Anlässlich des Jahrestags zum Ende des Zweiten Weltkriegs Friedensgebet in der Kirche in Sorghof
Schicksalhafte Tage

Verbanden nachdenklich machende Erinnerungen mit einem eindrucksvollen Friedensgebet (von links): Studiendirektor i. R. Lothar Kittelberger, Stadtpfarrer Johannes Kiefmann, Pfarrgemeinderats-Sprecher Norbert Riha, Hans Schertl und Franz Winklmann. Bild: ct
Vermischtes
Vilseck
14.05.2016
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Die bedingungslose Kapitulation vom 8. Mai 1945 bedeutete das Ende des Zweiten Weltkriegs. Dies nahm Stadtpfarrer Johannes Kiefmann zum Anlass, zu einem Friedensgebet in die Kirche in Sorghof einzuladen.

Sorghof. Pfarrgemeinderats-Sprecher Norbert Riha sprach einleitende Worte und zeigte sich als Sohn eines Sudetendeutschen auch persönlich betroffen und interessiert. Organist Franz Winklmann verstand es auf der Orgel meisterhaft, mit Instrumentalstücken und Liedern wie "Lili Marleen", "In einem kühlen Grunde", "Heimat, deine Sterne" oder "Von guten Mächten wunderbar geborgen" Erinnerungen an die Zeit vor 70 Jahren zu wecken. Studiendirektor i. R. Lothar Kittelberger erzählte Interessantes über die Entstehung dieser Musik und das Schicksal der Komponisten oder Interpreten in der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Zeitzeugen befragt


Pfarrer Kiefmann zeichnete die Ereignisse von April und Mai 1945 und die Umstände des Kriegsendes nach. "8. Mai, Tag der Kapitulation oder der Befreiung?" - unter diesem Aspekt hatte er im Vorfeld auch Zeitzeugen aus der Pfarreiengemeinschaft Vilseck-Schlicht-Sorghof befragt und Lebensschicksale zusammengetragen, die er facettenartig beleuchtete.

Verblendete Sturheit


Von durch den Ort Reisach getriebenen russischen Gefangenen, von der mitfühlenden und heimlichen Hilfe der Bevölkerung berichtete er ebenso wie von der verblendeten Sturheit von lokalen Parteiführern und SS-Leuten, Orte wie Schlicht und Vilseck gegen die anrückenden Amerikaner zu verteidigen und damit weitere Opfer und sinnlose Zerstörung zu riskieren. Aber auch vom Mut einzelner Leute war die Rede, sich dagegen aufzulehnen und die Orte friedlich zu übergeben.

"Gerade in diesem Spannungsfeld wurden das Kriegsende, die Vertreibung der SS-Leute und das Einrücken der Amerikaner eher als Befreiung erlebt", sagte der Geistliche. Zumal die Zeitzeugen, die 1945 fast durchwegs noch Kinder waren, die amerikanischen Soldaten überwiegend gerade ihnen gegenüber als freundlich und freigiebig erlebt hätten. Aber auch von Bombenangriffen, Tieffliegern und dem fast täglichen Aufsuchen der Schutzbunker war ihm berichtet worden.

Hans Schertl (Vilseck) unterstrich die Dramatik der damaligen Tage am Beispiel der Befreiung Vilsecks, die gegen den Widerstand von SS-Leuten unter dem mutigen Einsatz von Mitgliedern des Volkssturms und nicht zuletzt durch die Initiative eines gefangenen englischen Offiziers gelang. Der hatte den Bürgermeistern das schriftliche Einverständnis zur Übergabe der Stadt abgerungen, das er den US-Truppen vorlegte, so dass Vilseck keinen weiteren Schaden nahm. Auch von der unmittelbaren Nachkriegszeit war die Rede, von der Not und dem täglichen Kampf ums Überleben, von der Beseitigung der Schäden und dem Wiederaufbau. Auch galt es, Flüchtlinge und Heimatvertriebene unterzubringen. "Das Grauen des Zweiten Weltkriegs mit über 60 Millionen Toten, zahllosen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Zerstörung und Verwüstung halb Europas und der Vertreibung weiterer Millionen Menschen aus ihrer Heimat darf nicht vergessen werden und muss Mahnung sein, sich nachhaltig für den Frieden einzusetzen", appellierte Kiefmann. Diese Anliegen wurden auch vor Gott getragen und in Fürbitten formuliert, ehe man nach Segen und Schlusslied sehr nachdenklich auseinanderging.
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