Wenn das Blutspende-Team Station macht
Schlimm geht anders

Das fachkundige Team vom BRK-Blutspendedienst aus Nürnberg weiß, was zu tun ist. Die Blutspender sind in guten Händen. Bild: rha
Vermischtes
Vilseck
22.02.2016
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Die Nachrichten über das schwere Zugunglück bei Bad Aibling waren noch ganz frisch, da wurden sie um einen per Radio verbreiteten eindringlichen Aufruf ergänzt: Wer helfen wolle, der möge bitte Blut für die Versorgung der knapp 90 Verletzten spenden.

Viermal im Jahr richtet sich der Appell "Spende Blut!" auch an Vilsecker. Das ist der übliche Rhythmus, einmal im Quartal wird die Mehrzweckhalle dafür genutzt. "Da finden sich meist so um die 200 Blutspender ein", weiß Bürgermeister Hans-Martin Schertl. "Doch diesmal wurden gleich drei Rekorde erzielt", resümiert er den jüngsten Termin. "Von den 229 Spendewilligen wurden 219 tatsächlich zugelassen, darunter waren auch 22, die das erste Mal gekommen sind."

Der Bedarf ist hoch


Das angereiste Team des Blutspendedienstes des BRK kam aus Nürnberg. Es besteht aus drei Ärzten und zehn weiteren Mitarbeitern. Sie sind das ganze Jahr über jeden Montag bis Freitag an einem anderen Ort tätig. Abends werden die frisch gewonnenen Blutkonserven noch nach Nürnberg gebracht und dann zur Blutbank nach Wiesentheid transportiert, wo noch nötige Prüfungen und Untersuchungen stattfinden. Von hier aus werden Krankenhäuser versorgt.

"Die Konserven, die heute dort ankommen, sind morgen schon in Umlauf", erklärt die Teamleiterin der Blutabnahme. "Täglich werden in Bayern 2000 davon benötigt. Zum Glück gibt es bundesweit etwa 250 000 aktive Blutspender." Bereits eine Stunde vor Beginn des Termins ist das Team vor Ort, baut die nötigen Liegen samt der erforderlichen medizinischen Utensilien auf.

Schnell sieht es so aus, als sei man für einen Ansturm gerüstet, und in der Tat setzte er auch pünktlich um 16 Uhr ein. Die Spender kommen aus der Stadt, aber auch aus Freihung, Hirschau, Hahnbach, Edelsfeld oder Königstein.

Zunächst muss jeder, der sich Blut abnehmen lassen möchte, einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand ausfüllen. Danach kontrolliert ein Arzt die Angaben, stellt bei Bedarf zusätzliche Fragen und misst den Puls, Blutdruck und die Körpertemperatur. Parallel hat Heinrich Stubenvoll vom BRK-Ortsverband schon Tee und Saft bereitgestellt. "Je mehr Flüssigkeit im Körper ist, desto besser läuft das Blut", weiß er als Praktiker an der Basis.

Erst ein Schnell-Check


Kräftiges Trinken empfiehlt sich also und es kann losgehen. Allerdings steht erst noch ein Schnell-Check zur Feststellung des Eisengehalts im Blut an, auch das wird dokumentiert.

Jetzt fehlen nur noch eine Art Laufzettel samt dazugehörigem, sorgfältig beschrifteten leeren Blutbeutel und ein Proberöhrchen, um die Spende bei Bedarf später zurückverfolgen zu können. Danach kann sich jeder einen freien Platz auf einer der Liegen suchen und darüber nachdenken, ob er lieber in den rechten oder linken Arm gestochen werden möchte.

Danach geht alles recht schnell. Eine freundliche Frau oder ein netter Mann aus dem Blutspende-Team bitten, eine Faust zu ballen. Ist die passende Stelle der Vene gefunden, ist auch schon der praktisch schmerzfreie Stich gesetzt und das Blut kann fließen.

Nun dauert es vielleicht zehn Minuten, man kann seinen Gedanken nachhängen oder ein Schwätzchen mit dem Nachbarn halten. Rund 500 Milliliter (halber Liter) sind für eine Blutkonserve nötig. Ist die Nadel wieder draußen, heißt es vorsichtig aufrichten und ein paar Mal kräftig durchatmen.

Wer möchte, kann sich für die Spende ein Präsent aussuchen, auf jeden Fall sollte dem Körper aber wieder Flüssigkeit zugeführt werden, sprich trinken. Deshalb ist bei jedem Blutspende-Termin jeweils auch der BRK-Ortsverband gefragt. Brigitte Ringelstetter und ihre zehn ehrenamtlichen Helfer offerieren an diesem Nachmittag bis frühen Abend saure Bratwürste, Kaffee, Tee und diverse Fruchtsäfte.

Viele bleiben treu


"Ich komme gerne nach Vilseck", sagt eine Frau aus Freihung, die 87 Einträge in ihrem Blutspendepass stehen hat. "Hier ist alles so gut organisiert, so familiär und räumlich perfekt." Die 26-jährige Jessica Ruppert fügt an: "Blutspenden tut ja nicht weh. Und sollte mir etwas zustoßen, bin ich froh, wenn es für mich ein Blutkonserve gibt." Seine 118. Spende hat bereits Ägidius Weiß hinter sich, der ursprünglich in den 80er Jahren einem Zeitungsaufruf gefolgt war und seither regelmäßig kommt. Als Erstspenderin war an diesem Donnerstag Sonja Weiß da, ein Nachbar hatte sie überzeugt: "Ich komme wieder", war sie sich sicher.
Blutspenden tut ja nicht weh.Jessica Ruppert (26), Blutspenderin
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