Mobilfunkgegner enttäuscht vom Standortvotum für Drechselberg - Nicht untersucht, nur berechnet
Kein gutes Haar an den Gutachtern

Lokales
Vilseck
26.01.2006
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Wenn Franz Kohl im Wintergarten seines Hauses in Gressenwöhr sitzt, hat er einen wunderschönen Blick auf den Drechselberg. Dort soll nach den Vorstellungen der Firma Vodafone künftig ein 71 Meter hoher Sendemast die Vilsecker Mobilfunkversorgung optimieren. Doch dagegen und das mittlerweile vorliegende Standortgutachten regt sich Widerstand.

Franz Kohl ist Sprecher einer im August 2004 gegründeten Bürgerinitiative gegen den geplanten Maststandort auf dem Drechselberg in unmittelbarer Nähe zur Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg. Ursprünglich hatten sich an die 50 Leute zusammengetan, die sich nicht damit abfinden wollten, dass die Mobilfunkbetreiber nach Gutdünken mit den Sendeanlagen die Landschaft zerstückeln und die Bürger mit elektromagnetischen Feldern überziehen können. "Aber je mehr Stadtratsbeschlüsse wir haben, desto mehr geben auf", fasst Kohl zusammen.

Dabei hatte es zunächst ganz im Sinne der Gittermast-Gegner begonnen, als der Vilsecker Stadtrat im September 2004 dem Vodafone-Bauantrag für den Drechselberg das gemeindliche Einvernehmen verweigerte.

Historische Silhouette

Die Gründe waren vielgestaltig: einerseits wurde angeführt, dass das Bauvorhaben in der Nähe der Kreuzbergkirche die historische Stadtsilhouette von Vilseck beeinträchtigen würde; andererseits erging neben der dann erhöhten Summe der Strahlenbelastung auch ein Hinweis auf die Gefahr einer Störung des militärischen Flugverkehrs am Rande des Truppenübungsplatzes. Der Standort liege innerhalb einer von Hubschraubern, schweren Transportmaschinen und mit scharfer Munition bestückten Kampfflugzeugen stark frequentierten Einflugschneise, hieß es im Stadtrat.

"Damit wären wir zufrieden gewesen", rekapituliert Gittermast-Gegner Franz Kohl im Gespräch mit der Amberger Zeitung. Doch es kam anders. Nachdem die Bürgerinitiative ein Standortkonzept zum Einstieg in eine so genannte "Positiv-Planung" beantragt hatte, wurde dieses vom Stadtrat bei der Firma "LGA QualiTest GmbH" in Auftrag gegeben.

17:3 Stimmen im Stadtrat

Die Landesgewerbeanstalt sollte demnach innerhalb eines Jahres zehn bis zwölf mögliche Maststandorte untersuchen und eine Untersuchung von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern in der Umgebung einer geplanten Mobilfunk-Basisstation abliefern.

Die Enttäuschung bei den Mobilfunkgegnern aber war groß, als bei der Vorstellung des Ergebnisses am 29. September 2005 die LGA-Gutachter ausgerechnet den Drechselberg als den in ihren Augen besten Standort präsentierten. Und noch größer war sie, als der Stadtrat, der zuvor den Drechselberg abgelehnt hatte, nun mit 17:3 Stimmen den Gutachter-Vorschlag stützte.

In den Augen von Franz Kohl haben die Gutachter eine ganze Reihe von Vorgaben ganz einfach missachtet. So seien die Standorte der vier bisher schon existierenden Sendeanlagen nicht untersucht worden. Auch seien keinerlei Messungen für sensible Bereiche wie Kindergarten, Schule und Altenheim vorgenommen worden, wie sie von der Bundesnetzagentur gefordert werden. Vielmehr hätten sich die Gutachter nur auf Berechnungen gestützt.

Nur Teil der Stadt

Sauer stößt Kohl auch auf, dass das Versorgungsgebiet einer Station auf dem Drechselberg lediglich das Südlager und die südlichen Teile des Truppenübungsplatzes, die Staatsstraße 2166 in ihrem gesamten ost-westlichen Verlauf sowie die nördlichen Teile der Stadt Vilseck umfassen würde. Es seien also lediglich 30 Quadratkilometer erfasst worden. Das Gemeindegebiet von Vilseck sei aber 64,7 Quadratkilometer groß.

"Wir stellen somit in Zweifel, dass dieser Turm ganz Vilseck versorgt", so Kohl. Er ist zusammen mit den Mitstreitern der Bürgerinitiative überzeugt, dass es wesentlich geeignetere und weniger sensible Maststandorte gebe, die die Versorgungssicherheit ebenfalls gewährleisten.

Kein Gesamtkonzept

Mittlerweile wird in Vilseck der Vorwurf laut, dass es sich bei der Untersuchung der Firma "LGA QualiTest" um ein Gefälligkeitsgutachten handelt, das speziell auf die Interessen der Mobilfunkbetreiber zugeschnitten ist. "Wir sagen, dieses Gutachten ist nicht das, was der Stadtrat beschlossen hat. Es enthält kein abgestimmtes Gesamtkonzept und es ist keine Standortkombination beschrieben. Der Stadtrat hätte dieses Papier eigentlich zerlegen und kritisch hinterfragen müssen", so Franz Kohl.

Zunächst wird man abwarten müssen, denn nach dem Stadtratsbeschluss vom September hat nun das Landratsamt eine Stellungnahme der Träger öffentlicher Belange eingeholt. "Wir erwarten, dass die Kirche, der Denkmalschutz, der Kreisheimatpfleger und der Bund Naturschutz kritische Anmerkungen machen", so Kohl. Je nachdem, wie die Stellungnahme des Landratsamtes ausfällt, erwägen die BI-Mitglieder eine Petition an den Landtag.