Letzte Mieter wollen bleiben
Disput um Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Mozartstraße 3

Philip und Sara van Orden haben in Bürgermeister Hans-Martin Schertl (rechts) einen Helfer im Kampf um ihre Wohnung gefunden. Bild: upl
Vermischtes
Vilseck
14.12.2015
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Im Disput zwischen der Regierung der Oberpfalz und Bürgermeister Hans-Martin Schertl um die Einrichtung einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge im Haus Mozartstraße 3 meldet sich jetzt die letzte Mieterin zu Wort, die bleiben will. Sie kämpft weiter.

Sara van Orden wohnt seit Mai 2012 in dem Haus. Im August bekam sie von der Vermieterin die Kündigung "aus wirtschaftlichen Gründen", akzeptierte sie aber nicht, sondern setzte sich zur Wehr. Sie betont, als wirtschaftlicher Grund nach dem deutschen Mietrecht zähle eine drohende Insolvenz, aber nicht der Wunsch der Vermieterin, durch die Nutzung als Gemeinschaftsunterkunft mehr Profit herauszuschlagen.

"Sie versucht mit allen Mitteln, uns rauszukriegen", erwartet Sara van Orden noch mehr Vorstöße der Vermieterin. Dazu zählt sie auch die Geschichte mit der Hundehaltung. Es stehe zwar in ihrem Mietvertrag, dass sie keine Haustiere halten dürfe, doch inzwischen habe der Bundesgerichtshof entschieden, dass ein solch generelles Verbot rechtswidrig ist. Dennoch führe die Vermieterin die Haustierhaltung als Argument ins Feld, warum sie ausziehen müsse.

Sara van Orden ist sich sicher, dass die Kündigung nicht rechtens ist. Die vier anderen amerikanischen Familien, die im August noch in dem Haus wohnten, hätten es aber - möglicherweise mangels Kenntnissen im deutschen Mietrecht - nicht auf eine juristische Auseinandersetzung ankommen lassen. Zwei seien schnell ausgezogen, die dritte im November wegen der Versetzung des Mannes nach Kaiserslautern gegangen, die vierte gehe am 5. Januar nach Alaska. Sara van Orden und ihr Mann Philipp wollen bleiben. Sie schreibt noch bis Februar an ihrer Masterarbeit, ihr Mann muss Anfang des Jahres für drei Monate als Soldat ins Baltikum. "Bis Mai geht gar nichts", sagt sie.

"Mit den Betroffenen wurde nie gesprochen", beklagt sie ein Versäumnis der Regierung. Doch die größere Schuld liegt ihrer Meinung nach bei der Vermieterin: "Gut möglich, dass die Regierung am Anfang gar nicht wusste, dass die Häuser noch belegt sind." Zur umstrittenen Aussage eines Mitarbeiters der Regierung (laut Schertl: "Es sind ja nur Amerikaner, die ausziehen müssen") sagte der Bürgermeister, er stelle sich die Frage, warum der Mann ihm denn nicht sofort am Telefon widersprochen habe, als er ihm diese Aussage vorgehalten habe. "Eine Woche später eine schriftliche Erklärung vorzulegen, ist für mich eine Farce."
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