Neue Vils-Ecken für Vilseck

Die Kinder von St. Josef staunen nicht schlecht: Man kann Fisch auch ins Wasser hineintun und nicht nur herausholen.
Lokales
Vilseck
18.05.2015
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An machen Stellen in unserem Landkreis wirkt die Vils wie ein Störenfried. Wild will sie sein und ungezähmt. Zur Strafe wird sie dann oft in ein enges Korsett gezwängt. In Vilseck haben sie ihren Fluss jetzt wieder befreit.

Die Böllerschützen ließen es krachen, die Kindergartenkinder von St. Josef sangen, die Sonne strahlte mit den Festgästen um die Wette und gemütlich mäanderte die Vils durch ihr neues Bett. Einst fischten die Vilsecker hier im Stadtweiher, später dann begradigte der Reichsarbeitsdienst den Fluss und machte ihn zum Kanal, abgeschottet durch eine hohe Böschung. Am Montag nun war offizielle Einweihung der neuen Vilsauen - der Fluss darf sich wieder schlängeln und winden, darf strömen oder dümpeln.

Der neue, alte Nachbar

Baudirektor Mathias Rosenmüller vom federführenden Wasserwirtschaftsamt Weiden musste zwar auf eine Reihe von Festgästen verzichten - es fehlten unter anderem die Umweltministerin, der Regierungspräsident und der Landrat entschuldigt - der Hauptdarsteller, die Vils, aber war da. "Die Vils rückt wieder näher an den Menschen heran", sagte Rosenmüller und meinte das nicht als Drohung vor dem nächsten Hochwasser, sondern als lockende Aussicht auf Erholung, auf Veranstaltungen und Natur pur.

Eine neue Attraktion

850 000 Euro hat die Umgestaltung der Vils auf einer Länge von rund 1,4 Kilometern gekostet, 180 000 Euro davon schoss die Stadt Vilseck dazu. Für dieses Geld entstand ein naturnaher Fluss, der Rückzugsräume für gefährdete Tierarten ebenso bietet wie eine neue Attraktion für die Stadt. Denn die plant nach den Worten ihres Bürgermeisters Hans-Martin Schertl hier unter anderem einen Pavillon mit Ufertreppe für Veranstaltungen, will sogenannte Sitzschiffe als Einladung für Erholungssuchende anbringen und einen Kunstpfad anlegen, für den im Juli in Burg Dagestein ein Künstlersymposium angeboten wird.

"Mit unseren neuen Vilsauen wurde ein Anlage geschaffen, um die uns andere Kommunen beneiden", war sich Schertl sicher. Dabei soll es nach Aussage von Mathias Rosenmüller aber nicht bleiben. Er sieht das Vilsecker Projekt durchaus als Vorbild und Ansporn für andere Anrainergemeinden, der Vils dort ebenfalls ein naturnäheres Bett zu geben. Was ja übrigens auch bei Hochwasser von Vorteil ist, wie er sagte.

"Die Vils ist die Lebensader unseres Landkreises", war sich stellvertretender Landrat Franz Birkl sicher. Die 850 000 Euro gut angelegtes Geld. Von denen übrigens der Freistaat Bayern zunächst 79 Prozent übernimmt, davon aber wieder die Hälfte von der Europäischen Union kofinanziert bekommt. Und weil eine Lebensader aus Wasser auch immer reichlich Fisch mit sich führen soll, setzten Mitglieder der Angelgemeinschaft Vilseck gleich eine ordentliche Anzahl stattlicher Flussforellen und -saiblinge ein.
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