Mundartforscherin Rosi Hasenstab: Das "Tschüss" den Preußen überlassen
Gloifl und Gischbl, Wurmdreckl und Baamhackl

Lokales
Vilseck
31.01.2015
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Seit 22 Jahren ist Rosi Hasenstab eine von rund 500 Mitarbeitern der Kommission für Mundartforschung, die alte Wörter sammelt. Im Abstand von vier bis fünf Monaten flattern ihr deshalb aus München zwei Fragebögen ins Haus, die zur Erstellung des "Bayerischen Wörterbuchs" dienen.

Inzwischen kommen die Unterlagen per Internet, und Rosi Hasenstab füllt die Fragebögen per Computer aus. Sie trägt die ihr bekannten Dialektwörter ein - und zwar genau so, wie sie in Vilseck vorkommen und gesprochen werden - und liefert dazu noch umgangssprachliche Satzbeispiele. Seit 1975 ist übrigens ihre private Mundartsammlung auf über 850 Wörter und Redewendungen angewachsen.

Lob für die Schulen

Wichtig ist für Rosi Hasenstab in erster Linie, dass die Mundart hierzulande nicht ausstirbt. Sie begrüßt es sehr, dass mittlerweile auch in den Schulen Dialekt gesprochen werden darf.

In der oberpfälzischen Mundart sieht sie die eigentliche Muttersprache, mit der die Kinder ohne Probleme vertraut werden. Es ist sogar erwiesen, dass Buben und Mädchen, die neben Hochdeutsch auch Dialekt sprechen, viel intelligenter sind.

Dennoch sind Ausdrücke wie Baamhackl (Schorf), Wurmdreckl (Gerstenkorn im Auge), Gnoschgoschn (jemand, der sehr heikel, sprich hoigler ist) oder Gischbl (Tölpel) meist nur noch der älteren Generation bekannt.

Dialekt braucht Übung

"Damit dies nicht so bleibt, muss der Dialekt eben auch im Alltag praktiziert werden", meint Rosi Hasenstab. Wie schön seien doch Redewendungen wie "Wecher oiner Stau'ern freckt koi Goaß" oder "An gschenktn Gaal schaut ma niat ins Maal!"

Heutzutage ist leider in der Sprache ihrer Einschätzung nach sehr vieles amerikanisiert.

Beim Arzt lasse man sich durchchecken, auf Mega-Events gehe der Punk ab und vieles sei eben total cool und in und easy. Im Job geht es um Feedback und Flyer und eben um Power. Ausdrücke wie Hi und Wow sind an der Tagesordnung.

Pföit Gott oder Servus

Was aber für die engagierte Oberpfälzerin am schlimmsten ist, ist der Abschiedsgruß Tschüss. "Wir könnten doch auch Pföit Gott oder Servus sagen", plädiert sie immer wieder. Man müsse es nur wollen und eben daran arbeiten!

"Tschüss kinner die Preißn sogn, denn ich kann ma niat vorstöilln, dass döi mit dem bayrischn "Pföit di Gott" Abschied nehmer taan," ereifert sich die 63-jährige Vilseckerin.
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