf dem Weg weiter Richtung Axtheid-Berg marschiert, trifft man auf ein verunglücktes Holzfuhrwerk, das im Morast, besser gesagt: im Salz, zu versinken droht. Dargestellt ist der Salzhandel auf der ehemaligen Goldenen Straße von Vilseck nach Pilsen. Diese Szene trägt die Handschrift von Jakub Hanzl aus der Tschechischen Republik. Der 29-Jährige von der Fakultät für Design und Kunst der Universität Pilsen hat sich damit ein schwieriges, aber eindrucksvolles Thema gewählt und es bestens umgesetzt.


Nicht unmittelbar am Wasser, jedoch am Ufer des ehemaligen Stadtweihers, erhebt sich ein besonders skurriles Kunstwerk, das Erwin Regler geschaffen hat, ein Oberpfälzer, der jetzt in Kanada lebt. Sein Material besteht ausschließlich aus Armeeschrott aus dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Der Platz hinter dem Weihertor eignet sich hervorragend für die Darstellung der mutigen, selbstbewussten und aufstrebenden Geschichte der Stadt Vilseck, die er in seinem Werk zum Ausdruck bringen will. Lange habe er nach einem geeigneten Namen gesucht, schmunzelt Regler. Er scheint ihn nun in "Courage" gefunden zu haben. Ja, Mut und Beherztheit scheint es wirklich zu brauchen, um allen Zweiflern und Kritikern Paroli bieten zu können, denn die Geschmäcker sind nun mal verschieden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.