Brunft und Jagd im Truppenübungsplatz
Hirsch-Konzert im Tageslicht

Jetzt stehen schon am Nachmittag die Brunftrudel auf den Wiesen, jeweils geführt und bewacht von einem starken Hirsch. Bilder: Gebhardt (3)
Vermischtes
Vilseck
05.10.2016
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Gute Strecke nach einem anstrengendem Jagdtag: Die Jagd auf den Brunfthirsch ist der Höhepunkt im Jahreslauf der Waidmänner.

Die Szenerie hat etwas Urtümliches. Ein mächtiger Hirsch röhrt in den klaren Abendhimmel, treibt seine Herde auf die Wiese, er verscheucht Nebenbuhler und tut sich schließlich erschöpft nieder: Im Truppenübungsplatz Grafenwöhr hat die Brunft ihren Höhepunkt erreicht. Das nutzen auch die Jäger.

Heringnohe. Feuerkörbe erhellen den Platz neben der Wildkammer, 16 Hirsche liegen auf der Strecke, fachmännisch begutachtet von Jägern aus der ganzen Bundesrepublik. Im Bundesforstbetrieb Grafenwöhr führt die Ansitzjagd auf den Brunfthirsch jedes Jahr Dutzende Gäste auf die Hochsitze.

Nachmittags geht's los


Begleitet von ortskundigen Förstern, schwärmen die Jäger am späten Nachmittag aus und beziehen die Hochsitze rund um die bekannten Brunftplätze. Schon bald melden sich rundum die ersten Hirsche mit weithin hallenden Rufen. Wenn es dämmriger wird, ziehen sie aus den Wäldern hinaus auf die Wiesen. Dort äsen die weiblichen Stücke und die Kälber - die Hirsche fressen nichts, sie haben jetzt anderes im Sinn: imponieren, das Rudel beisammenhalten, röhren, Nebenbuhler angreifen und verscheuchen.

Das kann bis zum Kampf mit den vielendigen Geweihen führen, ist jedoch nicht gut für den Kräftehaushalt der gestressten Paschas. Meist belassen sie es daher bei Drohgebärden. Wenn alle äußeren Umstände passen (Entfernung, Licht, Alter des Hirsches etc.) und der Hirsch den Vorgaben entsprechen, kann der Jagdgast ihn erlegen - in der Regel genügt ein Schuss, der Recke liegt im Gras.

Rund 1700 Stück Rotwild kommen im Grafenwöhrer Übungsplatz jedes Jahr zur Strecke, darunter meist rund 500 Hirsche. Sie bringen neben dem Wildbret-Erlös auch einiges an Abschussgebühren in die Staatskasse.

Klasse Management


Der Bestand ist sehr gut bewirtschaftet und wird vom Bundesforst perfekt gemanagt: Festgelegte Ruhezonen und jagdfreie Zeiten sorgen dafür, dass das Rotwild auf den Wiesen grast und die Bäume in Ruhe lässt. Das bundesweit anerkannte Konzept ist schon Gegenstand vieler Forschungen und Untersuchungen gewesen und wird ständig verbessert.

So freute sich Forstdirektor Ulrich Maushake, der Chef des Bundesforstbetriebes Grafenwöhr, als er nun beim Streckelegen auch den Leiter der Bundesforstverwaltung, Gunther Brinkmann aus Bonn, willkommen heißen durfte. Maushake erläuterte die Bejagungs- und Tierschutzrichtlinien, die strikt eingehalten würden, und wünschte den erfolgreichen Jägern ein kräftiges Waidmannsheil.

Die erlegten Hirsche entsprächen sämtlich den Vorgaben, freute sich der Forstdirektor, sie seien Zeichen eines biologisch ausgewogenen und vor allem gesunden Wildbestandes. Immerhin komme fast ein Drittel des bayerischen Rotwildabschusses aus der Oberpfalz. Maushake würdigte die perfekte Zusammenarbeit mit den US-Streitkräften zum Wohle der gesamten Natur auf dem Übungsplatz. "Immer mehr seltene Tier- und Pflanzenarten finden hier einen Rückzugsraum, der ihnen anderswo verwehrt ist." Eine gute Brotzeit, zünftiges Anstoßen und viel Fachsimpeleien erfüllten die Nacht an der Wildkammer, nachdem die Bläser "Hirsch tot" und "Halali" intoniert hatten. Im Bundesforst Grafenwöhr ist die Jagdwelt noch in Ordnung. Und es wird auch viel getan dafür, dass das so bleibt.
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