US-Armee nutzt zwei neue Luftkorridore zwischen Grafenwöhr und Hohenfels - Gestern Aufklärung
Drohnen starten in zwei Wochen

Die rot-schwarz gestrichelte Linie zeigt die beiden Flugkorridore für Drohnen zwischen den Übungsplätzen Grafenwöhr im Norden und Hohenfels im Süden, wie sie nach Angaben des Landeskommandos Bayern verlaufen. Die blauen Kreise stehen für Flugplätze bzw. Segelflugplätze. Grafik: NT/AZ
Lokales
Vilseck
08.10.2013
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"Stellen Sie Ihre Fragen. Schauen Sie sich alles an, was Sie interessiert." General Walter E. Piatt, der Chef des Joint Multinational Training Command (JMTC) aus Grafenwöhr, gab sich so offen wie möglich, nachdem es zuletzt mitunter heftige Kritik gehagelt hatte. Zur Informationspolitik der US-Armee und deutscher Behörden über geplante Drohnenflüge im Landkreis Amberg-Sulzbach. Gestern zeigten Piatt und seine Offiziere die unbemannten Flugkörper in Vilseck und bemühten sich um Aufklärung im doppelten Wortsinn.

Eingeladen waren Bürgermeister aus betroffenen und angrenzenden Gemeinden, aber auch Vertreter von Bundeswehr, Polizei, Feuerwehr und anderen öffentlichen Einrichtungen, die über die Flüge Bescheid wissen wollten und sollten. Dass die Army, aber auch involvierte deutsche Stellen darüber in den vergangenen Wochen recht schweigsam waren, sollte am Dienstag mit einer großen Informationsveranstaltung für den geladenen Kreis im Südlager ausgeglichen werden. Tatsächlich konnten die Gäste nicht nur Piatt und seinen Führungskreis, sondern auch die Soldaten, die die Drohnen namens Hunter bedienen und ihren Betrieb theoretisch erläuterten, alles fragen.

Die Besucher interessierte zuvorderst, wann die Flüge in zwei dafür freigegebenen Korridoren zwischen den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels beginnen sollen. Antwort: in etwa zwei Wochen - Dauer bis Ende Januar. Das ist dann genau der sechsmonatige Zeitraum, der für eine Testphase festgelegt wurde, die eigentlich schon Ende Juli begonnen hatte.
Wie die AZ berichtete, haben die Amerikaner bisher auf die Benutzung der beiden Verbindungskorridore verzichtet, weil in der Öffentlichkeit und vonseiten einiger Politiker Kritik an mangelnden Informationen dazu aufgekommen war (siehe auch Kasten). Nach dem halben Jahr wollen sich die US-Armee und Luftfahrtexperten unter anderem vom Amt für Flugsicherung der Bundeswehr und der Deutschen Flugsicherung die Ergebnisse des Testbetriebs anschauen, um über eine von vielen für wahrscheinlich gehaltene Fortdauer der Korridornutzung zu entscheiden.

Army will beruhigen

Doch gestern versuchte die Army erst mal zu beruhigen. Nach ihrer Auskunft ist pro Tag nur ein Hin- und Rückflug der beiden dem JMTC zur Verfügung stehenden Drohnen zwischen den Übungsplätzen geplant. Das heißt genauer gesagt, dass die ferngesteuerten unbemannten Flugkörper ausschließlich bei Vilseck starten und landen sollen. Dort müssen sie laut Army über dem Übungsplatz erst die Mindesthöhe von 3300 Metern erreichen, bevor sie über die Grenzen hinaus in den festgelegten Korridor einfliegen dürfen (Grafik).
Hier werden sie dann mit möglichen Höhen bis zu rund 5500 Metern über ihr Bodenpersonal bis nach Hohenfels dirigiert, um dort über dem Übungsplatz aber umzukehren und auf dem zweiten Korridor nach Grafenwöhr zurückzufliegen. Rund 25 Minuten dauert die Reise in eine Richtung, informierte Sergeant Jonathan Paccheco an einem der zwei Hunter in einer Halle, in der auch andere Drohnen, unter anderem das System der Bundeswehr, ausgestellt waren. Sie aber dürfen die Korridore laut Army nicht befliegen; die Erlaubnis dafür hätten nur die beiden Hunter-Modelle.

Nicht laut und ohne Bilder

Mit ihrem Propellerantrieb sind sie laut Paccheco übrigens nicht besonders laut, dürften vor allem aus den großen beflogenen Höhen im Korridor am Boden kaum mehr zu hören sein. Ausgerüstet seien sie mit keinerlei Bewaffnung, lediglich einer hochauflösenden Kamera, die auf der Strecke zwischen Grafenwöhr und Hohenfels aber ausgeschaltet bleibe.

Aufklärungsbilder dürften nur auf den beiden Übungsplätzen gemacht werden, so auch die Auskunft von Oberstleutnant Brian Carlin, dem Offizier für die Öffentlichkeitsarbeit beim JMTC (zu Deutsch: gemeinsames multinationales Trainingskommando). (Reaktionen/Seite 4)
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