Zweiwöchiges Bildhauer-Symposium in Vilseck
Da lang, immer der Kunst nach

Bisher sehr sauber gemauert, Albert Braun wird seinem arrangierten M und L noch kräftig mit dem Hammer zu Leibe rücken. Was dann noch übrig bleibt, weiß er im Moment selbst noch nicht. Bilder: gf (2)
Lokales
Vilseck
10.07.2015
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(zm) Pilsen und das belgische Mons sind in diesem Jahr die beiden Kulturhauptstädte Europas. Seit Wochenbeginn Vilseck auch ein bisschen. Das hat die Stadt dem im Mittelalter an ihr vorbeiführenden Handelsweg Goldene Straße zu verdanken und dem bayerisch-böhmischen Kulturzentrum Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee, Landkreis Schwandorf. Seit Montag arbeiten in der renaturierten Vilsaue sechs bildende Künstler eines internationalen Bildhauer-Symposiums.

Das tun sie öffentlich und sind jederzeit bereit, sich bei ihrem Schaffen auch zuschauen zu lassen. Die in den zwei Wochen während des Aufenthaltes der Bildhauer entstehenden Arbeiten werden danach in der Stadt bleiben und "einen Kunstpfad" entlang der sich wieder durch das Stadtgebiet mäandernden Vils bilden, erzählt die Tourismus- und Kulturfachkraft des Rathauses, Adolfine Nitschke. So wachse gerade etwas "wie eine kleine Gartenschau".

Der Heimische

Sie erstreckt sich rund zwei Kilometer entlang des renaturierten Flusslaufes der Vils. Wer am westlichen Ende seinen Spaziergang (Bahnhofstraße, Feuerwehrhaus) beginnen möchte, trifft in diesen Tagen vielleicht einen alten Bekannten. Dort arbeitet der gebürtige Vilsecker Albert Braun an einem Werk mit viel Bezügen zu seiner kleinen Heimatstadt. Er mauert mit Tonziegeln aus regionaler Produktion zwei ineinander verschlungene, flachgelegte Buchstaben: ein M und ein L. Sie stehen für die von viel Gefühlsdramatik gekennzeichnete Liaison zwischen der Mätresse Ludwig I., Lola Montez, und Elias Peißner. Das Paar hat nicht nur eine kleine Episode Vilsecker Stadt-, sondern auch recht große Geschichte in München und im US-amerikanischen Bürgerkrieg geschrieben.

Der Optimist

Sauber gemauert lag bereits das M am Mittwoch da, doch Braun wird der gesamten Skulptur noch kräftig mit dem Maurerhammer zusetzen, um noch eine ganz andere, ästhetische Geschichte über Lola und Elias zu erzählen. Wer ein paar Stationen überspringt, wird irgendwann bei Tim de Christopher landen. Der US-Amerikaner meißelt und flext an seinem "Jurassic Fish" herum und staunt. Dass der Jura-Kalkstein, mit dem er zum ersten Mal arbeitet, so hart ist, hätte er nie gedacht. Aber da beißt er sich durch, ist der Bildhauer bester Dinge, obwohl der Koffer mit seinem Bildhauerwerkzeug auf dem Münchner Flughafen bisher nicht angekommen ist. Mit vereinten Kräften hat er sich nun alles, was er braucht, zusammengeborgt.

Der Hartnäckige

Nicht weit hat er es zu einem jungen Kollegen aus Tschechien. Jakub Hanzl ist Holzbildhauer und muss gleichfalls kräftig hinlangen. Er arbeitet mit gut abgelagerten Eichenstämmen, aus denen er seit Tagen mit der Axt Kanthölzer schlägt, um sie als später als eine alte, versunkene Vilsplätte zu arrangieren. Bis dahin sind es aber noch ein paar arbeitsreiche Tage. Auch de Christophers "Jurassic Fish" liegt derzeit noch auf dem Trockenen. Das wird sich ändern. Wenn die Steinskulptur fertig ist, zieht sie in den Uferbereich der Vils um.
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