Bezirksversammlung des Bayerischen Soldatenbunds (BSB) im Pfarrheim St. Wolfgang
Kein gutes Haar an Politik

Vom Präsidenten des Bayerischen Soldatenbunds (BSB), Richard Drexl (links), erhielt BSB-Bezirksvorsitzender Horst Embacher (rechts) das Großkreuz am Bande. Bilder: er (2)
Vermischtes
Vilseck
10.05.2016
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Historische Uniformen wie die des Ersten Österreichischen Kriegerkorps' Waldsassen und mit Stolz getragene Fahnen und Standarten umrahmten die Bezirksversammlung des Bayerischen Soldatenbunds (BSB) im Pfarrheim St. Wolfgang.

Sorghof. Über 100 Delegierte der Oberpfälzer Kreis- und Ortsverbände hatten sich in Sorghof eingefunden. Mit einer Totenehrung am Ehrenmal begann die Veranstaltung. Die Blasformation Dagesteiner unter Leitung von Josef Göttlinger intonierte Bayern- und Deutschlandhymne sowie den "Guten Kameraden". Bezirksvorsitzender Horst Embacher legte zum Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege einen Kranz nieder.

Der Vorsitzende des SKV Sorghof, Werner Stubenvoll, stellte seinen Verein vor, der im Juli 120-jähriges Gründungsfest feiert. Bürgermeister Hans-Martin Schertl hob die Verbundenheit der Stadt zu den in Vilseck stationierten US-Streitkräften hervor.

Eingangs seiner mit viel Beifall der Delegierten bedachten Rede stellte Hauptredner Oberst a. D. und BSB-Präsident Richard Drexl fest, dass sich der BSB als Friedensbewegung sehe. Eine wehrhafte Demokratie brauche eine intakte Bundeswehr. Der markante Spruch "Jedes Land hat eine Armee, eine eigene oder fremde" solle zum Nachdenken anregen. Die Abschaffung der Wehrpflicht sei ein großer Fehler gewesen, befand Drexl. An die Adresse des einzig erschienenen Abgeordneten, Reinhold Strobl, der die Rolle eines Blitzableiters für die folgende Schelte des Präsidenten einnehmen musste, richtete er die Forderung, diesen Fehler zu korrigieren: "Unser Ja zur Einführung eines Pflichtjahres haben Sie", konstatierte Drexl, der zugleich ein rasches politisches Handeln diesbezüglich einforderte.

Zuvor hatte sich Strobl in seinen Grußworten offen gezeigt für die Einführung eines sozialen Pflichtjahres. Ferner sprach sich der SPD-Landtagsabgeordnete für eine "funktionierende Bundeswehr" und "mehr Zurückhaltung bei deutschen Waffenlieferungen" aus: "Diese Exporte tragen mit zu den weltweiten Konflikten bei." Eines will Strobl nie erleben: "Dass mit deutschen Waffen auf deutsche Soldaten geschossen wird."

Mehr Zurückhaltung


"Uns ist Europa wichtig" betonte Drexl. Der Präsident kritisierte den Umgangston der Bundesregierung gegenüber osteuropäischen Mitgliedsstaaten, denen mit Sanktionen gedroht werde, weil diese nicht dazu bereit seien, eine bestimmte Anzahl von Flüchtlingen aufzunehmen. Es könne nicht sein, dass man souveränen Staaten die Einwanderung aufzwingen möchte, erklärte Drexl. "Das sprengt Europa" und gefährde das politische Erbe der Gründungsväter, befand der Redner.

Kein gutes Haar ließ Drexl an der deutschen Asylpolitik. Angefangen von unzureichender Grenzsicherung bis hin zu Missständen bei Registrierung und Datenaustausch sowie beim Asylverfahren selbst. Er sprach sich dafür aus, sich "ordentlich um jene zu kümmern, die bleiben dürfen" und mahnte einen fairen Umgang mit Flüchtlingen an.

Bundeswehr darbt


Das Wohlergehen der Bundeswehr und seiner Soldaten liege dem Verband besonders am Herzen, erklärte Drexl. Hier sehe der BSB das größte Handlungsfeld der Politik: "Die Bundeswehr darbt seit Jahrzehnten in einer Art und Weise, wie es eine Schande für unser Land ist." Gerade mal 1,1 Prozent vom Bruttosozialprodukt wende die Bundesregierung für den Wehretat auf, 2,0 Prozent aber seien gegenüber den Nato-Partnern zugesagt. Jetzt stelle man plötzlich eine "neue Bedrohungslage" fest und wolle um 7000 Soldaten aufstocken. Zugleich aber würden gesunde 50-jährige Berufssoldaten in den Ruhestand geschickt. Auf völliges Unverständnis des Präsidenten stieß das vom Verteidigungsministerium angedachte Cyber-Kommando.

AusgezeichnetAm Ende erhoben sich alle Anwesenden von den Plätzen für eine besondere Ehrung: BSB-Präsident Drexl heftete "in Anerkennung um die hervorragenden Verdienste um das deutsche Soldatentum" dem Bezirksvorsitzenden Horst Embacher das selten verliehene Großkreuz am Bande des BSB 1874 ans Revers.


293 338 Euro für Kriegsgräber gesammeltAls weitere Redner traten der neu gewählte Kreisvorsitzende Norbert Bücherl und der Geschäftsführer des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge, Kaspar Becher, ans Pult. Soldatenfriedhöfe seien stille Orte der Trauer und der Erinnerung an die schrecklichen Folgen von Krieg und Gewalt, so Becher. Der Volksbund sorge stellvertretend für die Bundesregierung für den Erhalt der Kriegsgräberstätten und erfülle damit seine Aufgabe als Mahner für die Versöhnung der Völker und den weltweiten Frieden. Der Geschäftsführer freute sich über die Sammlungen und Spendenbereitschaft. Der Bezirksverband Oberpfalz sei hier besonders engagiert. "Vergelt's Gott" sagte Becher mit Blick auf das Ergebnis von 293 338 Euro im gesamten Bezirk. (er)
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