Arte-Ensemble begeistert mit dem "Verlorenen Lächeln" beim Rathauskonzert in Vohenstrauß
Komponieren, streichen und zithern für Schubert

Ein überzeugendes Konzert bot das Arte-Ensemble bei seinem Auftritt im Vohenstraußer Rathaus. Bild: Donhauser
Kultur
Vohenstrauß
20.10.2015
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Ein freudiges Ereignis beim diesjährigen Konzert des Arte-Ensembles am Sonntag in Vohenstrauß: Backfrische Noten, und zu den Streichern tritt die Klassik-scheue Zither. Nichts wie hin! Der Rathaussaal mit den legendären Leuchtstoff-Röhren-Lüstern war randvoll.

Die Unterstimmen des Arte-Ensembles, Ute und Albert Sommer sind einheimische Gewächse; mit Kathrin Rabus, Theresia Stadlhofer und der Bratschistin Carolin Frick bilden sie ein bekannt-bewährtes Team, das sich auch bei neuer Musik prima profiliert. Georg Glasl, "Zither-Professor" an der Hochschule für Musik und Theater München steuert souverän die faszinierenden Klangfarben seines Instrument bei, die auch mal an Gitarre, Harfe oder Hammerflügel erinnern.

Nicht-alltägliche Klänge

Wenn die "Arte-isten" dazu streichen, zupfen und die Palette ihrer Flageolett-Künste auspacken, gibt es nicht-alltägliche Klänge zu erleben. Nicht genug damit: Beim "Großen Lächeln" von Wilfried Hiller (*1942) streut Valentin Sommer delikate Einspielungen darüber und sorgt zudem für eine dezente "Mikrofonierung" der Zither. Hillers Musik ist an diesem Abend die einzige ohne direkten Bezug zu Franz Schubert. Die still-lächelnde Power des thematisierten Bronze-Kopfes von Antje Tesche-Mentzen (*1943) behauptet sich mit tonalen archaischen Motiven.

Hiller scheint die schweifenden Gedanken des Betrachters lesen zu können, die Zuspielung lässt dessen Umwelt erklingen. Er bleibt auch bei Mondlicht im Skulpturengarten, zur Stunde, wo der Himmel die Erde küsst und spukhafte Nachtschattentänze zu beobachten sind. Das ist echt zum romantisch-werden! Übermäßige Sekundschritte wecken orientalische Assoziationen, die Kunst verführerischer Melodik hat ihre große Stunde in dieser, der 1001. Nacht.

Mit "Barbaras Landler" von Klaus Lang (*1971) nähern wir uns Schubert. Er ist ein suggestiver "Ohrenspitzer". Barbaras "Wortschatz" reicht aber kaum über eine kleine Sexte hinaus. Nach der Hälfte des Stückes wissen wir es. Bernhard Lang (*1957) schreddert in der "Monadologie XXXI for Franz III" Schuberts Motive und Strukturen aus dem langsamen Satz des C-Dur-Quintetts digital und setzt sie quasi mit programmiertem "Copy and Paste" neu zusammen. Respekt vor der kompositorischen Idee, es werden aber doch 25 lange Minuten Viertelton-Spiele (nicht alles war auf den Punkt getroffen) in Franzls Sandkasten.

Viel Atmosphäre

Dazwischen immer wieder "Ländler hören": Bernd Redmann (*1965, aufgewachsen in Niederbayern), seit 2014 Präsident der Münchener Hochschule hat's gemacht. Er ist angereist und hört seine Musik zum ersten Mal im Konzert. Schuberts Ländler brauchen wenig Töne, wenig Zeit und haben doch unglaublich viel Atmosphäre. Redmann hat sie mit Hochachtung und mit Fingerspitzen angefasst, wie improvisatorisch erweitert, mit Streicher-Schmelz geadelt und vertieft. Nie wird es volkstümlich, nie wein- oder redselig, aber wir haben mehr Zeit, Schubert äußerlich und innerlich einwirken zu lassen. Große Kunst.
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