St. Ägidius' Wiederauferstehung

Großreinemachen in der frisch renovierten Vilsecker Pfarrkirche St. Ägidius. In den vergangenen Tagen prägten Staffeleien, Besen, Putzeimer und Schrubber das Innere des Gotteshauses. Bild: Steinbacher
Lokales
Vilseck
04.04.2015
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Diese Osternacht wird eine ganz besondere für Vilseck: Zwei Jahre nach dem verheerenden Brand in der Pfarrkirche läuten zum ersten Mal wieder die Glocken zur Messe. Die Stadt feiert die Wiederauferstehung eines Gotteshauses.

Sie haben gekehrt und geschrubbt, gebohnert und poliert: die 15 Frauen, die dem Aufruf der Pfarrgemeinde zum Großreinemachen gefolgt waren. Mit Lappen und Eimern ausgestattet, standen sie dann Schlange vor dem Hochaltar, um sich von Maria Ernst, der Frau des Architekten, für die Putzarbeiten einteilen zu lassen.

Wenn in der Osternacht um 5 Uhr morgens die Ministranten mit einem Glockenschlag den Beginn der Auferstehungsfeier ankündigen, dann erwacht die Pfarrkirche St. Ägidius zu neuem Leben. Zwei Jahre und drei Monate dauerten die Renovierungsarbeiten nach dem Brand am 9. Januar 2013. Es war ein kalter Mittwochnachmittag, als ein Nachbar damals Rauch durch die Ritzen der Eingangstür hervorquellen sah: Die hölzerne Kanzel war - aus bis heute noch ungeklärter Ursache - in Flammen gestanden, der gesamte Innenraum verrußt. Die Gottesdienstfeiern mussten ins gegenüberliegende Pfarrheim verlegt werden. Bis auf weiteres, bis morgen.

"Ist doch Ehrensache"

Zum Osterfest erstrahlt St. Ägidius in neuem Glanz. Die Gläubigen, die in der Nacht den Kirchenraum betreten, dürfen sich auf ein Erlebnis für alle Sinne freuen. Es riecht nach frischer Farbe. Noch vor wenigen Tagen schwang Kirchenmaler Stefano Cafaggi den Pinsel. Der in Florenz geborene Restaurator hat im Sommer vergangenen Jahres die gesamten Deckengemälde erneuert. Jetzt, kurz vor dem ersten Gottesdienst, zieht er an den Seitenwänden mit Farbe die Verzierungen unter den Kreuzwegstationen nach. "Ist doch Ehrensache, dabeizusein", sagt Rosi Hasenstab, als sie neben Cafaggis Doppelleiter mit einem Stofftuch über einen hölzernen Knieschemel wischt. Hasenstab ist eine der Damen, die sich für den Großputz gemeldet hatten. "Das ist unsere Kirche, und wir wollen, dass zum ersten Gottesdienst alles schön sauber ist." Auch die Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Elisabeth Hammer, ist zum Großputz angetreten. "Ich fühle mich mit dieser Kirche einfach verbunden", erklärt sie. "Sie begleitet uns Einheimische ein Leben lang - von der Taufe bis zum letzten Tag." Ganz Vilseck, so scheint es, ist da. Nur einer fehlt: Bruder Konrad. Die Figur des Heiligen stand ganz in der Nähe der brennenden Kanzel. Sie wurde so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass sich die Restaurierung hinzieht. "Es gibt Überlegungen, die verkohlten Stellen zu belassen, um an das Feuer zu erinnern", erklärt Architekt Johann Ernst. Auch die neue Kanzel ist noch nicht ganz fertig. Sie originalgetreu nachzubauen, stellte den Architekten und die Handwerker vor eine große Herausforderung. "Wir hatten nur ein paar Bilder als Vorlage. An ihnen mussten wir uns orientieren", sagt Ernst. Die Tragbalken sind bereits montiert. In Kürze soll der Nachbau angeliefert werden.

Auch die Orgel zerlegt

Der Architekt beziffert die Gesamtkosten der Renovierung auf rund 1,3 Millionen Euro. Einen großen Brocken davon hat die Instandsetzung der Orgel verschlungen. Das von Rußpartikeln bis ins kleinste Einzelteil durchdrungene Instrument musste in den vergangenen Monaten zerlegt, gesäubert und wieder zusammengebaut werden. "Mittlerweile ist sie auch gestimmt und klingt wieder so, wie sie klingen soll."

Die Frauen mit den Putzeimern sind überzeugt davon, dass die Orgel am Sonntagmorgen so hell und klar ertönen wird wie noch nie.
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