Stadtrat: Unterbringung von weiteren Asylbewerbern in Viseck
Insgesamt 80 Asylbewerber nach Vilseck

Vertreter des Vilsecker Stadtrates nahmen die neben einem Sportplatz gelegenen Häuser in der Mozartstraße vor längerer Zeit schon einmal in Augenschein. Die Regierung nutzt sie ab 1. Juni als Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber - vorzugsweise aus dem Westbalkan. Bild: Kosarew
Politik
Vilseck
17.04.2015
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Der Vilsecker Stadtrat empfindet die Unterbringung von 60 Asylbewerbern mitten in einem Wohngebiet für 700 Amerikaner als unglücklich bis gefährlich. Doch die Regierung der Oberpfalz hat nicht locker gelassen. Jetzt ist der Mietvertrag unterschrieben.

Die Regierung wird die Wohnungen in den Mehrfamilienhäusern Mozartstraße 1, 3 und 5 sowie in einem Zweifamilienhaus in Schlicht am 28. April übernehmen, erklärte ihr Sprecher Joseph Karl auf AZ-Nachfrage. Dann müsse man sie erst einmal einrichten, unter anderem mit mehr Betten. Für den 1. Juni sei dann die Belegung mit Asylbewerbern vorgesehen. 60 könne man im Idealfall in der Mozartstraße unterbringen, 20 in Schlicht. "Wir werden das miteinander betreiben und einen Hausmeister für die beiden Standorte einstellen", sagte Karl.

Sonst nur dezentral

Im Landkreis sind schon über 400 Asylbewerber und Flüchtlinge untergebracht. Im Unterschied zum Vilsecker Fall aber nicht in so großen Gemeinschaftsunterkünften, sondern dezentral, also in kleineren Einheiten auf einzelne Wohnungen verteilt. Lediglich in Tanzfleck betreibt die Regierung eine weitere Sammelunterkunft. Sechs Reihenhäuser, in den früher US-Soldaten wohnten, bieten hier rund 50 Asylbewerbern Platz.

Die Nachbarschaft zu US-Soldaten und ihren Familien in der Mozartstraße sieht der Vilsecker Bürgermeister Hans-Martin Schertl als problematisch an. Das könne unter Umständen ein erhebliches Potenzial an Spannungen in sich bergen, äußerte er schon mehrfach. Denn die meisten Soldaten seien in Afghanistan und im Irak in Kriegseinsätzen gewesen, und aus diesen Ländern kämen erfahrungsgemäß auch viele Asylsuchende.

Keine Gefahr für das Zusammenleben

Die Regierung will das nicht als großes Problem sehen. Flüchtlinge aus diesen Ländern seien ja im Normalfall Leute, die von der US-Armee geschützt würden, meint Joseph Karl. Insofern könne man da keine Gefahr für das Zusammenleben erkennen. Man werde sich aber bemühen, die Wohnungen mit Asylbewerbern aus den Westbalkan-Staaten zu belegen. Da gebe es sicher kein angespanntes Verhältnis zu den USA.

Ursprünglich hatte die Regierung als Sammelunterkunft in Vilseck das ehemalige Turmhotel im Visier. Das klappt allerdings nur, wenn der Stadtrat einer Nutzungsänderung zustimmt. Der war jedoch zuletzt mit 15:2-Mehrheit dagegen. Als geeignete Herberge für bis zu 55 Flüchtlinge stuft die Regierung laut Joseph Karl das Turmhotel weiterhin ein. "Derzeit ist es aber nicht in der ersten Reihe der Objekte, die wir für eine weitere Unterbringung ins Auge fassen." Wenn die Zahl der Asylbewerber enorm steige, werde man aber möglicherweise wieder darauf zurückkommen. "Aber das weiß im Moment kein Mensch."

Lob von der Regierung

Karl wirbt um Verständnis für die Haltung der Regierung, wenn er darauf verweist, dass bei einer dezentralen Unterbringung die Betreuung der Asylbewerber weitaus schwieriger sei. Da müsse man sich oft auf privates Engagement verlassen. Dass dies in der Oberpfalz in einem gewaltigen Ausmaß zustande kommt, hält Karl - in Übereinstimmung mit Regierungspräsident Axel Bartelt - für einen der großen Pluspunkte der Region. "Und da muss man der Bevölkerung auch mal ein unglaubliches Lob aussprechen. Wir sind da höchst dankbar."

Karl baut darauf, dass in Vilseck der Widerstand und anfängliche Skepsis rasch in Hilfsbereitschaft umschlagen. Denn das Beispiel anderer Kommunen zeige: "Wenn die Leute erst einmal da sind und ihr Schicksal erzählen, was sie erleiden mussten, dann stoßen sie in kürzester Zeit auf große Hilfsbereitschaft."
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