120-Jahr-Feier des Soldaten- und Kriegervereins (SKV) Sorghof
Pfarrer: Für Frieden auf die Straße gehen

Bürgermeister Hans-Martin Schertl (links) überreichte die Ehrengabe der Stadt Vilseck an den SKV-Vorsitzenden Werner Stubenvoll (rechts).
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Vilseck
01.08.2016
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"Tot ist nur, wer vergessen wird", sagte SKV-Vorsitzender Werner Stubenvoll mahnend am Sorghofer Ehrenmal. Stadtpfarrer Johannes Kiefmann erteilte den Segen. Bilder: er (2)

Pfarrer Johannes Kiefmann ging in seiner Predigt anlässlich der 120-Jahr-Feier des Soldaten- und Kriegervereins (SKV) Sorghof auf die Dinge ein, die die Menschen bewegen und mit Sorge erfüllen: die jüngsten Terroranschläge in der westlichen Welt, etwa in München. Farbe bekennen und für den Frieden eintreten, lautete sein Appell an die Gläubigen.

Sorghof. Mit einem Kirchenzug und dem Festgottesdienst nahm das runde Jubiläum des Soldaten- und Kriegervereins (SKV) Sorghof seinen Auftakt. Stadtpfarrer Kiefmann griff in seiner Ansprache den Wandel der Zeit und das aktuelle Weltgeschehen auf. Dabei spannte er den Bogen von der Gründung des Vorgängervereins des SKV Sorghof in Haag im Jahr 1896 bis zu den aktuellen Geschehnissen in der Welt.

Welt aus den Fugen


Damals herrschte Prinzregent Luitpold in Bayern, doch schon bald zogen die dunklen Schatten des Ersten Weltkriegs heran. "In dieser Zeit haben sich mutige Männer in Haag zusammengetan, um gemeinsam Großes zu schaffen. Nicht mit Krieg, um größer und mächtiger zu werden, sondern zum Schutz der Heimat und der Menschheit", sagte der Geistliche. "120 Jahre später gerät die Welt aus den Fugen. Der Terror ist vor unserer Haustür angelangt, ob in Brüssel, Paris, Orlando, Nizza oder in München." Dieser Terror sei eine neue Form von Krieg, grausamer und hinterhältiger als jemals zuvor. Kiefmann fragte: "Was muss noch passieren, damit wir aufwachen?"

Der Stadtpfarrer rief dazu auf, in einen Dialog mit den Religionen einzutreten und als Christen fester denn je zusammenstehen. Dabei dürften die Fundamentalisten auf keiner Seite die Oberhand bekommen. Die Vernünftigen in allen Religionen müssten klar ihre Stimme erheben. Der Geistliche ermahnte dazu, als Christen alles kritisch zu hinterfragen, gerade auch, wenn es dabei um die Kirche, die Welt und die Politik gehe. Kiefmanns Appell an die Gläubigen: "Das Volk vor dem Ende des Eisernen Vorhangs ist auch auf die Straße gegangen und hat mit Gebet und Kerzen einen Umsturz bewirkt. Warum machen wir das nicht?" Seine aufrüttelnde Predigt kam dem Ruf nach einer neuen Friedensbewegung gleich.

Der Kirchenchor Sorghof intonierte die Hattinger Kirchtagsmesse von Peter Kostner mit instrumentaler Begleitung durch Hans Wolf, Sofia Feuerer, Anna Dotzler, Natascha Donhauser, Hanni Schertl und die drei Rosemann-Schwestern Ronja, Julia, und Franziska. Eleonor Nemeth Patton (Mezzosopran) sang solo das Largo von Händel.

Der Verstorbenen gedacht


In würdevoller Weise wurde das Totengedenken am Sorghofer Ehrenmal begangen. SKV-Vorsitzender Werner Stubenvoll legte einen Kranz nieder zum stillen Gedenken an die Verstorbenen. Pfarrer Kiefmann erteilte den Segen, die Dagesteiner intonierten den "Guten Kameraden". Dazu senkten sich die Fahnen der 14 teilnehmenden Vereine, und der Kanonier feuerte den Ehrensalut. Beim anschließenden Frühschoppen erinnerte Stubenvoll an markante Höhepunkte in der Vereinsgeschichte. 1920 wurde das neue Ehrenmal neben der Pfarrkirche in Haag enthüllt, das später, im Jahr 1938, in Sorghof neu errichtet wurde. Ferner nannte Stubenvoll: 1956 Wiedergründung des Vereins in Sorghof und 1973 Gründung einer Patenschaft mit einer Bundeswehreinheit aus Landsberg/Lech, die nach drei Jahrzehnten ihr Ende fand. Dazu das seit 1988 alljährlich stattfindende Kinderfest und die 100-Jahr-Feier 1996.

Bürgermeister Hans-Martin Schertl überbrachte die Geburtstagswünsche der Stadt Vilseck, verbunden mit einem Scheck und einem Gemälde mit Stadtmotiv. Das Stadtoberhaupt wünschte dem Verein, dass er noch viele Jahre bestehen möge und die Traditionen aufrecht erhalte. Zugleich dankte er dem Vorsitzenden Stubenvoll für sein engagiertes Wirken an der Spitze des Vereines seit 1988.
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