Vorschnelles Angebot

Philip und Sara Van Orden (links) sowie Aaron und Victoria Birkner (rechts) wollen in dem Mehrfamilienhaus in der Vilsecker Mozartstraße wohnen bleiben. Bürgermeister Hans-Martin Schertl (Mitte) unterstützt die Familien bei ihrem Anliegen. Bild: upl
Lokales
Vilseck
11.09.2015
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Der Flüchtlingszustrom treibt seltsame Blüten. In Vilseck gibt es Pläne für eine weitere Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Dabei ist den Mietern des ins Auge gefassten Wohnblocks noch nicht einmal ordentlich gekündigt.

Bürgermeister Hans-Martin Schertl traute seinen Augen nicht, als er die E-Mail aus Regensburg las. Die Regierung der Oberpfalz teilte ihm vor wenigen Tagen mit, dass in der Mozartstraße eine weitere Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge entstehen soll. "Da entsteht ein sozialer Brennpunkt", warnt der Rathauschef. "Ich verstehe nicht, warum die Verantwortlichen nicht auf eine dezentrale Unterbringung setzen. Das Angebot wäre vorhanden."

In der Mozartstraße stehen drei Gebäudeblöcke mit jeweils acht Wohnungen. Sie gehören einer Immobilienfirma aus Bad Windsheim. Einen, Hausnummer 5, hat das Unternehmen bereits komplett als Gemeinschaftsunterkunft vermietet. Aktuell sind 67 Asylbewerber dort untergebracht. Die baugleichen benachbarten Blöcke, Mozartstraße 3 und 1, sind derzeit noch privat bewohnt. Vor allem von US-Soldaten und deren Familien. Laut Regierung der Oberpfalz hat der Eigentümer nun aber das Gebäude mit der Nummer 3 als weitere Gemeinschaftsunterkunft angeboten - obwohl den bisherigen Mietern noch gar nicht ordnungsgemäß gekündigt ist.

"Wirtschaftliche Gründe"

"Wir sollen zum 30. November raus, und zwar aus wirtschaftlichen Gründen'", berichtet Sara Van Orden. Sie und ihr Mann Philip akzeptieren die Kündigung für ihre 103 Quadratmeter große Wohnung im Erdgeschoss nicht. "Es kann doch nicht sein, dass der Eigentümer uns hier rausschmeißt, weil er mit einer Gemeinschaftsunterkunft mehr Gewinn machen würde." Das Ehepaar hat einen Anwalt eingeschaltet. Der hat eine Erklärung für das Vorgehen des Eigentümers. Die privat vermieteten Wohnblöcke seien nur etwa zur Hälfte belegt. "Kein Wunder. An den Gebäuden ist jahrelang nichts mehr gemacht worden." Als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge ließen sich die Wohnblöcke im Handumdrehen vollständig und dauerhaft vermieten. "Wir sehen nicht ein, dass wir deshalb ausziehen sollen", sagt die Bewohnerin. Auch der Bürgermeister findet für das Vorgehen des Eigentümers deutliche Worte: "Das ist skrupellos und nicht hinnehmbar."

Wobei das Stadtoberhaupt der Schuh noch an einer anderen Stelle drückt. Vilseck habe sein Soll bei der Aufnahme von Asylbewerbern längst erfüllt. "Jetzt sind mal andere dran", sagt er. Die Regierung der Oberpfalz solle auf eine gerechte Verteilung der Lasten achten. "Insbesondere der Landkreis Regensburg hat da noch einiges an Nachholbedarf", meint Schertl.

Ortsübliches Niveau

Die Regierung gibt unterdessen Entwarnung. "Wir mieten nichts an, was nicht frei ist", erklärt Behördensprecher Wolfgang Schmitt auf Nachfrage. Bei den Mietzahlungen orientiere sich die Behörde am ortsüblichen Niveau. "Das ist auch immer eine Frage der Ausstattung und des Renovierungsbedarfs der Immobilie", erklärte Schmidt. Gegen dezentrale Unterbringung sei nichts einzuwenden. Um diese kleinteilige Verteilung der Asylsuchenden kümmere sich das Landratsamt.
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