Dragonn Ride nach Vilseck
Bier als Willkommensgruß

Ein Prost auf die gute Heimkehr des Stryker-Konvois nach 1800 Kilometern von Riga in Lettland durch die östlichen Nato-Staaten bis nach Vilseck: Oberstleutnant Timothy Payment, Stadtrat Wilhelm Ertl, Franz Zeilmann, Pressesprecher der US Army, stellvertretender Bürgermeister Thorsten Grädler und Vilsecks Rathaus-Chef Hans-Martin Schertl (von links) stoßen darauf an. Bild: Huber
Politik
Vilseck
02.04.2015
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Ein tiefes, dumpfes Brummen, dann rollt der erste Radpanzer um die Kurve. Nach wenigen Metern hält er, alle nachfolgenden tun es ihm gleich. Der Konvoi hat Schlicht erreicht, bis zur Basis der Stryker-Brigade sind es nur noch ein paar Kilometer. Und Vilsecks Bürgermeister Hans-Martin Schertl hat eine ganz besondere Wegzehrung für die Heimkehrer parat.

Die rund 1800 Kilometer lange Fahrt der Stryker-Brigade vom lettischen Riga bis ins heimische Vilseck ist gestern zu Ende gegangen. Zehn Tage lang waren die rund 500 Soldaten mit ihren etwa 120 Militärfahrzeugen unterwegs. Dieser Mittwoch, der das Ende des "Dragoon Ride" markiert, ist ein ganz gewöhnlicher Vormittag in Vilseck. Vor dem Rathaus sind zwar Fahnen gehisst, doch die Menschen eilen angesichts des Schmuddelwetters geschäftig weiter. Sie grüßen sich, doch Lust auf einen längeren Plausch hat an diesem Morgen kaum jemand.

Vor dem Rathaus stehen drei junge Männer, in schwarz gekleidet. Als wieder einmal ein Graupelschauer niedergeht, ziehen sie die Kapuzen ihrer Sweatshirts über die Köpfe und die Schals hoch bis über das Kinn. Als alles nichts hilft, suchen sie kurz Schutz im Rathaus. Im Laufe des Vormittags gesellen sich noch mehr Gleichgesinnte zu dem Trio. Rund 20 Demonstranten sind es, die vor dem Rathaus stehen und damit zum Ausdruck bringen, dass sie den martialischen Straßenmarsch ablehnen. Im Gasthof Roter Hahn sitzen derweil Bürgermeister Hans-Martin Schertl, der an diesem Tag seinen Urlaub unterbrochen hat, und sein Stellvertreter Thorsten Grädler, der derzeit die Amtsgeschäfte führt, bei einem Kaffee zusammen. Später gesellt sich noch Stadtrat Wilhelm Ertl dazu.

Angesichts der angemeldeten Demo vor dem Rathaus wird der Militärkonvoi nicht auf den Vilsecker Marktplatz einfahren, sondern lediglich den Ortsteil Schlicht passieren, der sowieso auf der Route liegt. Um 10.45 Uhr gehen die Männer nach draußen. Schertl läuft zu seinem Auto und holt einen Kasten Bier. Stilecht soll mit den Strykern auf deren Rückkehr angestoßen werden. Die in Schlicht aufgezogenen Fahnen flattern im Wind, ein Anwohner wagt sich vor die Tür, geht aber gleich wieder einen Schritt zurück in den schützenden Tür-Vorbau, weil die Sonne verschwindet und ein Graupelschauer einsetzt.

Ein dumpfes, lautes Brummen kündigt den Konvoi an. Die Radpanzer schieben sich um die Kurve, auf Höhe der Vertreter der Stadt stoppt der erste. In einem der Fahrzeuge sitzt Oberstleutnant Timothy Payment, Kommandeur der 3. Schwadron des 2. Kavallerieregiments. Er läuft vor zu Schertl, Grädler und Ertl. Der Rathaus-Chef reicht ihm ein Bier und sagt "Willkommen zu Hause" auf Englisch. Payment betont, dass er froh sei, wieder hier zu sein. Kurz darauf setzt sich die Kolonne wieder in Bewegung, vom Turm eines jeden Panzers winken die Soldaten. "Die haben wir ausgetrickst", feixt ein Mann, weil Demonstranten noch vor dem Rathaus warten, der Konvoi aber nicht über den Marktplatz fährt, sondern nach Sorghof und damit auf direktem Weg ins Südlager.
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