Schüler verschwinden plötzlich

Die Frauenunions-Vorsitzende Waltraud Schlicht begrüßte zur Infoveranstaltung über die Flüchtlingssituation vor Ort auf dem Podium (von links) Rektor Franz Dirmeier, Lehrerin Andrea Kemptner, Regierungsvertreterin Alexandra Adam, Erich Gebhard (verdeckt), Bürgermeister Hans-Martin Schertl und Moderator Heinrich Deinzer. Bild: ct
Lokales
Vilseck
11.11.2015
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99 Flüchtlinge leben inzwischen in Vilseck. Deren Situation beleuchteten Frauen-Union und CSU bei einem Infoabend. Die Regierung der Oberpfalz verteidigte dabei ihr Konzept der zentralen Unterbringung.

Der gute Besuch im Saal des Hotels Angerer zeigte das rege Interesse der Bürger. Ansprechpartner auf dem Podium waren Bürgermeister Hans-Martin Schertl, von der Schule Rektor Franz Dirmeier und Lehrerin Andrea Kemptner, von der Regierung Alexandra Adam, Mitarbeiterin im Sachgebiet Flüchtlingsbetreuung, sowie von den ehrenamtlichen Helfern vor Ort Erich Gebhard. Moderator Heinrich Deinzer stellte ihnen Fragen.

Bürgermeister Schertl erinnerte daran, dass der Stadtrat eine Resolution gegen die zentrale Unterbringung von Flüchtlingen in der Stadt an die Regierung geschickt habe und man eine dezentrale Unterbringung bevorzuge. Durch die derzeit 20 dezentral untergebrachten Asylbewerber entstünden keine Probleme.

"Verteilung ungerecht"

Eine Unterbringung im Turmhotel in Vilseck lehne man wegen der Nähe zu den Vilsauen ab und man mahne vehement eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge auf die Gemeinden des Landkreises an. Gegenwärtig seien 99 Flüchtlinge in Unterkünften in Vilseck und Schlicht - gegenüber anderen Kommunen überproportional viel. Davon könnten rund 90 Prozent wegen des fehlenden Bleiberechts nur für begrenzte Zeit hier wohnen. Schertl bezifferte die Kosten für einen Flüchtling pro Jahr auf 50 000. Die entsprechenden Gelder würden vom Landkreis an die Stadt Vilseck überwiesen und die Stadt zahle das Geld dann an die Flüchtlinge aus.

Alexandra Adam von der Regierung verteidigte die zentrale Unterbringung als die bessere Lösung und sah in Vilseck derzeit geordnete Verhältnisse. 50 Personen in sieben Wohneinheiten in Vilseck seien vorwiegend Albaner, die wieder in ihr Heimatland zurück müssten und teilweise freiwillig gingen. Die 14 Flüchtlinge in Schlicht kämen vorwiegend aus Syrien, dazu einige Äthiopier. Sie seien Muslime und verhielten sich durchwegs kooperativ. Die Geldleistungen, die bisher durch die Banken ausgezahlt werden, sollen mehr und mehr durch Sachleistungen ersetzt werden; Deutschkurse in Amberg gebe es nur für Bleibeberechtigte.

Rektor Franz Dirmeier von der Grund- und Mittelschule erläuterte, dass zehn Flüchtlingskinder im Alter von 6 bis 14 Jahren die Schule besuchten. Die erheblichen Altersunterschiede in der Integrationsklasse, fast völlig fehlende Sprachkenntnisse und wiederholte unklare Fehlzeiten bereiteten der Lehrerin, Frau Kemptner, und der Schulleitung doch erhebliche Probleme. Auch hier führe der ungeklärte Aufenthaltsstatus und plötzliches "Verschwinden" der Kinder zu wenig Effektivität der Beschulung und teilweise zu Verlust von Lernmaterial.

Ehrenamtliche helfen

Erich Gebhardt berichtete, dass sich auch in Vilseck etliche ehrenamtliche Kräfte der Flüchtlinge annähmen und sie etwa durch private Sprachkurse und Fahrten zum Unterricht unterstützten. Durch Kolping Vilseck sei er gerade dabei, in Schlicht eine Kleiderkammer für Flüchtlinge einzurichten. Er erfahre Unterstützung durch Kleiderspenden. Zahlreiche Fragen der Besucher, die die Referenten beantworteten, rundeten die gelungene Infoveranstaltung ab.
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