Wanderung durch ein Biber-Biotop
Der jüngste Zuzug im Leinschlag

Der ehemalige Revierförster Gunther Ködel (links) kennt im Leinschlag jeden Baum beim Vornamen, weiß Geschichten zum Leinschlag und bringt diese auch für seine Wandergruppe nachvollziehbar rüber. Bild: gf
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Vilseck
24.05.2016
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Ein "Zuagroaster" sei der Biber im Leinschlaggebiet zwischen Vilseck und Freihung, so der früher für diesen Bereich zuständige Revierförster Gunther Ködel bei einem AOVE-Spaziergang durch die Wälder und Auen nördlich der Staatsstraße 2166.

Der Biotopverbund Leinschlag umfasst über 120 Hektar. 70 davon sind Wald, und 50 wurden als Biber-Biotop eingestuft, das größtenteils vermoort und überflutet ist. Nach Osten hin erstrecken sich Modler-, Almosen- und Lindenweiher, nach Nordosten der Große Hacklweiher. Zwischen den Weihern hindurch fließt die Vils von Freihung westwärts bis zu ihrem nördlichsten Punkt bei Gressenwöhr.

Gunther Ködel betonte immer wieder, man müsse nur die Augen offen halten, um die reizvoll-abwechslungsreiche Landschaft der Oberpfalz und deren einzigartige Tier- und Pflanzenwelt zu genießen. Und immer wieder fand der ehemalige Revierförster am Wegesrand viele in der Naturheilkunde genutzte Heilpflanzen wie Kamille, Scharfgarbe, Johanniskraut, Fingerhut und Brennnessel. Der Bereich Leinschlag entstand in der Kreidezeit vor 100 Millionen Jahren und erweist sich als Talauffüllung mit größeren Moorausbildungen, Lehmablagerungen und Glimmersanden.

Störche und Fischadler werden gelegentlich gesichtet, Graureiher, Eisvogel, Braunkelchen und Gebirgsstelzen sind nachgewiesen, ebenso Zwergtaucher und Rohrammer. Zahlreiche Libellenarten sind im Leinschlag beheimatet, dazu seltene Schneckenarten, außerdem die Sumpfbewohner Laub- oder Grasfrosch sowie Kröten.

Die Ansiedlung Leinschlag entstand um 1800, der erste Besitzer war über einige Generationen die Familie des Seilermeisters Herbst aus Vilseck. Es folgten Eigentümerwechsel und andere Nutzungen, zuletzt auch als Gastwirtschaft. Seit 1978 gehört der Leinschlag der Bayerischen Staatsforstverwaltung. Der endgültige Abbruch der Gebäude erfolgte mit einer Sprengübung der GSG 9. Ködel wies darauf hin, dass der Name Leinschlag von der alten Nutzpflanze Lein oder Flachs, einer einjährigen, etwa 50 Zentimeter hohen Kulturpflanze stammt. Verarbeitet wird sie zu Leinöl, als Bestandteil der Linoleumherstellung, veredelt aber auch zu Speiseöl und Margarine. 1996 wurden erstmals Spuren des "zuagroasten" Bibers festgestellt. Unstrittig hat der Nager das Landschaftsbild inzwischen gewandelt, durch Dammbauten, um einen bestimmten Wasserstand zu halten. So möchte der Biber seine Burg sichern, weil der Eingang unter der Wasseroberfläche liegt.
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