Eltern eines getöteten US-Soldaten aus Vilseck lesen Republikaner Leviten
Lehrstunde für Donald Trump

Khizr Khan und seine Frau Ghazala Khan, die Eltern von Humayun S. M. Khan, stehen beim Parteitag der Demokraten auf dem Podium. Ihr Sohn war Hauptmann in der US-Armee und in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) stationiert. Hauptmann Kahn fiel während des Einsatzes im Irak. Bild: dpa
Politik
Vilseck
31.07.2016
1220
0
 
Sein zerknittertes Exemplar der amerikanischen Verfassung bot Khizr Khan Donald Trump zur Lektüre an. Bild: dpa

Eine Bombe zerriss vor zwölf Jahren die Zukunftsträume von Hauptmann Humayun Khan aus Vilseck und dessen Freundin aus Amberg. Der junge US-Soldat fiel im Irak. Nun las dessen Vater Khizr Khan dem Republikaner Donald Trump die Leviten.

Philadelphia/Vilseck. Es war einer der bewegensten Momente des Parteitages der amerikanischen Demokraten in Philadelphia. Während der Rede von Khizr Khan wischen sich viele Delegierte Tränen weg. "Waren Sie jemals auf dem Nationalfriedhof von Arlington? Gehen Sie dorthin und schauen Sie auf die Gräber der Patrioten, die die USA verteidigt haben", rief Khan, an dessen Seite auf dem Podium seine Frau Ghazala steht, dem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump, zu. "Sie werden dort alle Glaubensrichtungen finden, alle Geschlechter und Ethnien. Sie dagegen haben nichts und niemanden geopfert."

Trump hat in den vergangenen Tagen wiederholt mit kritischen und rassistischen Äußerungen über Muslime Unverständnis ausgelöst. Angesichts der Terrorangriffe islamischer Extremisten forderte der Multimilliardär sogar einen Einreisestopp für Muslime. Khan und seine Frau sind Muslime, und sie sind aus Pakistan eingewandert in die USA. Ihr Sohn, Hauptmann Humayun S. M. Khan, ebenfalls Muslim, war es auch. Er starb am 8. Juni 2004 in Bakuba, nordöstlich der irakischen Hauptstadt Bagdad. Ein Selbstmordattentäter riss den damals 27 Jahre alten Offizier mit in den Tod. Damals starb nicht nur Hauptmann Humayun, sondern es starben auch die Zukunftsträume seiner Verlobten aus Amberg sowie die seiner Eltern und seiner zwei Brüder.

Seine Verlobte war damals 24 Jahre alt. Geblieben sind der Ambergerin wie den Eltern von Hauptmann Humayun Saqib Muazzam Khan nur dessen Dienstmarke, die Erinnerungen an ihn und der schlichte Grabstein auf dem amerikanischen Heldenfriedhof Arlington in Washington - Abschnitt 60, Platz 7986. Dort wurde er am 17. Juni 2004 beerdigt. Seine Verlobte war dabei. "Humayuns Eltern haben mich wie eine Tochter aufgenommen", sagte sie damals unserer Zeitung. Posthum waren Hauptmann Khan die Verwundetenmedaille "Purple Heart" und die Tapferkeitsmedaille "Bronze Star" verliehen worden. Die Mutter, Ghazala Khan, erhielt damals, wie beim militärischen Beisetzungen üblich, das Sternebanner, das über dem Sarg ihres Sohnes gelegen hatte.

Denkmal in Vilseck


Hauptmann Khan, der in Edelsfeld (Kreis Amberg-Sulzbach) lebte, hatte in seiner vorletzten E-Mail seine Verlobte gebeten, sich Ringe auszusuchen. Verlobung, Hochzeit, eventuell Umzug in die USA. Khan wollte nach seiner Militärzeit Wirtschaft und Jura studieren und als Anwalt arbeiten, wie sein Vater. "Mach dir keine Sorgen, hier ist es sicher", schrieb er am 7. Juni 2004 in einer E-Mail. Am nächsten Morgen starb er, als elfter Gefallener der 3. Brigade der 1. US-Infanteriedivision "Big Red One".

Bis heute steht der Name des Hauptmanns als einer von Dutzenden auf der Gedenktafel im Vorraum zur Memorial-Turnhalle in den Rose Barracks in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach). Er ist einer der 36 Soldaten - 35 Männer und eine Frau - der 3. Brigade, die während des Irak-Einsatzes (2004-2005) getötet wurden.

"Lassen sie mich fragen: Haben sie jemals die amerikanische Verfassung gelesen? Ich werde ihnen gerne meine Ausgabe leihen", sagt der Vater Khizr Khan am Donnerstag (Ortszeit) in Richtung Trump und zieht eine Taschenausgabe aus seiner Anzugsjacke und hält das Exemplar in die Kameras. Khizr Khan sagt, er bewundere beide, Ronald Reagan und Barack Obama, obwohl sein wirklicher Held sei Thomas Jefferson.

Trump keilte am Wochenende im TV-Sender ABC zurück: Er fragte, ob Khans Rede wohl von Redenschreibern seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton stamme. Dabei übersah er, das Khizr Khan und seine Frau Ghazala bereits nach dem Tod ihres Sohnes ausführliche Interviews gegeben hatten. Und, der Immobilienhai attackierte Ghazala Khan, die während der Rede schweigend neben ihrem Mann stand. "Sie hatte nichts zu sagen ..., vielleicht war es ihr nicht erlaubt, etwas zu sagen."

Dienstzeit längst zu Ende


"Als ich da stand, fühlte ganz Amerika meinen Schmerz, ohne ein einziges Wort. Ich weiß nicht, warum er das nicht verstanden hat", sagte Ghazala Khan zu ABC am Wochenende. Die vierjährige Dienstzeit ihres Sohnes wäre am 8. Juni 2004 längst zu Ende gewesen. Doch er durfte die Armee nicht verlassen, weil sein Land, die Vereinigten Staaten von Amerika, im Irak Krieg führte.

Video der Rede von Khizr Khan (in Englisch)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.