500 Jahre Reformation
Liebeszauber wirkt nicht

Auf der Suche nach der Ursache alles Bösen gelangten die Männer auch zu den Frauen. Ihnen wurde immer wieder vorgeworfen, mit dem Teufel im Bunde zu sein. Den Holzschnitt „Die eitle Frau“ hat Albrecht Dürer im Jahr 1493 geschaffen. Repro: tss
Kultur
Vohenstrauß
19.05.2017
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Die Jahre nach der Reformation sind voller Geschichten. Dr. Volker Wappmann kennt eine ganz besondere Begebenheit aus der Region. Darin spielt eine mutmaßliche Hexe eine Rolle.

Von 1542 bis 1627 war die Region komplett evangelisch. Zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) lebte in Roggenstein Margarete Stör, der die Dorfgemeinschaft seltsame Künste nachsagte, schrieb Wappmann in der Festschrift zum 80-jährigen Bestehen des Evangelischen Frauenbunds Vohenstrauß. Eine Nachbarin, deren Gatte die Abende und Nächte lieber in den "Rockenstuben" als daheim verbrachte, wollte Störs Liebeszauber ausprobieren: Man nehme einen Schuh des Ehemanns, vermahle ihn zu Pulver, schütte es in ein Ei und verzehre das Ganze dann.

Allerdings funktionierte der Liebeszauber nicht. Aus Wut und Enttäuschung wandte sich die Frau an Landrichter Hans Siegmund von Giech, der von der Regierung in Pfreimd schließlich den Befehl erhielt, Stör im Gefängnis der Burg Leuchtenberg zu verhören und notfalls die Daumenschrauben etwas fester anzuziehen. Für Wappmann haben die vermeintlichen überirdischen Hexenkünste eher weltliche Ursprünge. "Die Frauen auf den Dörfern waren derart eifersüchtig aufeinander, dass die sich laufend gegenseitig der Zauberei bezichtigten und nicht davor zurückschreckten, dieses bei der Regierung anzuzeigen."

Raue Sitten


Die Vernehmung der 50-jährigen Stör brachte unter anderem den Grund, warum sie sich der Zauberei zugewandt hatte, ans Tageslicht. Auch ihr erster Mann hielt sich gerne in den "Rockenstuben" auf und schlug sie, als er heimkam. Eine Bewohnerin des Siechhauses hatte ihr daraufhin den Trick mit dem Schuh verraten. "Dann werde ihr Mann des Wirtshauses müßig gehen. Unter diesen Umständen brauche sie sich auch nicht mehr vor dem Roggensteiner Wirtshaus aufzuhängen, um ihren Mann und die Wirtin zu ärgern", beschreibt Wappmann die rauen Sitten. Ob der Zauber in ihrem Fall gewirkt hat, ist nicht bekannt.

Das Urteil gegen Stör fiel jedenfalls relativ milde aus: Sie musste den Gefängnisaufenthalt bezahlen und bekam einen Verweis, künftig auf die Zauberei zu verzichten. Dafür vergaß die Regierung die Männer und deren Freuden nicht, denn die "Rockenstuben" mussten "bei 10 Gulden Strafe abgeschafft werden". Grund: Dort haben sich "nur verdächtige Sachen mit unzüchtigen, schandbaren Reden und Liedlein" zugetragen.

Der Landrichter verzichtete also, Stör unter Einsatz von Folterinstrumenten noch weiter zu befragen. Etwa, ob sie sich mit anderen Hexen getroffen hätte, auf einem Besen geflogen sei oder sich schon einmal in ein Tier verwandelt habe. Zauberei wurde geahndet, vor Hexenprozessen schreckte die Regierung aber zurück. Die Oberpfalz war damals wohl "ein Land, in dem zwar fleißig gezaubert wird, das aber den großen, aufsehenerregenden Prozesse entbehrt", schlussfolgert Wappmann. Erst einige Jahre später bei der Gegenreformation und nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs war vermehrt von Hexerei die Rede.

Kein gutes Ende


Für Stör ging die Sache dennoch nicht gut aus. Als sie aus der Haft entlassen wurde, gab es in Roggenstein weiterhin Verdächtigungen. Besonders ihr Schwiegersohn Oswald Steindl sorgte für Gerüchte. Als der Landrichter einmal an ihrem Haus vorbeiritt, soll sie gesagt haben, dass der Teufel den Edelmann hinausführe und Verwünschungen ausgestoßen haben, behauptete Steindl.

Vielleicht sei das Pferd deswegen gestorben. Der leuchtenbergische Kanzler Johann Federl votierte "für drei Tage und drei Nächte Geige": Stör bekam ein Brett um den Hals, durch das sie auch noch ihre Hände stecken musste. So wurde sie den Dorfbewohnern der Lächerlichkeit preisgegeben. Danach verließen sie und ihr Mann den Ort, ihr weiterer Lebenslauf ist unbekannt.

Die Frauen auf den Dörfern waren derart eifersüchtig aufeinander, dass die sich laufend gegenseitig der Zauberei bezichtigten.Dr. Volker Wappmann
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