Kommentar zum Dragoon Ride
Militärische Kategorien reichen im Verhältnis zu Russland nicht

Politik
Vilseck
02.06.2016
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Wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten sind in der Oberpfalz wieder die Erschütterungen der internationalen Politik zu spüren. Bis 1989, in der Zeit der Konfrontation zwischen Ost und West, waren es die alljährlichen großen Übungen, zu denen regelmäßig Soldaten aus den USA eingeflogen wurden.

Nach dem Ende des Kalten Krieges schien es stiller geworden zu sein. Die Übungen für Einsätze auf dem Balkan sowie nach den Terroranschlägen von 2001 auch in Afghanistan und im Irak fanden auf den Truppenübungsplätzen Hohenfels und Grafenwöhr statt. Allerdings erlebten Oberpfälzer mit amerikanischen aber auch mit deutschen Soldaten als Nachbarn mit, wie nah die blutigen Konflikte sein können.

Seit etwas mehr als zwei Jahren steht die Bündnisverteidigung wieder im Vordergrund. US-Soldaten aus der Region, aber auch Bundeswehrsoldaten üben im Baltikum und in Polen: eine Rückversicherung für die östlichen Mitglieder, aber auch eine Warnung an den Kreml.

Nun schiebt die Nato die Abschreckung an die erste Stelle. Eine Formel aus dem Kalten Krieg. In dieser Woche forderte auch die parlamentarische Versammlung der Allianz die Mitgliedsstaaten auf, der Bedrohung durch Russland entschieden entgegenzutreten. Das ist richtig angesichts der russischen Rechtsbrüche. Dabei nur in militärischen Kategorien zu denken, ist aber falsch. Denn am Ende dieser Logik steht das nukleare Drohpotenzial.

Das Iran-Abkommen hat gezeigt, dass Russland ein Partner sein kann und will. Dabei konnte die russische Führung dem Westen, allen voran den USA, auf Augenhöhe begegnen. Das muss ausgeweitet werden. Der Schlüssel dazu liegt derzeit in Washington. Der Beitrag des Kreml wäre Vertragstreue, so wie im Kalten Krieg auch.

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