Treffen der Gewerkschaft
Flexi-Rente nichts für den Bau

Joachim Schertl (links) bleibt Vorsitzender des Ortsverbandes der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Weiter von links: Jürgen Delert, Robert Häusler, Karl Brütting, Josef Lindner und Hermann Schertl. Bild: hfz
Wirtschaft
Vilseck
14.11.2016
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Ein Rückblick auf die letzten vier Jahre des Ortsverbandes sowie Wahlen und Informationen zu aktuellen Themen waren Schwerpunkte der Mitgliederversammlung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Vilseck. Laut Vorsitzendem Joachim Schertl gab es jedes Jahr zwei Mitgliederversammlungen zu aktuellen Themen Tarif- und Sozialpolitik. Im gesellschaftlichen Bereich hab es vier Ausflugsfahrten und Grillfeste gegeben. Zudem beteiligte sich der Ortsverband an überregionalen Veranstaltungen wie den Demonstrationen gegen die Freihandelsabkommen in Berlin und München.

Mit Betriebsvereinbarung


Gewerkschaftssekretär Karl Toth referierte über die Tarifrunde 2016 im Bauhauptgewerbe. Bei dieser wurde eine Lohnerhöhung von insgesamt 4,6 Prozent im Westen (Laufzeit bis 28. Februar 2018) erzielt. Ein Knackpunkt der Verhandlungen sei die Regelung für auswärtige Beschäftigung gewesen. Ab 1. Januar 2017 müsse der Chef die Unterkunft stellen und auch bezahlen. Kollegen, die auf Montage sind, haben laut Toth einen Anspruch auf eine Verpflegungspauschale von 24 Euro. Mit einer Betriebsvereinbarung könne diese auf bis zu 28 Euro angehoben werden.

Auch über dieses Thema sprach der Funktionär: "Die neue Flexi-Rente ist ein Schritt in die richtige Richtung, insbesondere die verbesserten Hinzuverdienstgrenzen sind wichtig." Das am 1. Januar in Kraft tretende Rentenmodell sei für Bauarbeiter jedoch untauglich, weil sie erst mit 63 Jahren in Anspruch genommen werden könne. Im Landkreis und in der Stadt Amberg gebe es zurzeit 1560 aktive Bauarbeiter, von denen 2,2 Prozent älter als 63 seien. Auch im Bereich der über 60-Jährigen sehe es mit einem Anteil von 6,3 Prozent nicht viel besser aus. In der Oberpfalz insgesamt gebe es 13 970 Bauarbeiter, wovon 1,5 Prozent in den Genuss der Flexi-Rente kämen. Die über 60-Jährigen machten im Bezirk 5,5 Prozent der Beschäftigten aus. Diese Zahlen zeigten, dass mehr zur Verbesserung getan werden müsse.

Darlehen oft nicht möglich


Die EU-Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie seien besonders hart in deutsches Recht umgesetzt, kritisierte Karl Toth. Die Banken müssten prüfen, ob die Darlehen über die gesamte Laufzeit bedient werden. Vermögen und die Einkommenshöhe spielen eine Rolle bei der Vergabe von Baugeld. Grundstücke und Wohnimmobilien dürfen laut Toth bei Privaten nicht mehr als Sicherheit akzeptiert werden, was Probleme aufwerfe. Bei jungen Leuten, die Familien gründen und sich Wohneigentum schaffen wollten, sowie für Ältere, die vielleicht ihre Immobilie noch einmal renovieren möchten, könne dies dazu führen, dass Kredite abgelehnt werden müssten. Auch habe man mit dieser Gesetzgebung dem privaten Wohnungsbau einen Bärendienst erwiesen.

Die Neuwahlen brachten folgendes Ergebnis: Joachim Schertl bleibt Vorsitzender. Sein Stellvertreter ist Karl Brütting. Als Beisitzer fungieren Robert Häusler, Josef Lindner und Hermann Schertl. Jürgen Delert reist zum Verbandstag des Bezirks.
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