Bürgermeister kritisiert Wohnblock-Vermieter
"Reibach machen"

Politik
Vilseck
06.01.2016
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Wollte der Hauseigentümer die Bewohner aus den Mietverhältnissen drängen, um die Wohnblöcke gewinnbringend als Unterkünfte für Flüchtlinge zu nutzen? Nach der Stellungnahme der Immobilienfirma legt Bürgermeister Hans-Martin Schertl noch einmal nach.

Der Vilsecker Rathauschef sieht die Reaktion des Vermieters "im krassen Widerspruch zu den belegbaren Aussagen seiner Mieter". Die AZ hatte vergangene Woche Willi Kerschbaum von der Immobilienfirma GKG aus Bad Windsheim zitiert, wonach die Bewohner des Gebäudes in der Mozartstraße 3 selbst gekündigt hätten. "Fakt ist jedoch, dass vor der Kündigung einiger Bewohner zum Jahresende der Vermieter bereits im Sommer 2015 allen seinen Mietern im Gebäude Mozartstraße 3 gekündigt hatte", teilt Schertl in einem Schreiben an die AZ mit.

Renovierungsstau


Es habe den Anschein, dass das Vorgehen der GKG nicht von sozialen Gründen geprägt war, "sondern eher von handfesten finanziellen Interessen bestimmt ist." Laut Schertl zahlt die Regierung der Oberpfalz für die Anmietung von Gemeinschaftsunterkünften um 10 bis 20 Prozent mehr als die bisherigen Mieter.

"Das Niveau bei der Vermietung an Amerikaner liegt im Bereich Vilseck schon erheblich über den sonstigen Mietpreisen. Da diese Wohnblocks bisher ausnahmslos von amerikanischen Familien bewohnt waren, dürfte der Vermieter künftig sehr wahrscheinlich einen finanziellen Reibach machen." Der Bürgermeister kennt Aussagen von Bewohnern der drei rund 30 Jahre alten, benachbarten Gebäude, die auf einen Renovierungsstau hinweisen. Deshalb seien in den beiden Wohnblocks Mozartstraße 5 und 3 von den vorhandenen acht teilweise nur noch fünf oder sechs Einheiten belegt gewesen.

Unter Berücksichtigung dieser Fakten werde deutlich, warum die Immobilien-GKG den Mietern "aus wirtschaftlichen Gründen" kündigte, um hier Flüchtlinge unterbringen zu können. "Hier scheint für den Vermieter das Prinzip der Gewinnmaximierung im Vordergrund zu stehen, vor allem auch, wenn man bedenkt, dass der Mietvertrag mit der Regierung der Oberpfalz für beide Gebäude für eine Dauer von sechs Jahren abgeschlossen ist."
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