Mit der Orgel zum Großbrand

Mit einigen Hirschauer Stückln brachten die Klangbrettgruppe der Caritas-Sozialstation und ihre Leiterin Hildegard Kohl (stehend, Mitte) die Bewohner des BRK-Seniorenheims zum Schmunzeln. Bild: u
Lokales
Vilseck
09.06.2015
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Jedes Kind kennt die Schildbürger und ihre sprichwörtlichen Streiche. Eine Stadt im Landkreis genießt in der Literatur einen ähnlichen Ruf.

Die Klangbrettgruppe der Hirschauer Caritas-Sozialstation und ihre Leiterin Hildegard Kohl sind gerngesehene Gäste im Vilsecker BRK-Seniorenheim St. Ägidius. Bei ihrem jüngsten Besuch brachten sie nicht nur Musik mit: Hildegard Kohl gab Hirschauer Stückln zum Besten.

Schon seit Jahrhunderten gelten die Hirschauer als Schildbürger der Oberpfalz. Martin Zeiller notierte 1632 in seinem "Itineraium Germaniae" dazu Folgendes: "Schilda: Eyn Stätteleyn, so sich mit Hirschau vexieren (hänseln) lassen muß. Man saget den dortigen Burgern allerley Streich nach, welch Schwänk ein feyn Bücheleyn, genennet das Lalebuch (1597), es beschreybet".

1650 schrieben Martin Zeiller und Mathäus Merian in der "Topographia Superioris Saxoniae": "Es seyn die von Schilda, wie die von Hirschau in der Obern Pfaltz wegen ihrer einfältigen, lächerlichen Thaten, so man von ihnen begangen erzehlet, vor Jahren berühmt gewesen ...".

Welch große Probleme die Hirschauer mit ihrem Rathausbau hatten, schilderte Hildegard Kohl mit den Geschichten vom "verschobenen Rathaus" und von den "vergessenen Rathausfenstern". Mitleid hatten die Zuhörer mit der Kuh, die die Hirschauer auf ihre Stadtmauer zogen, um dort das Gras abzufressen. In einem weiteren Stückl wurde den Hirschauern nachgesagt, dass sie versuchten, Salz zu säen und sich bei ihren Tests in die Brennnesseln setzten.

Zum Publikumsrenner avancierte der peinlichen Feuerwehreinsatz. Darin konfiszierten die Hirschauer die Orgel eines zahlungsunwilligen Karussellbesitzers und sperrten sie ins Feuerwehrhaus ein. Nachts rückte die Feuerwehr dann zu einem Großbrand nach Gebenbach aus. Als der Kutscher auf einer steilen Gefällestrecke nach der Bremse schrie, drehte einer der noch müden Männer an einem Handgriff. Da klang durch die Nacht das Orchestrion: "Wir gehn nach Lindenau, da ist der Himmel blau ..."

Für Begleitmusik sorgten die Klangbrettdamen mit Liedern, die den Heimbewohnern bestens vertraut sind. Pflegedienstleiterin Monika Rötzer bedankte sich bei den Hirschauer Gästen für den kurzweiligen Nachmittag, den Gerontotherapeutin Anita Dobmeier organisiert hatte.
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