Feuerwehr Sigl veröffentlicht Video bei Youtube
"Stolz auf das, was wir tun"

Bild: juh
Vermischtes
Vilseck
30.05.2016
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Feuerwehren sind ein fester Bestandteil jeder Gemeinde. Doch wie agieren die Kameraden eigentlich in Einsätzen, wie trainieren sie für den Ernstfall? Um zu zeigen, welche Herausforderungen und Belastungen hinter dieser Aufgabe stecken, hat sich die Feuerwehr Sigl etwas Besonderes einfallen lassen.

Ein letzter, kontrollierender Griff an die beige-farbenen Helme mit den Reflektoren, dann ziehen die Kameraden ihre Handschuhe über. Die Einsatzuniform sitzt. Das Feuerwehrauto hält abrupt – die Mannschaft der Feuerwehr Sigl springt aus dem Fahrzeug. Jetzt heißt es: schnell sein. Minuten könnten über Leben und Tod der verunglückten Person am Unfallort entscheiden.

Ramona Osiander greift nach der leuchtend orangefarbenen Plane für die Geräteablage und breitet sie auf dem Boden aus. Sie sprintet zurück zum Einsatzwagen und holt eine Kiste mit Holzkeilen, die unter das Unfallfahrzeug geschoben werden, um es zu stabilisieren. Gleichzeitig nimmt Michael Lang die rot-silbernen Warn-Pylonen, um den Verkehr zu regeln. Vier Minuten. Länger darf es nicht dauern, bis die verunglückte Person gerettet ist.

„Uns dürfen keine Fehler passieren“, erklärt 1. Kommandant Stefan Schertl. Zu sehen sind diese Szenen bei einem bei Youtube veröffentlichten Video der Feuerwehr Sigl mit dem Titel „Die Gruppe im Hilfeleistungseinsatz“. Sie zeigen die Kameraden, wie sie am Gelände der Feuerwehr Vilseck um das Leistungsabzeichen THL kämpfen. „Die Situation ist wie bei einem richtigen Einsatz. Jeder muss wissen, was er zu tun hat, jeder Handgriff muss sitzen“, betont Schertl. Eine Prüfung, wie sie viele Wehren absolvieren. Doch warum veröffentlichte die Sigler Feuerwehr, die aus 60 aktiven, 70 passiven Mitgliedern und sechs Jugendfeuerwehrlern besteht, ein Video darüber?



Keine Nachwuchsprobleme


„Man liest viel über Leistungsabzeichen, aber kaum jemand weiß wirklich, was das ist. Wir wollten zeigen, wie viel Arbeit dahinter steckt und wie ernst wir unsere Aufgabe in Einsätzen nehmen“, erklärt Michael Lang, 2. Vorstand und Atemschutzbeauftragter. Außerdem solle es den Bürgern die Ausbildung näherbringen und Jugendliche dazu animieren, selbst aktiv zu werden. Nachwuchsprobleme gebe es aktuell nicht, „doch man kann nie genug Leute für die Zukunft haben“. Lang, der die Idee für das Projekt hatte, filmte das Video mit einer „Go-Pro“-Helmkamera und ließ die Szenen anschließend in Zeitraffer ablaufen.

Das Training für das Leistungsabzeichen war aufwendig. „Eine Wochen lang haben wir jeden Abend zwei bis drei Stunden Theorie und Praxis am Fahrzeug geübt“, schildert Schertl. Doch das wichtigste für den Erfolg sei die Zusammenarbeit des Teams. „Wir verstehen uns alle sehr gut. Und wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können.“

Noch vor fünf Jahren habe das anders ausgesehen. „Damals war es üblich, dass jede Wehr ihre Arbeit und die Einsätze für sich erledigt hat“, erinnert sich Lang. Seitdem habe sich „das Miteinander“ der sieben Gemeindewehren deutlich verbessert. „Wir haben angefangen, uns mit der Technischen Hilfeleistung, Absturzsicherung und dem Atemschutz zu befassen“, erklärt Jugendwart Florian Trummer. Vor allem dadurch sei die Kooperation entstanden. „Wir verfolgen alle das gleiche Ziel: Menschen in Not zu helfen.“

Mittlerweile habe man eine Gemeindejugendfeuerwehr mit den umliegenden Wehren in Vilseck gegründet. „Für größere Einsätze trainieren wir zusammen in der Gemeinde. Wir haben ein reines Löschfahrzeug, deshalb sind wir dankbar, dass uns unsere Kameraden ihre Ausrüstung zur Verfügung stellen.“ Der Zusammenhalt zeige sich auch in zahlreichen gemeinsamen Einsätzen. Das Verständnis innerhalb der Sigler Wehr sei aber auch aus einem anderen Grund wichtig. „Es passiert immer wieder, dass uns Zivilisten anpöbeln und beschimpfen – vor allem, wenn wir Feste oder Unfälle absichern oder den Verkehr regeln“, bedauert Schertl.
Kaum Verständnis

Er erinnert sich an eine Situation: „Wir haben einen Verkehrsunfall gesichert. Ein Autofahrer beschwerte sich, dass er durch die Umleitung zehn Minuten länger fahren müsse. Er trat aufs Gaspedal und deutete an, gleich in unsere Richtung loszufahren.“ Situationen, die belasten – auch erfahrene Kameraden. Deshalb spreche man viel über das Erlebte, um Eindrücke zu verarbeiten.

Auch in Zukunft seien Projekte wie das Youtube-Video geplant – unter anderem ein Lehrvideo für den Nachwuchs. „Wir sind stolz darauf, dass wir so eine aktive Wehr haben und Alt, Jung und Frauen und Männer zusammenbringen. Ich denke, das kann man auch zeigen“, freut sich Schertl. Die Resonanz zu dem Projekt sei „überragend“. „Vielleicht motivieren wir auch andere Wehren dazu, über den Tellerrand zu blicken und sich mit anderen Wehren auszutauschen, denn dadurch kann man nur gewinnen.“

Video über Leistungsabzeichen THLDas 3.20 Minuten dauernde Video zeigt, wie die Feuerwehr Sigl im Ernstfall agiert. Bei dem Leistungsabzeichen Technische Hilfeleistung (THL) simulierten die Kameraden eine Personenrettung aus einem Unfallauto.

Im Einsatz waren Stefan Schertl, Andreas Merkl, Florian Trummer, Osiander Ramona, Thomas Gradl, Michael Lang, Peter Gradl, Marco Herold und Matthias Trummer. Bereits 380 Mal wurde der Kurzfilm aufgerufen.

Michael Lang, 2. Vorstand, arbeitete etwa fünf Stunden an dem Video. „Ich habe alles in die richtige Reihenfolge gebracht, Szenen so arrangiert, dass es nicht langweilig wird und Musik unterlegt.“


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