Die Heimat-Ministerin

Beim Jahresempfang der SPD sprach der Vohenstraußer Bürgermeister Andreas Wutzlhofer (CSU, rechts) mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (Zweite von links), der Landtagsabgeordneten Annette Karl und dem Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch (beide SPD). Bild: Steinbacher
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Vohenstrauß
11.02.2015
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Andrea Nahles fühlt sich in der Oberpfalz an ihre Heimat in der Eifel erinnert. Beim Neujahrsempfang der SPD in Vohenstrauß (Kreis Neustadt/WN) bricht sie damit das Eis. Und mit Einblicken ins Privatleben einer Bundesministerin.

Die Vohenstraußer Stadthalle ist auf Fasching geschmückt. "Flammendes Eis" ist das Motto. Unter der Saaldecke baumeln Motive: Schneeflocken, Eiszapfen, Eisvögel, Herzen, züngelnde Flammen. Noch am Sonntag war hier Familienball, am Dienstagvormittag drängt das Publikum in die Tischreihen. Die SPD im Kreis Neustadt/WN hat zum Jahresempfang geladen, und der ist traditionell gut besucht. Von Roten und Schwarzen, Gewerkschaftern und Wirtschaftsbossen. Und von einem prominenten Sozialdemokraten.

In diesem Jahr ist es Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Sie kommt im marineblauen Hosenanzug, dünn gestreift und mit breitem Revers. Der Empfang ist freundlich; auf Musik verzichtet die SPD. Auch der SPD-Kreischefin Annette Karl ist die Dekoration ins Auge gestochen. "Extra für dich, liebe Andrea" seien die Faschingsfiguren hängen geblieben, scherzt sie in ihrer Begrüßung, während Nahles Autogramme in Parteibücher schreibt. "Da musst du mir nichts erklären", erwidert die Ministerin kurz darauf am Rednerpult. "Ich bin Funkenmariechen gewesen." Damals, in ihrer Heimat in der Eifel, an die sie sich jetzt in der Oberpfalz erinnert fühlt, wie sie sagt. Das Eis ist gebrochen.

Selbstlob? - "Klar"

Dann verfällt Andrea Nahles ins Standard-Schema für Reden rund um den Jahreswechsel. Sinngemäß: 2014 war viel zu tun, 2015 wird viel zu tun sein. "Unserem Land geht's gut. Das liegt auch daran, dass wir eine ordentliche Bundesregierung haben." Die Verkaufsbotschaft kommt gefühlt bereits nach einer Minute. "Das ist Selbstlob, klar", schickt Nahles hinterher. "Aber warum nicht?" Die Koalition habe schließlich geliefert. Etwa bei der Mindestrente. Rückblende ins Private: "Ich war Straße kehren, letztes Jahr im Juni", erzählt die Politikerin, die mit 126 Milliarden Euro den größten Brocken des Bundeshaushalts verwaltet. Dabei sei sie von ihrer Nachbarin - 75 Jahre, fünf Kinder, 650 Euro Rente - ungläubig auf angebliche Mütterrenten-Pläne angesprochen worden. "Doch Juliana, das kommt", habe sie ihr gesagt. "Ich hab das Gesetz gemacht." Inzwischen bekomme Juliana 128 Euro mehr Rente.

Persönliche Erfahrungen ziehen sich als roter Faden durch den Rundumschlag. Das beginnt bei der Erwerbsminderungsrente ("Mein Opa hatte noch eine Staublunge"), reicht über den als "Bürokratiemonster" gescholtenen Mindestlohn ("Es gibt keine Monster. Ich sage das meiner Tochter jeden Abend, wenn sie Angst hat") und reicht bis zum Bangen einer Spitzenpolitikerin, ob denn die Betreuung der vierjährigen Tochter durch Mann, Oma und Kita lückenlos klappt ("Wenn irgendwas schiefgeht, wird's eng"). Nahles kündigt Schwerpunkte der künftigen Arbeit an. Familie und Beruf sollen noch besser miteinander vereinbar sein - für Frauen und Männer. "Wie man die Kiste nennt, ist mir wurscht." Langzeitarbeitslose sollten zudem intensiv betreut werden, um zum Beispiel mit zwei Stunden in der Woche eine "sinnvolle Beschäftigung" bei Kommunen zu finden.

Gegen "dumpfe Parolen"

Apropos Kommunen. Sonderapplaus erhält die Bundesministerin, wenn sie darauf hinweist, dass die Gemeinden mehr Unterstützung verdienen. Auch für die Integration von Flüchtlingen im Rahmen einer Willkommenskultur für Zuwanderer. "Dumpfe Parolen, die wollen wir nicht haben." Diese seien nicht nur wegen der Verletzung der Menschenwürde indiskutabel, sondern "saublöd" obendrein, "weil wir diese Menschen noch brauchen".

Nahles' Zeitplan ist eng getaktet. Es reicht noch für Weißwürste und Pils, ein offenes Ohr für die mahnenden Worte von Kreishandwerksmeister Karl Arnold zum Mindestlohn und ein paar Erinnerungsfotos unter dem Faschingsschmuck zum "Flammenden Eis". Draußen, im Tauwetter, wartet schon die Limousine mit Kennzeichen MYK. Das steht für Mayen-Koblenz, der Heimat in der Eifel, wo die Familie wartet.
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